Conan Chop Chop in der Vorschau: Unterwegs mit Chibi-Arnold

Special Christian Fussy
Conan Chop Chop in der Vorschau: Unterwegs mit Chibi-Arnold
Quelle: Funcom

Bei Conan denken die Meisten wohl als Erstes an Gewalt, Sex, ölige Muskeln und geile Mucke. Publisher Funcom, die auch für das Survival-Game Conan Exiles verantwortlich zeichnen, und Entwickler Mighty Kingdom überraschen Fans des berühmten Barbaren nun mit einer recht eigenwilligen Umsetzung des Franchise. Conan Chop Chop ist zwar fokussiert auf Kämpfe, aber trotzdem jugendfrei und cartoonig. Wir durften uns einen ersten Eindruck davon machen, wie diese Kombination funktioniert.

Auf den ersten Blick wirkt Conan Chop Chop wie ein ziemlich alberner Aprilscherz. Das scheint auch das Entwicklerteam zu wissen, weshalb das Spiel süffisanterweise an exakt diesem Datum angekündigt wurde. Wenn auch der damalige Trailer noch etwas barbarischer aussah als die Version, an die wir nun erstmals Hand anlegen durften. Das für viel nackte Haut und grausame Schlachten bekannte Conan-Universum als Setting für ein familienfreundliches Koop-Hack&Slash mit lustigen Tierkompagnons und Cartoon-Grafik zu nutzen, ist zumindest keine direkt naheliegende Entscheidung.

Gemeinsamkeiten zwischen dem Franchise und der Umsetzung finden sich, wenn man genauer hinsieht, trotzdem: Wie der Barbar selbst, strahlt nämlich auch Conan Chop Chop eine charmante Einfachheit aus. Das Team des australischen Entwicklers Mighty Kingdom setzt in Sachen Gamedesign stark auf Altbewährtes und verzichtet auf innovative oder komplexe Systeme. Dieser Mangel an Progressivität ist aber keinesfalls etwas Schlechtes. Vielmehr kommt sie der Zugänglichkeit zugunsten, sodass es keiner großen Einarbeitung in das Spielprinzip bedarf.

Auch die Story ist einfach erklärt: Conan und seine Kumpanen auf der einen Seite, der böse Zauberer Thoth-amon und seine Schergen auf der anderen. Zu den Waffen, auf die Schnauze, los!

Die simplen Freuden

Optisch ähnelt Conan Chop Chop mit seinem Flashgame-Look Titeln aus dem Hause The Behemoth (Castle Crashers, Pit People). Es wird eine überschaubare Anzahl an Figuren- und Gegnerdesigns mit simplen Animationen geboten, die Umgebungen sind schlicht, aber dafür auch nicht überfrachtet.

Fans von einzigartigen Artstyles mögen das enttäuschend finden, die Figuren sehen aber putzig aus und man kann gut erkennen, was erkannt werden muss. Im Vier-Spieler-Modus haben wir uns zwar ab und an mit den Figuren der Mitspieler verwechselt, das liegt aber eher an der optischen Ähnlichkeit der Charaktere als an störendem Effektgewitter.
Während jede Figur anfangs nur mit kleinen passiven Boni und Aktionen startet, schaltet ihr später mächtige Fähigkeiten frei. Quelle: Funcom Während jede Figur anfangs nur mit kleinen passiven Boni und Aktionen startet, schaltet ihr später mächtige Fähigkeiten frei. Wir wählen zu Beginn aus vier verschiedenen Figuren: Titelheld Conan, Abenteurerin Valeria, Soldat Pallantides und Piratenkönigin Bêlit. Alle Charaktere verfügen über eine Nahkampfwaffe und einen Bogen, unterscheiden sich aber in ihren Spezialangriffen und Fertigkeiten. So erhält Bêlit beispielsweise Boni beim Einsatz von Fernkampfwaffen, Valerias Spezialität hingegen sind Schwerter.

Jeder Charakter verfügt zudem über eine besonders starke Attacke, die aktiviert werden kann, sobald wir genügend Gegner besiegt und damit eine Leiste aufgefüllt haben. Die Steuerung ist leicht erlernt. Wir können blocken, schlagen, schießen, Bomben legen und jeweils eine charakterspezifische Bewegung wie z.B. einen Sprung oder eine Rolle ausführen. Gesteuert wird die Spielfigur wie bei einem Twin-Stick-Shooter mit dem linken Analogstick, gezielt und geschlagen wird mit dem rechten. Jede Figur kann eine mächtige Spezialattacke entfesseln. Piratin Bêlit lässt es Pfeile hageln. Quelle: PC Games Jede Figur kann eine mächtige Spezialattacke entfesseln. Piratin Bêlit lässt es Pfeile hageln.

Barbar mit Rogue-Einschlag

Wir sammeln in klassischer RPG-Manier Erfahrung und Währung, mit denen wir unsere Figur aufleveln sowie neue Waffen, Rüstungen, Trinkets und tierische Begleiter kaufen können. Das erledigen wir im Dorf, in das wir jedes Mal zurückversetzt werden, sobald unsere komplette Gruppe besiegt wurde. Da es sich bei Conan Chop Chop um ein Rogue-lite handelt, ist es Teil des Spielprinzips, auch häufiger an Gegnern zu scheitern. Während wir nach jeder Niederlage Geld, Waffen und Items verlieren, bleiben unsere Erfahrungspunkte erhalten, die wir dann in neue Fähigkeiten und Boni investieren können.

Vor allem die Bosskämpfe stellen eine kernige Herausforderung dar. Für zusätzliche Abwechslung bei den einzelnen Runs sorgen prozedural generierte Maps, wechselnde Itemshops und die zufällige Platzierung von Schätzen. Letztere werden mit Schlüsseln geöffnet und sind oft hinter Absperrungen verborgen, die nur mit bestimmten Fähigkeiten durchbrochen werden können.
In der Wildnis findet ihr Schätze wie magische Amulette und Geld. Goldene Truhen benötigen zum Öffnen einen Schlüssel. Quelle: PC Games In der Wildnis findet ihr Schätze wie magische Amulette und Geld. Goldene Truhen benötigen zum Öffnen einen Schlüssel. Map-Layout, Schätze und die Möglichkeit, durch Itemkombinationen temporäre Builds zu erschaffen, erinnert an The Binding of Isaac, weitere Einflüsse waren wohl Diablo, Hades und Castle Crasahers.

Der Umfang soll vier große Level umspannen, die jeweils mit einem Bosskampf abgeschlossen werden. In unserer Anspielversion durften wir mit Charakteren loslegen, die bereits auf einer höheren Stufe waren. In der Release-Version werdet ihr wohl ein paar Anläufe brauchen, bevor eure Truppe eine ordentliche Schlagkraft besitzt. In der kurzen Zeit, die wir mit Conan Chop Chop verbringen konnten, hat das Spiel so zumindest eine Menge Spaß gemacht.

Es ist sehr motivierend, wenn man in einem Run mehr Gegner erledigt als der Rest. Waffenkombinationen auszuprobieren und die eigene Figur zu verstärken, ist simpel und bereichert direkt das Spielerlebnis. Und der eine Bosskampf, den wir bisher erleben konnten, macht wirklich Lust auf mehr. Außerdem sind wir gespannt, welche Begleiter wir neben putzigen Hühnern und Schweinen im Lauf des Abenteuers noch freischalten können. In der Release-Version bereisen wir verschiedene Gebiete. Wir durften bisher erst die Graslandschaft Darkwood bereisen. Quelle: Funcom In der Release-Version bereisen wir verschiedene Gebiete. Wir durften bisher erst die Graslandschaft Darkwood bereisen.

Lohnt eine Rückkehr nach Hyboria?

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob diese Elemente das Spiel auch in der Vollversion tragen können. An den Gegnerhorden, die anfangs aus ordinären Schleimen, Blumen, Wespen, Untoten und Banditen bestehen, hat man sich nämlich ziemlich schnell sattgesehen. Zudem könnte das Spiel viel von seiner rastlosen Energie verlieren, sollte man alleine oder in einer kleineren Gruppe losziehen.

Zumindest sind durch sowohl Couch-Koop- als auch Online-Modus genug Möglichkeiten geboten, Freunde oder Fremde zu einem gemeinsamen Durchgang zu animieren.

Die Auswahl aus nur vier spielbaren Charakteren ist uns dann aber deutlich zu mager. Freischaltbare oder durch Updates nachgelieferte Spielfiguren sind hier eigentlich ein Muss, um längerfristig das Interesse an weiteren Spieldurchgängen hochzuhalten. Obendrein würde eine größere Auswahl verhindern, dass Charaktere sich doppeln oder Teammitglieder mit einer Figur losziehen müssen, die sie nicht mögen.
Conan Chop Chop ist eindeutig auf Koop ausgerichtet. Solange auch nur eine Figur den Raum überlebt, werden die Gefallenen wiederbelebt. Quelle: PC Games Conan Chop Chop ist eindeutig auf Koop ausgerichtet. Solange auch nur eine Figur den Raum überlebt, werden die Gefallenen wiederbelebt. Wir sind gespannt, welche Gegenden uns bei Release noch erwarten und hoffen, dass Mighty Kingdom das Endgame nicht vernachlässigt hat. Viele Rogue-likes oder Rogue-lites leiden unter Abwechslungsarmut, sobald der letzte Endgegner gefallen ist. Das muss nichts Schlechtes sein, zumindest nicht, wenn der Abschluss befriedigend ist. Wenn die Wiederholung aber ein Verkaufsargument sein soll, muss dafür gesorgt sein, dass sich spätere Runs nicht anfühlen, als würde man immer wieder die letzte Episode einer TV-Serie anschauen, bis man sie auswendig kann.

Was wir gesehen haben, macht uns zumindest zuversichtlich, dass die Leute hinter Conan Chop Chop das Spiel nicht einfach nur als Scherz verstehen, sondern tatsächlich jede Menge Arbeit und Ambitionen in das Projekt eingeflossen sind.

Meinung

Conan Chop Chop erscheint für PC, Nintendo Switch, Playstation- und Xbox-Systeme. Der Release erfolgt am 1. März 2022, eine Demo wird auf Steam und für die Switch bereits ab dem 21. Februar verfügbar sein. Wer sehen will, aus welchen anderen Aprilscherzen ebenfalls komplette Spiele wurden, für den haben wir übrigens ein spannendes Special parat.

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