Constructor HD: 2017-Remake ausführlich gespielt - Vorschau zum bitterbösen Aufbaustrategie-Spiel
Special
Constructor war ein herrlich fieses Aufbaustrategie-Spiel von 1997. Nach 20 Jahren bringt System 3 sein schräges Spiel zurück auf den PC - und die intuitive Gamepad-Steuerung klappt auch auf Playstation 4 und Xbox One prima. Selbst eine Umsetzung für Nintendo Switch ist geplant. Wir haben Probe gespielt.
Die alten, grausigen 3D-Gesichter mit den nur vage menschlichen Zügen hat Entwickler System 3 glücklicherweise nicht übernommen - ansonsten hält sich Constructor, das Remake des gleichnamigen Aufbaustrategiespiels von 1997, aber sehr eng an Inhalte, Mechaniken und Stil des 20 Jahre alten PC-Originals. Producer Mark Cale war schon damals dabei - die neue HD-Version von Constructor stellte er uns bei einem Anspiel-Event vor. Und zwar nicht mit Maus und Tastatur, sondern per Gamepad - Constructor erscheint zum Release am 28. April 2017 auch für Playstation 4 und Xbox One. Und wie steuert sich das? Überraschend eingängig!
Strategie auf der Konsole: Warum nicht?
Quelle: System 3
So sah das ursprüngliche Constructor von 1997 aus.
Trotz isometrischer Perspektive, Mauscursor und vielen Fenstern samt Untermenüs - Constructor geht mit dem Controller fast genauso flott von der Hand wie per Maus und Tastatur. Dafür sind unter anderem intelligente Tastenkürzel verantwortlich; mit etwas Eingewöhnung können häufig wiederholte Aktionen in Windeseile durch in schneller Folge gedrückte Buttons abgespult werden - ohne dass man erst mühsam mit dem linken Analogstick den Cursor auf die entsprechende Menü-Schaltfläche schubsen muss. Die Navigation auf den Stadtkarten klappt per rechtem Analogstick, zudem macht Constructor Gebrauch von den Schultertasten für die Kontrolle des Zooms und der komplexeren Aufgabenfolgen.
Das ist auch dringend nötig, denn Constructor und Komplexität gehen Hand in Hand. Das Gameplay fußt dabei auf einer simplen Idee: Der Spieler und bis zu drei computergesteuerte Bau-Unternehmer liefern sich einen Wettstreit darum, wer in einem der unterschiedlichen Stadtszenarios in kürzester Zeit das meiste Geld verdienen, die besten Produktionskreisläufe aufbauen und die Konkurrenz mit unlauteren Mitteln aus dem Geschäft drängen kann.
Quelle: System 3
Die Wohnhaus-Anzeige in Constructor verrät, wie wohl sich die Mieter fühlen. Links oben wählt ihr aus, ob die Menschen Miete zahlen, Arbeiter zeugen oder höherstufige Bürger entstehen lassen sollen.
Dabei fängt alles ganz bescheiden an: Der Spieler kauft Grundstücke und baut dort einfache Wohnhäuser, die mit Holz aus dem Start-Sägewerk errichtet werden. Dazu braucht es Arbeiter, die zu Trupps zusammengefasst werden - wie in einem Echtzeitstrategie-Spiel markiert ihr die Malocher und weist sie einem Vorarbeiter zu. Anschließend werden die Gebäude in Echtzeit zusammengezimmert; eine Beschleunigungsfunktion erhöht die Geschwindigkeit bei Bedarf. Für jedes Wohnhaus legt ihr anschließend im Detail fest, welche Art von Mieter ihr dort ansiedeln wollt. Zu Beginn ist nur die laute, grobschlächtige Unterschicht verfügbar, mit zunehmender Spieldauer erhaltet ihr Zugang zu immer hochnäsigeren Anwohnern. Die haben ähnlich wie in der Anno-Serie gestiegene Bedürfnisse, zahlen aber auch deutlich mehr Miete.
Motivierender Spielverlauf
Auch die Anzahl der Bauoptionen steigt mit zunehmender Spieldauer. Nachdem ihr alle Holz-Gebäude errichtet habt, werden die Zement-Fabrik und die dazugehörigen Einrichtungen verfügbar, danach geht's weiter mit Backstein und so fort. In der Zubehörfabrik entstehen auf Knopfdruck Computer, Bäume (!) oder U-Bahn-Haltestellen, die ihr anschließend von Hand platziert. Darüber hinaus weist ihr Handwerker bestimmten Gebäuden zu, damit sie dort automatisch Reparaturen vornehmen - oder ihr baut eine Hundehütte, damit der dort beheimatete Wachhund etwaige Diebe verjagt. Nachschub an Arbeitern und höherstufigen Anwohnern ordert ihr in den Wohnhäusern.
Doch während die Menschen mit dem Produzieren von Nachwuchs beschäftigt sind, zahlen sie keine Miete an euch. Die Zeugungsphase lässt sich verkürzen - ebenso wie die Laune der Bürger verbessern -, indem ihr die Innenaustattung der Häuser durch Investitionen aufmöbelt. Das müsst ihr allerdings bei jedem Haus separat per Knopfdruck verfügen, genauso wie ihr die Größe des Gartens oder die Art des Zaunes festlegt. Lohn des ganzen Mikromanagements: All diese Details haben tatsächlich Auswirkungen, Constructor erschafft so ein enges Geflecht aus Entscheidungen und Balanceakten.
Quelle: System 3
In Constructor gehört Sabotage zum täglichen Geschäft. Unter anderem jagt ihr gegnerische Gebäude in die Luft.
Das sorgfältige Abwägen der vorhandenen Optionen wird noch wichtiger, sobald euch die sogenannten "Undesirables" zur Verfügung stehen - zehn teils extrem abgefahrene Spezialeinheiten, die vom Mafia-Gangster über den Hippie bis zum Zombie reichen. Jeder dieser schrulligen Typen verlangt nach dem Bau eines eigenen Gebäudes und besitzt vier Spezialfähigkeiten - alle drehen sie sich darum, den KI-Widersachern in Constructor zu schaden. So kann der schmierige Techniker etwa Gasleitungen sabotieren und ganze Häuserblöcke in die Luft jagen, der Poltergeist verjagt Anwohner aus teuren Luxuswohnungen. Alle Charaktere besitzen Lebensbalken wie in einem Echtzeitstrategie-Spiel und werden in einem (zuvor gebauten) Krankenhaus zusammengeflickt, teilweise sammeln sie sogar Erfahrung: Je mehr Feinde der Mafiosi abmurkst, umso besser fällt seine Bewaffnung aus.
Quelle: System 3
Dank Zoom-Funktion behaltet ihr die Stadt und eure wachsenden Besitzungen im Auge.
Das augenzwinkernde Szenario und der ruppige Humor, der vor allem auf die Klassenunterschiede im sozialen Gefüge abzielt und dank deutscher Sprachausgabe (unter anderem mit dem Synchronsprecher von Russel Crowe) gut übersetzt daher kommt, erlauben dabei allerlei halbseidene Aktionen. So lässt sich Polizei bestechen und Kredite könnt ihr nicht nur bei der Bank aufnehmen, sondern auch bei den Mafiosi. Während zu Beginn einer Endlospartie vor allem Aufbau und Mikromanagement im Fokus stehen, verschiebt sich das Gameplay später voll Richtung Sabotage und Kampf. Die Kampagne kommt darüber hinaus mit einer Reihe von Szenarios daher, die euch vor besondere Aufgaben stellen - zudem werden die Wünsch der nie völlig zufriedenen Mieter als Mini-Aufgaben dargestellt, von denen ihr nur eine bestimmte Menge ignorieren könnt, bevor der Game-over-Bildschirm erscheint.
Constructor erscheint in Kürze, für die HD-Version ist ein Release am 28. April 2017 vorgesehen - für PC, Playstation 4 und Xbox One. Eine Nintendo-Switch-Version folgt voraussichtlich im Juni. Der Preis liegt bei knapp 35 Euro für den PC, die Konsolenfassungen kosten rund 50 Öcken.
