Call of Duty 3

Test Christian Blendl

Alles neu macht Teil drei? Nicht ganz, denn diese Ballerei bleibt zu nahe am vertrauten Schema der Weltkriegs-Shooter.

Attacke in Ruinen, zu Fuß und auf Panzern: Die Stadt St. Lo wird verbissen verteidigt. Attacke in Ruinen, zu Fuß und auf Panzern: Die Stadt St. Lo wird verbissen verteidigt. Vor mir türmen sich Trümmer auf, Stacheldraht versperrt mir den Weg. Die Kameraden springen einfach drüber, nur bei mir klappt das wieder mal nicht! Das Spiel zwingt mich durch die Tür nebenan. Schon geht ein deutscher Soldat mit dem Messer auf mich los. Wir ringen miteinander. Hektisch drücke ich die eingeblendeten Tasten, doch mein Gegner stößt mich aus dem Fenster. Er springt hinterher und versucht, mir sein Messer in den Hals zu rammen. Ich wehre mich reaktionsschnell, drücke ihn nach hinten und entdecke eine Granate an seiner Uniform. Ich ziehe den Stift und befördere meinen Widersacher mit einem Stoß zurück ins Haus...

CoD meets Hollywood

Nie alleine: Stets kämpfen von der PS2 gesteuerte Kameraden tapfer an eurer Seite. Nie alleine: Stets kämpfen von der PS2 gesteuerte Kameraden tapfer an eurer Seite. Das neue Nahkampf-Feature unterstreicht den cineastischen Charakter von "CoD 3": Das gesamte Spiel läuft ab wie ein großer Kinofilm. Alles ist perfekt inszeniert und gescriptet, nichts überlassen die Programmierer dem Zufall. Sogar die strikte Einteilung in Kampagnen hat man zugunsten des filmartigen Ablaufs aufgegeben. Der Kriegs-Shooter spielt in den Sommermonaten des Jahres 1944, unmittelbar nach der Landung in der Normandie. In den 14 Kapiteln wird fröhlich zwischen Amis, Briten, Kanadiern und Polen hin und her gewechselt. Dabei sind deren Geschichten stets irgendwie miteinander verzahnt.

Ihr kämpft folglich nur in der Normandie, Abstecher nach Afrika oder Russland gibt's diesmal nicht. Am Anfang und gegen Ende der Kampagne stapft ihr durch spektakulär in Szene gesetzte Stadtabschnitte und dichte Wälder. Im Mittelteil erwarten euch zwei eintönige Fabrik-Levels.

Alles beim Alten

Deutsche Soldaten verstecken sich meist hirntot hinter Türen: Seitliche Angriffe helfen. Deutsche Soldaten verstecken sich meist hirntot hinter Türen: Seitliche Angriffe helfen. Die Aufgaben sind typisch "CoD": Ihr kämpft euch unter Sperrfeuer Hügel hinauf, ballert euch Zimmer für Zimmer durch Gebäude, übermittelt Feindkoordinaten an den Panzerkommandanten oder legt Stahlkolosse mit der Bazooka lahm. Im Grunde alles wie gehabt und leider stets mit absolut linearem Ablauf. Für etwas Abwechslung sorgen gelegentliche Fahrten mit Panzer, Jeep oder Boot.

Spaßig (wenn auch fast komödienhaft überzogen) sind die Jeepfahrten, bei denen ihr mit hohem Tempo durch enge Straßen prescht, während eure Kameraden wie in einer Schießbude herumballern. An Bord eines polnischen Panzers macht ihr schließlich Jagd auf deutsche Königstiger. Insgesamt lassen sich die Fahrzeuge angenehm leicht bedienen und sorgen für die dringend nötige Portion Abwechslung.

Hinter jeder Tür ein Feind: Im Häuserkampf zeigt die Gegnerintelligenz Schwächen. Hinter jeder Tür ein Feind: Im Häuserkampf zeigt die Gegnerintelligenz Schwächen. Neben der absoluten Linearität bleibt die schwache Künstliche Intelligenz das größte Manko der Serie. Das ist umso ärgerlicher, da die Entwickler noch vielerorts versuchen, eine wirklichkeitsnahe Kriegsatmosphäre aufzubauen. Gleichzeitig lassen sie aber Dutzende Soldaten blind in ihr Verderben rennen und nehmen dem Spiel dadurch viel Glaubwürdigkeit. Insgesamt konnten wir im Vergleich zum Vorgänger keinerlei KI-Verbesserungen feststellen.

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