Crown Trick: Bezaubernd und traumhaft durch die Rogue-like-Albträume - Test

Test Yannik Cunha Lukas Schmid
Crown Trick: Bezaubernd und traumhaft durch die Rogue-like-Albträume - Test
Quelle: PC Games

Mit Crown Trick bringt Next Studios ein rundenbasiertes, wunderschön gezeichnetes Rogue-like auf den Markt, das sich sehen lassen kann. Das Spiel mag zwar süß aussehen, hat es stellenweise jedoch knallhart in sich. Die Story behandelt tiefgreifende Themen und der Schwierigkeitsgrad ist auch nicht niedrig. Was den Titel sonst noch auszeichnet, klärt unser Test.

In dem rundenbasierten Rogue-like-Rollenspiel Crown Trick spielt ihr das Mädchen Elle, das zum Anfang seiner Reise in einem dunklen Raum aufwacht und seinem neuen Begleiter begegnet: Krone. Wie sein Name schon sagt, ist er eine Krone, die lediglich ein großes Auge ziert. Direkt setzt er sich auf Elles Kopf, um seine Kräfte auf sie zu übertragen. Schnell stellt sich heraus, dass Albträume für Elles Situation verantwortlich sind, Diese sind zudem so stark, dass Menschen in der realen Welt durch sie sterben. Es liegt an Elle und Krone, dafür zu sorgen, die dunklen Mächte wieder einzuschränken.

Jage deine Träume!

Direkt am Anfang zeigt sich schon, dass ein dunkler Fürst namens Vlad hinter all dem Unbill steckt, denn er brachte durch seine Taten alles in ein Ungleichgewicht. Er missbrauchte die Mächte dreier, wie sich schon bald herausstellt, Bosse: eines Hexen-Trios, eines Leviathans und eines Wissenschaftlers namens Frank. Was es genau mit diesen Widersachern auf sich hat, erfahrt ihr, wenn ihr euch durch die Dungeons des Spiels kämpft. Dort findet ihr nämlich immer wieder Zettel, auf denen die tiefgreifenden Beweggründe der Antagonisten und Elle vermerkt sind. Wer sich also für die Story interessiert, sollte bereit sein, ein wenig zu lesen, denn eine Sprachausgabe gibt es leider nicht.

Da das Spiel nicht viele dieser Erzähl-Fetzen hergibt, ist es nicht ermüdend, diese kleinen Zettel und den ein oder anderen Dialog zu lesen. Jedoch hat die Geschichte, dafür, wie wenig erzählt wird, einiges zu bieten und beherbergt überraschend nachvollziehbare Charaktere. Vor allem die Hintergrundgeschichten der Bosse sind äußerst interessant.

Zudem wechseln die zwei Hauptcharaktere Elle und Krone hin und wieder Worte. Das Mädchen überzeugt hier durch ihre kindliche Hoffnung, die sie versucht, Krone näherzubringen, der sich meist kalt bis zynisch zeigt.
Der Händler Quelle: PC Games Der Händler

Eine traumhafte Welt?

In Crown Trick dreht sich alles um das Thema Träume, so befindet ihr euch auch fast die ganze Zeit in diesen, was der einzigartige, süß-gezeichnete Stil gut untermalt. Dieser zieht sich auch konstant durch euer Abenteuer. Typisch für ein Rogue-like gibt es die erwähnte Basis, in der sich die verschiedenen Charaktere, denen Elle auf ihrer Reise begegnet, sammeln: die Halle der Wiedergeburt. Dort kann Elle Attribute und Fähigkeiten aufleveln, die sie auf ihrer Reise anhäuft. Zudem könnt ihr mit den NPCs reden, die dort verweilen. Jedoch hätten die vier Charaktere, die ihr trefft gerne ein wenig mehr Dialogoptionen spendiert bekommen können, denn nach wenigen Gesprächen sind die Figuren nichts mehr weiter als sich wiederholende Sprech-Automaten. Kürzlich hat Hades gezeigt, dass der Spielfluss durch interessante Dialoge nicht gestört wird.

Das war es leider schon mit Aktivitäten außerhalb der Albträume. Kein Verschönern der Halle, nichts zu erkunden oder sonstige optionale Beschäftigungen, die Auswahlmöglichkeit fällt hier ein wenig minimalistisch aus. Als bleibt euch nichts übrig, als sich auf den Thron in der Basis zu begeben, um schlafen zu gehen und somit in die Welt der Albträume abzutauchen, welche die Dungeons darstellen.

Diese sind, typisch für das Genre, zufällig generiert und in Räume aufgeteilt. Designtechnisch mangelt es leider auch hier ein wenig an Vielfalt, denn ihr werdet schnell feststellen, dass ihr euch durch die immer gleichen Umgebungen kämpft. Alle paar Räume gibt es einen Teleport-Punkt, zu dem ihr euch von jedem Platz der Karte aus warpen könnt, ähnlich wie bei Enter the Gungeon, so gibt es immerhin kein unnötiges Backtracking.

Natürlich gibt es nicht nur Räume, in denen sich Gegner befinden, sondern auch einige andere Events. Zum Beispiel könnt ihr Traum-Steine finden, die euch in ein textbasiertes Rollenspiel verwickeln. Diese Momente sind zwar meist kurz, jedoch bieten sie eine schöne Abwechslung und stets kreative Ideen. Sie verhelfen euch entweder zu Buffs, Gold, Lebensenergie oder Items, können euch jedoch auch HP, Statuswerte oder Gold abknüpfen. Ganz klassisch gibt es zudem einfache Schatztruhen und noch einige mehr Interaktionen. Alle diese Events können genutzt werden, um den momentanen Durchlauf anzupassen. Wenn ihr ein wenig Spielzeit versenkt habt, wisst ihr, welche Effekte ihr haben wollt, abhängig davon, welche Strategie ihr wählt. Denn an verschiedenen Herangehensweisen für den Kampf, mangelt es nicht.
Event in Crown Trick. Quelle: PC Games Event in Crown Trick.

Ein Fiebertraum namens Kampf

Crown Trick verfügt über ein rundenbasiertes Kampfsystem. Auf dem Raster-Spielfeld können sich alle Einheiten nur in vier Richtungen fortbewegen. Ein weiterer essenzieller Teil des Spiels sind die Schilde der Gegner. Durch eine Anzeige neben deren Modellen bekommt ihr angezeigt, wie viele Treffer es benötigt, um einen Gegner für wenige Runden kampfunfähig zu machen. Doch nicht nur das, wenn ihr die Zahl auf 0 herunterbekommt, erhaltet ihr für einige Züge einen saftigen Zusatz auf euren Schaden, der sich auf bis zu 100% steigern kann. Je mehr Gegnern ihr das Schild brechen könnt, desto mehr Schaden teilt ihr aus.

Zur Auswahl habt ihr zum einen den normalen Angriff, der je nach Waffentyp, den ihr benutzt, verschiedene Felder abdeckt. Schwerter attackieren zum Beispiel drei horizontale Felder, während Gewehre vier Felder weit geradeaus schießen. Dazu könnt ihr Items, aber auch eure Beam-Schuhe benutzen. Diese tun genau das was, man erwarten würde, sie beamen euch auf ein anderes Feld, jedoch wird hierbei keine Runde verbraucht. Diese Schuhe verleihen dem Gameplay Tiefe, denn ständig werdet ihr mit Gegnern konfrontiert, die ohne sie nicht zu bewältigen wären. Zudem findet ihr durch verschiedene Aufgaben in Dungeons Artefakte, welche euch unterschiedlichste passive Fähigkeiten verleihen. Außerdem existiert die Möglichkeit, Begleiter-Zauber zu benutzen, die ihr freischaltet, indem ihr die entsprechenden Gegner besiegt und als Begleiter rekrutiert.

Es können immer zwei Begleiter mitgenommen werden, die jeweils zwei Fähigkeiten mit sich bringen. Diese Fähigkeiten, aber auch Waffen, können ebenfalls Elementar-Effekte anrichten, etwa Gift, das Gegnern Schaden über Zeit zufügt, oder eine Lähmung durch Elektrizität, die Betroffene eine Runde aussetzen lässt. Obendrein reagieren Elemente auch auf Elementar-Felder, so kann zum Beispiel ein Gift-Feld ausgelegt werden, ein Blitz-Zauber auf nur eines der Felder gewirkt werden, der dann jedoch weitergeleitet wird und alles trifft, was sich in der Giftlache befindet. Und weil das alles noch nicht genug war, befinden sich in fast jedem Kampf auch in der Umgebung Hilfsmittel, um eure Taktik zu verfeinern; unter anderem eine Armbrust, die ihr auslösen könnt, Magnete, die alle Gegner in der Umgebung anziehen, Steine, welche die Zeit anhalten und noch viele weitere, kreative Mechaniken. Wenn ihr ideal spielen wollt, solltet ihr alles beachten, was es in jedem Raum alles zu finden gibt.

Waffen, Begleiter, Elementareffekte, Artefakte und Items sind vielfältig und erlauben viel Spielraum für innovative Spielstile. Je nach Waffentyp, den ihr wählt, Artefakten, die ihr bekommt und Buffs, die ihr benutzt ändert sich, wie ihr an Gegner herangeht und welche Begleiter ihr benutzen sollet. So kann ein Build, der komplett auf Standard-Attacken und viele HP baut, genauso effektiv wie ein solcher sein, der weitestgehend mit Magie arbeitet.

Das rundenbasierte, taktische Kämpfen unter Einsatz von allem, was das Spiel euch bietet, bereitet unglaublichen Spaß und ist auch der offensichtliche Fokus von Crown Trick. Speziell in Situationen, in denen ihr viel Hirnschmalz benutzen müsst, glänzt der Titel, denn es wird alles getan, um euch jedes Detail des Kampfes Runde für Runde zu erklären, indem ihr ganz einfach über alles mit der Maus fahren könnt. Es ist immer genau zu sehen, wie lange ein Buff oder Debuff noch anhält, was dieses und was jenes Element bewirkt und so weiter. Die Vielfalt im Kampf überzeugt auf ganzer Linie, denn die 118 Waffen, 172 Relikte und 20 Begleiter ermöglichen vielfältige Arten, durch die Dungeons zu stampfen. Da alles, was ihr bekommt, zufällig ist, macht das Spiel am meisten Spaß, wenn ihr schon mit vielen Möglichkeiten vertraut seid. Dazu wird es aber leider nicht lange kommen, denn im Vergleich mit anderen Rogue-likes gibt es nicht sehr viele Upgrades, und wie zuvor erwähnt auch keine anderen optionalen Aktivitäten. Dieser Umstand mindert den Wiederspielwert leider enorm, was für das repetitive Genre Rogue-like das letzte ist, was man möchte. Nach circa 15- 20 Stunden habt ihr schon alle Dungeons durchgespielt und euch fast komplett hochgelevelt.
Bosskampf Lebensmutation. Quelle: PC Games Bosskampf Lebensmutation.

Von einschläfernd bis traumhaft

Anfangs wirkt der Soundtrack von Crown Trick bezaubernd und untermalt die Stimmung der Welt perfekt. Doch sobald ihr die Dungeons betretet, werdet ihr von eher unauffälligen Klängen berieselt. Das wäre nicht weiter schlimm, jedoch ändern sie sich nicht einmal bei allen Bossen und wenn, dann nur minimal. An anderen Stellen wieder hin ist die Hintergrundmusik perfekt eingesetzt und unterstreicht das momentane Gefühl des Kampfes oder eines Dialogs perfekt. Allgemein ist der Sound etwas inkonsequent, aber wenn er passt, dann richtig.

Was nun: Traum oder Albtraum?

Das Sammeln von Gegenständen und Währung ist unglaublich befriedigend. Jedes Mal wenn ihr eine Kiste öffnet springen euch Gold, Kristalle und Waffen entgegen, unterlegt von einem Soundeffekt der am besten zu beschreiben ist mit "KA-CHING!". Da es nach jedem Boss eine solche Kiste als Belohnung gibt, fühlt man sich unglaublich belohnt, wenn man über einen solchen Fiesling triumphiert hat, denn diese sind oftmals sehr knackig und nur mit guter Taktik und Geduld zu bewältigen.

Was jedoch keinesfalls befriedigend ist, ist die deutsche Übersetzung, diese lässt sehr zu wünschen übrig. Hier ein Grammatikfehler, dort ein Buchstabendreher, doch nicht nur das. Auch bei Erklärungen zu Fähigkeiten werden oft verwirrende Formulierungen benutzt, die nicht immer eindeutig sind. Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte unbedingt die entsprechende Option wählen.
Belohnungen eines Bosskampfes. Quelle: PC Games Belohnungen eines Bosskampfes. Crown Trick macht einiges richtig, aber auch einiges falsch, jedoch besticht es mit einem wundervollen Artstyle, einer guten, auch wenn knappen Story und dem ausgeklügelten Kampfsystem. Auf den ersten Blick wirkt dieses zwar vielleicht überfordernd, jedoch werdet ihr gut an das ganze System mit einem einfachen Tutorial herangeführt, so dass ihr alles direkt versteht.

Meinung

Wertung zu Crown Trick (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Einzigartiger, süßer GrafikstilSehr gut umgesetztes KampfsystemNachvollziehbare CharaktereErwachsene StoryBuild-VielfaltFairer SchwierigkeitsgradKämpfe sehr transparent und planbar
Wenige DialogeGeringer Wiederspielwert (im Vergleich zu anderen Rogue-likes)Schlechte deutsche ÜbersetzungKein Endgame
Fazit

Ein schönes Abenteuer für Taktik-, sowie Rogue-like-Fans!

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