Daemon X Machina: Mech-Actionspektakel für Nintendo Switch im Test - Review

Test Johannes Gehrling
Daemon X Machina: Mech-Actionspektakel für Nintendo Switch im Test - Review
Quelle: Nintendo

Riesige Kampfanzüge, ein fremder Planet voller feindlicher KI-gesteuerter Roboter, hitzige Schlachten, und all das auf der Switch - klingt toll, oder? Auf dem Papier ja. In der Realität aber offenbart Daemon X Machina leider einige Schwächen. Im Test erfahrt, wo genau es hackt. Aber auch, was bei Daemon X Machina richtig gut läuft.

Was lange währt, wird endlich gut? Nun, nicht unbedingt. Manchmal nämlich auch einfach nur belanglos. Erstmals zur E3 2018 angekündigt, begleitet uns das Switch-exklusive Actionspiel nun schon eine ganze Weile. Ursprünglich sollte Daemon X Machina (jetzt kaufen 40,40 € ) schon Anfang des Jahres erscheinen, der Release wurde jedoch nach hinten verschoben. Dafür durften wir - und neben uns auch alle anderen Spieler - uns bereits vor rund einem halben Jahr in einer speziellen Demo aus dem Switch-eShop mit einigen Prototyp-Missionen ein erstes, recht ausführliches Bild vom Game machen. Ausgewählte Demo-Tester wurden gar per E-Mail zu einer Umfrage eingeladen, deren Ergebnisse dazu führten, dass die Entwickler noch mal Hand ans Spiel legten und Verschiedenes optimierten. Kein Wunder also, dass das Spiel vom Frühjahr auf den Spätsommer, genau genommen den 13. September, verlegt wurde. Was uns im Vergleich zur Prototyp-­Demo von Anfang des Jahres im finalen Spiel auffällt? Nun, eigentlich nicht viel Neues. Zumindest augenscheinlich aber hat das Team von Marvelous noch technischen Feinschliff geleistet, denn in dieser Hinsicht ist Daemon X Machina wahrlich nichts vorzuwerfen. Dafür aber an einigen anderen Stellen.

Stellt euch den KI-Horden

Doch kommen wir zunächst zum Grundsätzlichen: In der Zukunft hat die Menschheit einen fremden Planeten besiedelt, gar nicht mal so weit von der Erde entfernt. Als eines Tages der Mond dieses Planeten auf ebendiesen kracht, beseelt eine unbekannte außerirdische und vor allem bösartige Kraft die von der Menschheit geschaffene künstliche Intelligenz, die in unzähligen Maschinen steckt. Die Folge: Das außer Kontrolle geratene Kampfgerät greift die Menschen an! Mutig stellen sich die Outers, einen solchen spielt auch ihr, den gefährlichen Robotern, Panzern, Geschützen und anderen feindseligen Widersachern in den Weg.

Weil die Menschen - auch, wenn sie in Daemon X Machina heutigen Menschen dank fortschrittlicher Biotechnik körperlich weit überlegen sind - all diesen teils gigantischen und extrem mächtigen Feinden nicht sehr viel entgegenzusetzen haben, begeben sie sich in "Arsenals" genannten Roboter-Kampfanzügen ins Gefecht. Das trifft natürlich auch auf euch zu. Die robotischen Anzüge verfügen nicht nur über eine solide Panzerung, Flugfähigkeiten und unterschiedliche Waffen, sie können auch optisch sowie in puncto Panzerung und Waffen immer weiter verbessert werden. Das ist auch zwingend nötig, um den immer größer und stärker werdenden Horden feindlich beseelter, KI-gesteuerter Kampfmaschinen etwas entgegensetzen zu können.

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Gutes Fortschrittsystem

Im Progressions- beziehungsweise Fortschrittsystem liegt eine große Stärke von Daemon X Machina. Während ihr zunächst noch mit der (allerdings bereits ziemlich mächtigen) Standard-Basisausstattung startet - und zwar sowohl bezüglich eurer Spielfigur als auch eures Kampfanzugs -, könnt ihr hier bereits mit den ersten Missionen Fortschritte verbuchen. Schnell könnt ihr im Labor gegen verdiente Credits biomechanische Eingriffe vornehmen lassen und dadurch alle eure Fähigkeiten verbessern, zum Beispiel Geschwindigkeit oder Stärke. Im Hangar rüstet ihr den Arsenal mit neuen Anzugteilen und Waffen aus, was ihn einerseits widerstandsfähiger, andererseits aber auch schlagkräftiger macht. Die Teile sammelt ihr entweder bei den Schlachten auf, oder ihr fordert diese, ebenfalls im Gegenzug für verdiente Credits, in der Fabrik als Neuentwicklung an; nach Abschluss der Entwicklung stehen neue Teile dann im Shop zur Verfügung. Ja, erneut müsst ihr dafür natürlich Credits löhnen. Des Weiteren könnt ihr euren Arsenal auch optisch mit Lackierungen und Stickern anpassen. Das kostet dann tatsächlich mal keine Credits, teils müsst ihr entsprechendes Equipment aber im Einsatz freischalten. Doch woher nehmt ihr all das nötige Geld?

Kooperative Karambolage

Hier kommen wir zum eigentlichen Kern des Spiels: Missionen. Zu diesen gelangt ihr vom Hangar aus. Dort nehmt ihr storyrelevante oder wahlweise auch freie Missionen an, erledigt sie, und erhaltet dafür Credits. Außerdem treibt ihr mit den Missionen eben die Geschichte des Spiels voran. Da das gesamte Game sowohl lokal als auch online optional kooperativ spielbar ist, begebt ihr euch zu fast allen Einsätzen mit vom Computer gesteuerten Mitstreitern, sofern ihr Daemon X Machina ganz alleine zockt. Die Kontrolle über diese Computer-Kameraden übernehmen im Koop dann eben die realen Mitspieler. Kurze Anmerkung an dieser Stelle: Bis zur Review-Deadline hatten wir leider noch keine Gelegenheit, das Spiel kooperativ mit menschlichen Mitstreitern zu spielen. Gelegentlich bekommt ihr es in Schlachten mit besonders mächtigen Bossgegnern zu tun. Um diese zur Strecke zu bringen, müsst ihr erst die Schwachstellen finden. Quelle: PC Games Gelegentlich bekommt ihr es in Schlachten mit besonders mächtigen Bossgegnern zu tun. Um diese zur Strecke zu bringen, müsst ihr erst die Schwachstellen finden.

Missions-Monotonie

Die Missionen sind alle recht ähnlich: erledige alle Gegner, verteidige ein Gebäude, säubere eine Gegend, besiege einen Endboss. Was theoretisch abwechslungsreich klingt, erweist sich beim tatsächlichen Spielen aber leider als relativ monoton und, eigentlich noch schlimmer, belanglos. Outer und Arsenal immer weiter zu verbessern und zu verstärken motiviert zwar durchaus, davon abgesehen hält aber kein Spielelement so richtig bei der Stange. Die Geschichte wird in Gesprächen zwischen den Söldnern vor und nach Missionen, teilweise auch mitten während des Gefechts. vorangetrieben. Letzteres ist ziemlich nervig, weil ihr in den hitzigen und rasanten Auseinandersetzungen mit einer großen Zahl von Gegnern wirklich Besseres zu tun habt, als dem Dialog der NPCs zu folgen. Und selbst wenn euch das nicht stören sollte: Die Science-­Fiction-Story hält leider nicht die Spannung, die sie zunächst verspricht.

Ein großes Chaos

Nun haben wir ja schon einige Kritikpunkte aufgeführt, der wichtigste fehlt allerdings noch: das vorherrschende Chaos, und zwar in fast allen Bereichen des Spiels. Am schlimmsten kommt dieses Chaos in den eigentlichen Schlachten, also dem Kern des Spiels, zu tragen und hier wiederum ganz besonders in den ersten Spielstunden. Jeder Knopf auf dem Pro-Controller respektive den Joy-Cons verfügt über eine zugewiesene Funktion, es gibt also erst einmal einiges zu lernen: Fliegen, Abheben, Sinken, linke Primärwaffe, rechte Primärwaffe, linke Schulterwaffe, rechte Schulterwaffe, Waffenwechsel, Boosten, Verteidigen, Interagieren ... bis ihr das alles und noch mehr souverän beherrscht, ziehen definitiv ein paar Spielstunden ins Land. Doch damit nicht genug, denn auch die Kämpfe selbst sind im Allgemeinen sehr chaotisch und unübersichtlich. Den Outer, eure Spielfigur also, dürft ihr optisch nach freiem Belieben gestalten. Eingriffe im Labor verändern das Aussehen nochmals, wie hier die leuchtenden Augen. Quelle: PC Games Den Outer, eure Spielfigur also, dürft ihr optisch nach freiem Belieben gestalten. Eingriffe im Labor verändern das Aussehen nochmals, wie hier die leuchtenden Augen.

Klar, das entspringt sicher einer bewussten Entscheidung, aber ob diese Entscheidung die richtige war? Fragwürdig. Diese Problematik fiel uns schon bei der Prototypen-Demo vor einigen Monaten auf und während andere Aspekte des Spiels anhand des Spieler-Feedbacks offensichtlich tatsächlich noch mal hin zum Positiven überarbeitet wurden, hat sich bezüglich dieses Punktes leider nichts mehr getan. Schade, denn auch wenn das Chaos mit fortschreitendem Spielverlauf beherrschbarer wird, so bleibt es an vielen Stellen trotzdem frustrierend und mitunter auch einfach nervig. Verstärkt wird die dadurch entstehende innerliche negative Unruhe noch durch die Musik.

Hier haben sich die Entwickler ganz bewusst für Metal als Genre entschieden. Die Stimmigkeit zur allgemeinen Atmosphäre des Spiels wollen wir auch gar nicht in Frage stellen. Das Chaos wird dadurch aber gefühlt noch größer und schlimmer, was letztendlich dazu führt, dass Daemon X Machina ziemlich anstrengend ist - obwohl beispielsweise die fehlende Notwendigkeit genauen Zielens das Gegenteil vermuten lässt. Beim Test haben wir uns hier etwas durch das Absenken der Musiklautstärke behelfen können. Noch lieber aber hätten wir die Möglichkeit gehabt, aus weiteren Musikrichtungen zu wählen.

Zu viele Infos

Noch problematischer wird das ohnehin vorherrschende Chaos durch die großteils recht unübersichtlichen Interfaces, vor allem bei den Schlachten. Hier findet einfach zu viel detaillierte Information auf zu wenigen Pixeln statt. Zwar läuft Daemon X Machina augenscheinlich mit den vollen 720p im Handheld- sowie 1080p im TV-Modus und schaut vor allem stilistisch wirklich toll aus. In diese für heutige Verhältnisse nicht allzu hohe Zahl von Pixeln haben die Entwickler aber einfach zu viele kleinteilige Informationen unterschiedlicher Art gepackt. Da finden nicht nur große Zahlen zu Parametern wie Ausdauer, Energie und Fenom Platz, sondern auch zur Munition der gegebenenfalls mehreren Waffen, welche Waffen an welchen Slots montiert sind, eine Minikarte mit wiederum vielen detaillierten Informationen zu Verbündeten, Gegnern, Lademöglichkeiten und Co., Feedback zum Schaden getroffener Gegner ... Kurzum: Eine wahre Flut von kleinteiligen Informationen bricht über den Spieler herein. Zusammen mit der treibenden Metal-Musik und den ohnehin chaotischen Schlachten sowie der umfangreichen Steuerung und den vielen Moves und Angriffen sind hier irgendwann selbst erfahrene Profis am Rande ihrer Möglichkeiten angelangt. Wir fühlten uns beim Testen des Spiels mehrfach richtiggehend gestresst. Während der Schlacht müsst ihr den Arsenal verlassen, wenn er kaputt geht. Als Outer geht der Kampf zwar weiter, dann seid ihr aber ziemlich schutzlos. Quelle: PC Games Während der Schlacht müsst ihr den Arsenal verlassen, wenn er kaputt geht. Als Outer geht der Kampf zwar weiter, dann seid ihr aber ziemlich schutzlos.

Nicht der große Wurf

Ist von Daemon X Machina also auf jeden Fall abzuraten? Nein, natürlich nicht grundsätzlich. Wem es aber schnell zu hektisch und unübersichtlich wird, der sollte sich gut überlegen, sich dem Chaos dieses Spiels wirklich auszusetzen. Wer wiederum genau auf diese Unübersichtlichkeit und das chaotische Gewusel unzähliger Gegner und anderer NPCs steht, für den könnte das Game durchaus eine gute Wahl sein. So oder so: Der große Wurf ist Daemon X Machina auf keinen Fall, dafür hat es zu viele Schwachpunkte. Und fern aller spielerischen Vorlieben: Dafür ist auch das Gameplay trotz aller Action zu belanglos, zu monoton, die Geschichte zu austauschbar und dafür sind die Interfaces viel zu vollgepackt für eine Auflösung von maximal Full HD. Vielleicht ist die Switch nicht die richtige Plattform für Daemon X Machina, vielleicht auch sind die Entwickler zu ambitioniert an ein Projekt herangetreten, das im Endeffekt auf einer Handheld-Konsole läuft. Wir haben uns im Vorfeld jedenfalls mehr von der eigentlich sehr vielversprechenden Prämisse erhofft, wenngleich die Verschiebung sowie das Spieler-Feedback schon Anzeichen waren, dass Daemon X Machina mit so mancherlei Problemen zu kämpfen hat. Nun wissen wir: so ist es tatsächlich.

Meinung

Wertung zu Daemon X Machina (NSW)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Viele AnpassungsmöglichkeitenJede Menge FreischaltbaresHübsche Grafik und schöner StilKomplett kooperativ spielbarInteressante Sci-Fi-StoryVerspricht auf dem Papier viel ...
… ist aber relativ belanglosSchlachten sehr unübersichtlichSpielablauf recht monotonUnübersichtliche InterfacesZu chaotisches GameplaySchlachtfelder sind ziemlich kleinNPCs hölzern, Dialoge belanglosHangar bietet wenig InteraktionMusikalisch etwas einseitig
Fazit

Theoretisch vielversprechend, praktisch aber nur mittelmäßig. Die Erwartung war höher.

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