Darkest Dungeon 2 im Test: Der noch dunklere dunkelste Dungeon? - Seite 2
Test
Darkest Dungeon 2 ist (vorerst) exklusiv mit Early-Access im Epic-Games-Store gestartet. Was die zweite Runde des finsteren Rogue-Like-Dungeon-Crawler kann und inwiefern die Unterschiede zum ersten Teil ausfallen, erfahrt ihr von uns im Test.
Stressig, stressiger, Darkest Dungeon
Neben der normalen Lebensleiste hat jeder Charakter in Darkest Dungeon noch eine Stressleiste. Im ersten Teil hat das vollständige Füllen dieser Leiste dafür gesorgt, dass der Charakter wahnsinnig wird und mit einer psychischen Krankheit belegt, welche einen langanhaltenden, schweren Debuff darstellte.
Im zweiten Teil sind diese negativen Ticks auch noch vorhanden, das Füllen der Stressleiste hat aber noch deutlich gravierendere Effekte. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Stressleiste ihr Maximum erreicht, kommt es nämlich zu einem Nervenzusammenbruch.
Bei einem Nervenzusammenbruch wird die Lebensleiste direkt auf einen sehr niedrigen Wert gesetzt und die Beziehungen, die aufgebaut wurden, zerbrechen. Aber nicht nur die positiven Beziehungen werden stark beschädigt, sondern die negativen Beziehungen werden umso mehr ausgeprägt.
In diesem Artikel
Das so starke Abfallen eines Charakters sorgt dann oftmals dafür, dass derjenige auch seine Mitstreiter mit in den Ruin zieht. Das war zwar auch im ersten Teil schon so vorhanden, durch das Beziehungssystem kommt es hier aber natürlich viel stärker zu Geltung.
Quelle: PC Games
An Schreinen könnt ihr spezielle Flashbacks freischalten. Das gibt euch mehr Kontext für die Charaktere und lässt diese neue Skills lernen.
Man kommt in eine Art Teufelskreis, da schlechte Beziehungen den Aufbau von Stress fördern und mit höherem Stresspegel auch die Beziehungen einfacher in die Brüche gehen. Andersrum ist das natürlich auch möglich, es gibt nur kein positives Gegenstück zum sehr drastischen Nervenzusammenbruch, weshalb es schwerer ist in einem guten Kreislauf dieser Art zu landen.
Das Stresssystem ist also deutlich härter als im ersten Teil, das aber auch zurecht. Denn wie schon erwähnt ist, durch den stärkeren Fokus auf das klassische Rogue-Like-Prinzip, der Frustfaktor in Darkest Dungeon 2 deutlich geringer. Man kann solche Mechaniken, wie die des Stress-Aufbaus, also gerne härter machen, da es nur den aktuellen Versuch beeinflusst und die Charaktere nicht auf immer verdirbt.
Selbst wenn es mal dazu kommt, dass ein Nervenzusammenbruch in einem unschönen Moment dem gesamten Team das Leben kostet, kann man direkt danach einfach wieder einen neuen Versuch starten und alles ist vergessen. Beim ersten Teil würde das viel mehr Einfluss auf lange Zeit haben, da man dort die Charaktere langwierig behandeln lassen müsste oder im Falle des Todes sogar ganz ersetzen.
Licht am Ende des Tunnels
Quelle: PC Games
In den Flashbacks gibt es allerlei einzigartiges, wie ein rundenbasierter Vorlesungs-Kampf gegen einen Professor.
Auch die Änderungen an der namensgebenden Lichtmechanik müssen erwähnt werden. Im ersten Teil funktioniert das nämlich so, dass man eine Fackel mit einem Lichtpegel von 0 bis 100 hat, die konstant runterbrennt.
Man kann sich aber für seine Runs zusätzliche Fackeln mitnehmen und diese anzünden, um den Lichtpegel wieder zu steigern. Höherer Lichtpegel macht das Spiel einfacher, aber weniger belohnend, wohingegen mehr Dunkelheit stärkere Gegner hervorbringt, die dann aber auch bessere Belohnungen droppen.
Im zweiten Teil fehlt dieser Teil der zusätzlichen Belohnung komplett, und die Möglichkeit Fackeln einzupacken gibt es auch nicht mehr. Hier ist also kein Abwägen mehr notwendig, sondern es ist schlichtweg immer besser im Hellen unterwegs zu sein, da dies Buffs für das eigene Team und Debuffs für die Feinde bedeutet. Bei Dunkelheit funktioniert das Ganze dann natürlich auch andersherum.
Den Helligkeitspegel erhöht man hier in erster Linie durch das Event mit den verzweifelten Zivilisten, da diese einem oftmals eine Steigerung des Helligkeitspegels als Belohnung bieten. Aber auch Items, die die Helligkeit erhöhen, sind wieder zu finden, wenn auch nicht mal ansatzweise so einfach wie die Fackeln in Teil 1.
Eine andere Art der Dunkelheit
Quelle: PC Games
Zu Beginn der Early-Access stehen neun Klassen zur Auswahl. Ihr startet hierbei mit den ersten vier und schaltet die anderen mit der Zeit frei.
Die Stadt, die in Teil 1 noch Dreh- und Angelpunkt des Spiels war und in der man seine ganzen Charaktere aufleveln und behandeln lassen konnte, fehlt in Teil 2 komplett. Im Gegensatz zum ersten Teil legt Darkest Dungeon 2 auch viel mehr Wert auf den Rogue-Like-Aspekt und auf das Vorankommen in einzelnen Runs.
Dies funktioniert auch vor allem dadurch so gut, dass alle Mechaniken, welche in der Stadt vorhanden waren, auf intelligente Art und Weise in andere Mechaniken des Spiels eingeflossen sind und dadurch weiterverarbeitet werden.
Das Lazarett zum Beispiel war im ersten Teil noch in der Stadt positioniert und bot nur die Möglichkeit sich nach einem Rückzug zu erholen. In Darkest Dungeon 2 ist es wie schon erwähnt Teil der Reise und kann dort immer wieder gefunden und besucht werden.
Obwohl das Spiel so komplex ist, wirkt es trotzdem nie zu komplex. Das ist ein Gefühl, welches man beim Durcheinander des ersten Teils schon hin und wieder hatte. Und das alles, obwohl Darkest Dungeon 2 so viele Mechaniken mit sich bringt, dass wir diese gar nicht mal alle im Test behandelt haben.
Dass die Charaktere wirklichen Krankheiten zum Opfer fallen können oder dass es sogar möglich ist, die Kutsche durch diverse Upgrades zu verbessern, sind zum Beispiel kleine Nebenmechaniken, die wir nicht mal angesprochen haben, da sie neben den ganzen großen Punkten gerne mal untergehen.
Erster oder zweiter Teil, welcher strahlt heller?
Der fantastische Artstyle kommt dieses Mal sogar noch besser zur Geltung, da die Optik an vielen Stellen weiter aufgewertet wurde. Die Atmosphäre ist mindestens genauso dicht und wird wieder durch den Sprecher aus dem Off getragen. Auch sonst überzeugt die schaurige soundtechnische Untermalung. Die Kämpfe wurden logisch erweitert und glänzen vor allem durch die neue Beziehungsmechanik.
In quasi allen Aspekten überzeugt Teil 2 also mehr als Teil 1. Dadurch, dass der Fokus aber so anders gesetzt ist und viele Teile des Gameplays außerhalb der eigentlichen Kämpfe anders funktionieren, fühlt sich Darkest Dungeon 2 eher wie eine bessere Alternative als ein direkter Nachfolger an.
Einzig und allein was die Menge des Inhalts angeht, kann Teil 2 (noch) überhaupt nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Wir vergleichen hier aber ein fertiges Spiel aus 2015, das durch einige Addons und DLCs sogar noch erweitert wurde, mit einem frischen Early-Access-Titel.
Red Hook Studios haben mit Teil 1, der damals auch im Early-Access gestartet ist, bereits perfekt bewiesen, dass sie dieses System wirklich nutzen, um das bestmögliche aus einem Spiel herauszuholen. Deshalb sind wir guter Dinge, dass das auch so bei Teil 2 der Fall sein wird.
Hinweis: Wir haben die ursprüngliche Wertung (8/10) für Darkest Dungeon 2 entfernt, weil wir derzeit an einem neuen System arbeiten, mit dem wir im Early Access befindliche Spiele in Tests bewerten wollen. Wir wollen einerseits eine Kaufentscheidung geben, aber andererseits auch den Status dieser Spiele als unfertige Projekte berücksichtigen.
