Code Vein im Test: Kaum frisches Blut für das Soulslike-Genre, dennoch unterhaltsam
Test 42,49 €
Auf den spitzen Zahn gefühlt: Code Vein buhlt mit Anime-Optik und Vampirthematik um die Gunst der Soulslike-Fans, was sich wirklich hinter dem Vampirmantel verbirgt, klären wir im Test des Action-Rollenspiels. Und ja, auch der unvermeidliche Dark-Souls-Vergleich wird gezogen.
Die Macher von God Eater versuchen sich an einem Soulslike und kommen damit auf Steam super und bei Kritikern weltweit gut an: Im Action-Rollenspiel Code Vein (jetzt kaufen / 42,49 € ) erkundet ihr als Vampir mit außergewöhnlicher Begabung eine zerstörte Welt und bekämpft allerlei Bosse und jede Menge Kanonenfutter. Begleitet werdet ihr dabei von einem KI-Partner oder einem anderen Spieler. Außerdem erwartet euch eine - besonders für Soulslike-Verhältnisse - umfangreiche Story mit vielen Gesprächen und Zwischensequenzen. Und ähnlich wie die Chalice Dungeons in Bloodborne locken Verliese mit Extra-Loot auf Abenteurer. Klingt gut? Ist auch ganz gut, allerdings nicht frei von Problemen. Wir haben Code Vein zur Ader gelassen!
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Vampiru desu~
Willkommen geheißen werdet ihr in Code Vein zunächst von einem umfangreichen Charaktereditor. Vom niedlichen Moe-Vampir bis zum Visual-Kei-Bandmitglied oder buntem Alien ist sehr viel im Baukasten umsetzbar, das gefällt. Eure Spielfigur kann, anders als eure Begleiter, zwischen unterschiedlichen Blutcodes wechseln. Blutcode ist dabei einfach eine umständliche Bezeichnung für Klasse: Wer gerne einen schwer gepanzerten Kämpfer spielen möchte, wählt etwa den Blutcode Atlas.
Anfangs ist die Anzahl an Blutcodes eingeschränkt, später erhaltet ihr Zugang zu weiteren Klassen. Das Tutorial gleich nach dem Charaktererstellen macht euch rudimentär mit der Funktionsweise des Spiels vertraut, einiges muss man sich selbst zusammenreimen oder später erneut nachschlagen. Im Prinzip aber funktioniert alles ähnlich wie bei den großen Genrevertretern: Haut auf Gegner drauf, weicht aus, achtet auf die Ausdauer und fallt den Feinden in den Rücken, wo es nur geht.
Neue Namen, bekannte Mechaniken
Passend zur Vampir-Thematik könnt ihr euren Widersachern den Lebenssaft aussaugen. Diese Angriffe sind nicht nur praktisch, weil sie den Gegnern viel Schaden zufügen, ihr erhaltet im Gegenzug auch Ichor. Hinter dem Begriff steckt ein simples Mana-Prinzip wie in anderen Rollenspielen: Ihr braucht Ichor, um magische Geschosse - Verzeihung, Blutgeschosse - und andere spezielle Manöver zu nutzen. Wie in Dark Souls könnt ihr mit etwas Geschick einen Backstab nach dem anderen landen, um eure Ichor-Reserven zu füllen und einzelne Feinde im Handumdrehen zu besiegen.
Quelle: Computec Media GmbH
Mit euren Spezialangriffen richtet ihr viel Schaden an und zapft den Feinden Ichor ab, quasi das Mana im Spiel.
Praktisch: Ihr startet zwar mit einer von eurer Klasse - äh, von eurem Blutcode - festgelegten Menge Ichor, ihr könnt aber auch bei vollem Vorrat zusätzliche Punkte sammeln. Die Ichor-Blutsauge-Mechanik ähnelt den Blood Arts oder Burst Arts in God Eater. Und auch in anderen Aspekten merkt man Code Vein die Nähe zum Action-Game an. Sei es das eiserne Schweigen des Protagonisten, die zum Teil sympathischen, aber doch arg klischeehaften NPCs, die gigantischen Waffen,die postapokalyptische Welt oder das austauschbare Design der meisten Feinde.
Nachahmung ist die ehrlichste Form der Schmeichelei
Auch die Inspirationsquelle Dark Souls trägt Code Vein unverblümt am Revers. An einigen Stellen schon so unverblümt, dass Details im Endeffekt eher wie eine uninspirierte Kopie statt wie eine liebevolle Hommage wirken, etwa der Sound bei den Misteln (das Leuchtfeuer-Pendant), der kaum von dem in Dark Souls zu unterscheiden ist. Immerhin, obwohl sich Code Vein in die abgelegten Klamotten des großen Bruders kleidet, ergänzt es das Outfit um ein paar Accessoires. Zum einen hebt es sich durch die bereits erwähnte, direkt erzählte Story ab, zum anderen durch Gameplay-Details wie etwa einer prominenten Karte der Umgebung, die sogar einzeichnet, welche Wege man bereits gegangen ist, wo sich Schalter und Schatztruhen befinden.
Quelle: Computec Media GmbH
Kommt euch das bekannt vor? Uns auch. Der Boss in diesem Bereich ist übrigens in einer Kathedrale untergebracht, weiblich und hat Wolfsgestalt. Hmm ...
Aber: Im Level Kathedrale des heiligen Blutes zum Beispiel - ein Bereich übrigens, der nur noch offensichtlicher eine Dark-Souls-Anspielung wäre, wenn die Entwickler Anor Londo eins zu eins nachgebaut hätten - verläuft man sich trotzdem gerne mal. Es sieht einfach alles gleich aus! Das Niveau von From Software erreicht Code Vein in Sachen Level-Design nie, auch die Vielfalt an Umgebungen lässt zu wünschen übrig. Die ersten Bereiche ähneln sich stark und langweilen mit dem schon tausend Mal gesehenen "unsere moderne Welt, aber in Schutt und Asche"-Look, später wird das Setting zumindest etwas einfallsreicher.
Gemischtes Hackfleisch
Ähnlich verhält es sich bei der Gestaltung der Feinde. Wenige bleiben im Gedächtnis, außergewöhnliche Ideen sind hier Mangelware. Die Bosse präsentieren sich als Mischung aus vergessenswerten 08/15-Obermotzen und ein paar wirklich kreativen Gestalten. Und wie schwierig sind die Kämpfe? Unterschiedlich - diese vage Antwort ist dem Balancing geschuldet, das innerhalb des Spiels immer wieder merklich schwankt, auch bei den Bossen.
Gelegentlich stehen Feinde erst eine Weile unschlüssig herum, bevor sie den Mut fassen, zu attackieren. Und ihre mangelnde Intelligenz wird in erster Linie durch den hohen Schaden kompensiert, den sie verursachen. Allerdings habt ihr es in Code Vein einfach, Taktiken zu ändern und zu experimentieren, da sich eure Werte beim Level-Aufstieg automatisch verbessern und ihr die Klasse jederzeit ohne Extrakosten ändern könnt. Frustrierend wird es, wenn Gegnerhorden einfallen. Das passiert, wenn ihr gewisse Orte betretet. Meistens ist es kein Muss, die Wellen zu besiegen, aber bei Erfolg ergattert ihr Belohnungen. Ob diese es wert sind, von einer Gruppe Feinden, die einzeln oder zu zweit banal zu besiegen wären, im Stunlock zu Matsch geprügelt zu werden, weiß man vorher nicht.
Das Kampfgefühl ist grundsätzlich in Ordnung und dürfte Genre-Kennern sofort vertraut vorkommen, allerdings lassen die Treffer Wucht vermissen. Die Animationen sind nur Mittelmaß, Ausnahmen sehen unfreiwillig komisch aus, etwa das breitbeinige Hochklettern von Leitern oder wie sich die Charaktere beim Laufen beinahe mit den Hacken selbst in den Hintern treten.
Immer zu zweit sie sind
Ein Lob ist für die KI der Begleiter fällig, die sich nicht immer, aber doch meistens gut im Kampf schlagen, selbstständig aus dem Radius von AoE-Attacken weichen, nicht ständig irgendwelche Klippen hinunterfallen und euch bei Bedarf wiederbeleben. Noch schöner wäre es gewesen, ihnen diverse Strategien zuweisen oder sie ausstatten zu können, aber man kann wohl nicht alles haben. Dank der KI ist es kein Muss, online zu spielen, mit den Computer-Freunden kommt man auch klar. Ganz ohne Begleiter dürft ihr auf Wunsch auch losziehen, was den Schwierigkeitsgrad logischerweise drastisch erhöht.
Quelle: Computec Media GmbH
Verschiedene Feinde haben unterschiedliche Schwächen. Geheimtipp: Die Gesellen im Eisbereich reagieren empfindlich auf Feuer.
Alle weiteren Mechaniken in Code Vein kennt man aus vergleichbaren Titeln: Ihr rastet an Misteln, beim Ableben bleibt euer gesammelter Dunst, also die Seelen, an der Stelle des Todes liegen. Waffen und Rüstungen (die heißen hier Blutschleier) wertet ihr auf, je weniger schweren Kram ihr mit euch herumschleppt, desto schneller bewegt ihr euch. Ihr könnt parieren und nutzt die Ausweichrolle, beim Voranschreiten schaltet ihr Abkürzungen frei.
Von Vampiren und Menschen
Dann lieber noch ein paar Worte zur Hintergrundgeschichte. Diese verläuft ähnlich wie in diversen Anime-Serien: Charaktere sind vor allem Mittel zum Zweck (auch wenn sich die Entwickler bemühen, ihnen ein wenig mehr Tiefe zu verleihen) und verkörpern diverse Klischees, sowohl erzählerisch als auch optisch. Mindestens eine Figur ohne Erinnerungsvermögen gehört anscheinend zwangsläufig in jedes JRPG. Die Erzählung hat Längen und ist nicht zum Nägelbeißen spannend, bringt einem Welt und Charaktere aber näher und erfüllt im Großen und Ganzen ihren Zweck. Als kleinen Bonus gibt es unterschiedliche Enden.
Quelle: Computec Media GmbH
Diesen Boss haben wir bereits im allerersten spielbaren Preview-Build besiegt, deshalb hatten wir beim Kampf im fertigen Spiel wenig Probleme.
Ist Code Vein eine Empfehlung wert? Ja, wenn ihr Lust auf mehr Soulslike und mit dem Anime-Flair kein Problem habt. Neue Akzente setzt Code Vein nicht, aber im Bereich der 3D-Genrevertreter platziert sich das Abenteuer im ordentlichen Mittelfeld. Auch in technischer Hinsicht eifert das Werk der Macher von God Eater übrigens Dark Souls nach: Die Grafik ist eher zweckmäßig denn schön, mit schlichten Texturen, fehlenden Schatten, Clipping-Fehlern und an einigen Stellen auch ärgerlichen Rucklern. Nichts allerdings, was einem das Dasein als Vampir eklatant verhagelt. Und was Bugs betrifft: An einer Stelle platzierte das Spiel eine Nebelwand in einem Level, obwohl kein Boss anzutreffen war, sodass wir nicht weiterkamen, ohne uns durch ein Item zurück zur letzten Mistel zu teleportieren.
