Cadence of Hyrule: Crypt of the Necrodancer Featuring The Legend of Zelda im Test - Dieser Remix trifft den richtigen Ton

Test Katharina Pache
Cadence of Hyrule: Crypt of the Necrodancer Featuring The Legend of Zelda im Test - Dieser Remix trifft den richtigen Ton
Quelle: Brace Yourself Games / Nintendo

Große Marke trifft auf kleines Indie-Spiel: Das Crossover Cadence of Hyrule ist Switch-exklusiv und kombiniert The Legend of Zelda mit dem Roguelike-Rhythmusspiel Crypt of the Necrodancer. Geht das Ergebnis in die Beine oder eher auf die Nerven?

Wippen mit dem Beat: Cadence of Hyrule (jetzt kaufen ) ist ein Crossover-Indie-Game mit Rhythmus- und Roguelike-Elementen, kombiniert mit einer der namhaftesten Spielemarken überhaupt: The Legend of Zelda. Die Ankündigung des Spin-Off zu Crypt of the Necrodancer sorgte für viel Verwunderung, ist Nintendo doch sonst nicht unbedingt dafür bekannt, die Namen ihrer prestigeträchtigen Marken freigiebig herumzureichen. Wir fragten uns: Darf bald etwa jeder an Nintendos Marken heran? Vor drei Monaten angekündigt ist Cadence of Hyrule nun erschienen und wir haben uns die Füße ... nein, die Finger wund getanzt, um unseren Test möglichst schnell abliefern zu können.

Das Original

Kennt ihr Crypt of the Necrodancer, das Rhythmus-Roguelike aus dem Jahre 2014, dessen Mechanik die eine Hälfte von Cadence of Hyrule ausmacht? Dort hüpfen und attackieren wir in zufallsgenerierten Dungeons im Takt, typisch Roguelike ist nach dem Bildschirmtod alles futsch und wir beginnen von Neuem. Crypt of the Necrodancer zählt innerhalb des Genres, das viele ohnehin wegen Frustgefahr und notorisch hohen Schwierigkeitsgraden meiden, zu den schwierigsten Vertretern. Ist Cadence of Hyrule genauso anspruchsvoll? Alle mal durchatmen: Nein! Jedoch erfordert die erste Spielstunde ein gewisses Durchhaltevermögen, insbesondere, wenn man Crypt of the Necrodancer nie gespielt hat.

Immer schön im Takt

Im Koop-Modus teilt ihr gemeinsam aus. Ihr müsst aber auch beide im Takt bleiben, um den Bonus nicht zu verlieren. Je mehr Monster ihr hintereinander besiegt, ohne Schaden zu nehmen und aus dem Rhythmus zu kommen, desto mehr Rubine lassen die Gegner fallen. Quelle: Brace Yourself Games / Nintendo Im Koop-Modus teilt ihr gemeinsam aus. Ihr müsst aber auch beide im Takt bleiben, um den Bonus nicht zu verlieren. Je mehr Monster ihr hintereinander besiegt, ohne Schaden zu nehmen und aus dem Rhythmus zu kommen, desto mehr Rubine lassen die Gegner fallen. Link oder Zelda - am Anfang entscheiden wir, mit welchem Held das Abenteuer beginnt - bewegen sich hüpfend aus der Iso-Ansicht über die quadratischen Felder des Bildschirms. Die beiden Figuren unterscheiden sich im Detail: Zelda wirkt zwei Zauber (einen Feuerball und ein magisches Schutzschild), Link kann einen Schild tragen und die Wirbelattacke einsetzen. Später wechseln wir nach Bedarf zwischen den Figuren. Wenn sich keine Gegner in der Umgebung befinden, können wir uns so schnell oder langsam fortbewegen, wie wir wollen. Sobald aber Feinde auftauchen, müssen wir den Takt der Musik beachten. Denn wenn wir einen Einsatz verpassen oder aus dem Rhythmus geraten, verlieren wir unseren Beutebonus und bleiben obendrein kurz stehen, was uns oftmals einen Treffer beschert. Manchmal nervt die Bindung an den Takt, wenn wir etwa nur schnell einen Bereich durchqueren, aber nicht alle Gegner besiegen wollen. Immerhin ist das Schnellreisesystem per Laute und Shieka-Stein praktisch und erspart oft lange Lauf ... äh, Tanzwege.

Aller Anfang ist schwer

Mit der ausgerüsteten Waffe müssen wir nur in Richtung eines Feindes springen, um ihn anzugreifen. Je nach Werkzeug unterscheidet sich der Bereich der Attacke. Dolche treffen nur, was direkt vor ihnen liegt, Flegel haben einen L-förmigen Radius, und Zweihandschwerter decken eine ganze Fläche ab. Mit dem Schild (oder Zeldas Zauber) reflektieren wir Geschosse, mit Zauberrollen, die wir in der Umgebung finden, nutzen wir Buffs, und Utensilien wie Bomben, Pfeil und Bogen gibt es auch.

Gerade anfangs, wenn man noch nicht das richtige Gefühl für das Spiel hat und die Gegner sowie deren Attacken- und Bewegungsmuster nicht kennt, bekommt man zwangsläufig eine Menge schmerzhafte Hiebe ab. Dazu kommt, dass Link und Zelda bei Spielbeginn nur drei mickrige Herzcontainer haben. Kurzum: Die ersten Bereiche, die wir erforschen, nehmen keinerlei Rücksicht auf unseren Status als absolute Beginner, da sie ja zum großen Teil zufällig generiert werden. Häufiger als in der ersten Stunde sind wir das ganze Spiel über nicht gestorben.

Tanzpause

Die Dungeons erinnern eher an Crypt of the Necrodancer denn an The Legend of Zelda. In solchen Räumen müsst ihr alle Feinde besiegen, um einen kleinen Schlüssel zu erhalten und damit ihr weiterkommt. Quelle: Brace Yourself Games / Nintendo Die Dungeons erinnern eher an Crypt of the Necrodancer denn an The Legend of Zelda. In solchen Räumen müsst ihr alle Feinde besiegen, um einen kleinen Schlüssel zu erhalten und damit ihr weiterkommt. Immerhin ist das Sterben in Cadence of Hyrule lange nicht so schlimm wie in Crypt of the Necrodancer. Alle gesammelten Spezial-Items wie etwa Enterhaken, ausgerüstete Waffen und dergleichen bleiben erhalten. Wir verlieren Rubine, Ring, kleine Schlüssel, Stiefel, Schaufel und Fackel. Die beiden letztgenannten Werkzeuge können wir aber vor dem Start des nächsten Versuches für je einen Diamanten kaufen. Diamanten gehen nie verloren, verdient werden die Klunker, indem wir einen ganzen Bildschirm von Gegnern säubern, manchmal finden sie sich auch in Truhen oder Dungeons. Selbst ohne Diamanteinsatz lassen Gegner aber verlässlich die beiden Werkzeuge fallen, sollten wir keine besitzen. Der Sterben-Wiederauferstehen-Zyklus ist auf jeden Fall deutlich weniger frustrierend als in klassischen Roguelikes.

Wichtige Hilfsmittel

Und wofür brauchen wir Schaufel, Fackel, Ringe und Stiefel? Ganz einfach: Mit der Schaufel buddeln wir Sandhaufen oder Mauern weg, die Fackel erleuchtet in Dungeons die Umgebung, Ringe und Stiefel bringen passive Boni - etwa eine leicht erhöhte Verteidigung, Immunität gegen Gift und dergleichen. Nach einer Weile nutzen sich die Gegenstände ab und zerbrechen. Glaswaffen und -Werkzeuge zersplittern sofort, wenn wir Schaden nehmen. Neben diesen vergänglichen Objekten sammeln wir die typischen Zelda-Items wie Enterhaken, Somaria-Stab (der in Cadence einen Block erschafft). Anders als bei Zelda üblich brauchen wir nicht unbedingt alle Hilfsmittel, um das Spiel abzuschließen. Um alle Kisten zu öffnen und damit auch alle Herzteile zu bergen, allerdings schon.

König Zufall

Durch das teilweise randomisierte Design der Spielwelt überzeugt die Gestaltung der Rätsel allerdings bei Weitem nicht so sehr wie in The Legend of Zelda. Nicht immer ist klar, welches Item wir benötigen, und wie man die jeweiligen Werkzeuge überhaupt in Kombination mit diversen Objekten in der Umgebung einsetzen kann. Wir fanden etwa erst sehr spät durch Zufall heraus, dass man mit Bomben Bodenplatten wegsprengen kann. Auch die Dungeons sind nicht vergleichbar mit den Verliesen aus Links Standard-Abenteuern, sondern ähneln denen aus Crypt of the Necrodancer. Sprich: Die Räume sind größtenteils zufallsgeneriert, voller Gegner, und wir benötigen lediglich einen kleinen Schlüssel, um eine Etage tiefer und den großen Schlüssel, um zum Boss zu kommen. Die Verliese sind zudem ziemlich klein.
Das Dörfchen Kakariko taucht an unterschiedlichen Stellen auf - ganz abhängig von eurem Spielstand. Die Karte wird nämlich zum Teil per Zufallen generiert. Quelle: Brace Yourself Games / Nintendo Das Dörfchen Kakariko taucht an unterschiedlichen Stellen auf - ganz abhängig von eurem Spielstand. Die Karte wird nämlich zum Teil per Zufallen generiert. Die Weltkarte wird bei jedem Spielstand neu ausgewürfelt. Bestimmte Eckpunkte bleiben gleich, etwa, dass sich Schloss Hyrule ungefähr in der Mitte der Welt befindet, am Rand der Strand liegt, östlich der Wald und so weiter. Schon beim zweiten Durchlauf erkannten wir manche Räume wieder, aber einige waren auch komplett neu.

Story und Bosse

Am Ende jedes Story-Dungeon wartet ein Boss mit Musikthematik. Um den Fiesling Octavio zu besiegen, der Hyrule in den Schlaf versetzt und Cadence, die Heldin aus Crypt of the Necrodancer in die Heimat von Link und Co. verfrachtet hat, benötigen wir vier magische Musikinstrumente. Die befinden sich in den Klauen von Bossen, die schön gestaltet, aber vergleichsweise einfach zu besiegen sind. Am Ende wartet eine besondere Herausforderung, die ein bisschen fordernder und damit auch spaßiger ausfällt.

Das klingt gut

Ein Musikspiel wie Cadence of Hyrule steht und fällt mit der Qualität der Tracks. Und in dieser Hinsicht hat der Genre- und Markenmix einen echten Volltreffer gelandet: Danny Baranowsky ist bekannt für Melodien, die sich sofort im Ohr festsetzen und zum Mitwippen animieren. Er bescherte schon Crypt of the Necrodancer den genialen Soundtrack, auch die Xbox-360-Version von Super Meat Boy versah er mit seinen Kompositionen. Die Remixe der epischen, zeitlosen Zelda-Melodien in Kombination mit den Hits aus Necrodancer überzeugen auf ganze Linie und machen das Zuhören zum echten Vergnügen. Gelegentlich machen wir auch selbst Musik, denn vereinzelt finden wir Notenrätsel, bei denen wir bekannte Zelda-Melodien wie das Lied des Sturms durch das Hüpfen auf Platten am Boden nachspielen. Dazu kommen zwei simple Rhythmus-Mini-Games. Davon hätten wir gerne noch mehr gehabt!

Ein musikalischer Abend

In zwei simplen Minispielen schießt ihr Pappfiguren ab. Einmal mit Pfeil und Bogen, einmal mit Krabbelminen. Der Preis ist bei guter Leistung jeweils ein Herzteil. Quelle: Brace Yourself Games / Nintendo In zwei simplen Minispielen schießt ihr Pappfiguren ab. Einmal mit Pfeil und Bogen, einmal mit Krabbelminen. Der Preis ist bei guter Leistung jeweils ein Herzteil. Wir waren mit dem Durchspielen von Cadence of Hyrule etwa acht Stunden beschäftigt, allerdings haben wir auch die gesamte Karte akribisch abgesucht, um alle Herzteile, Truhen und besondere Waffen einzusacken. Wer darauf keinen Wert legt, kommt locker in weniger als sechs Stunden durch. Neben dem Story-Modus, der die nette, aber zu vernachlässigende Geschichte präsentiert, wartet ein 1-Spieler-Modus, bei dem wir den Charakter nicht ändern können sowie die Herausforderung des Tages. Die verfügt jedes Mal über neue Parameter, und nach dem ersten Tod ist schon Schluss. Das gleiche gilt für den optionalen Herausforderungsmodus, bei dem wir ebenfalls nur einen Versuch haben. Anspruchsvollere Spieler wählen den Allegro-Modus, bei dem sich die Feinde in doppelter Geschwindigkeit bewegen - das ist tatsächliche eine erhebliche Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Zu guter Letzt ist Cadence of Hyrule im lokalen Koop-Modus spielbar, das funktioniert gut und macht Laune. Man kann sich also durchaus nach dem ersten Durchspielen noch mit dem Musikabenteuer beschäftigen, und sei es nur, um die Highscore-Listen zu dominieren oder alle Items zu finden.

Astreine Vorstellung

Optisch orientiert sich Cadence of Hyrule stärker an The Legend of Zelda als an Crypt of the Necrodancer, und das ist gut so.

Das Spiel sieht niedlich, sauber und weniger nach Indie aus als das Original, die abwechselnd leuchtenden Bodenkacheln bei aktiviertem Multiplikator stechen im Switch-Spiel weniger grell ins Auge. Ladezeiten sind selten und kurz, es gab keine Abstürze, wie hatten keine Bugs und das Spiel lief beständig flüssig - so soll es sein. Mit einem reinrassigen Zelda-Spiel kann Cadence in Sachen Präsentation nicht mithalten, dafür sind die kaum animierten Zwischensequenzen zu karg. Aber hier steht ja auch nicht die Geschichte im Mittelpunkt, deshalb ist das völlig in Ordnung.

Experimentell und gut

Cadence of Hyrule ist ein waghalsiges Experiment und eine wilde Mixtur - und die Kombination geht auf! Wenn es nach uns geht, darf sich Nintendo gerne mehr in Richtung solcher Indie-Crossovers öffnen. Cadence of Hyrule hat seine Schwächen, doch dafür verbindet es zwei Marken auf eine bislang ungesehene Art und Weise. Eine gewisse Zuneigung zu Rhythmusspielen ist freilich nötig, um die Einstiegsshürde erfolgreich zu nehmen. Im Laufe des Spiels baut der Schwierigkeitsgrad zwar massiv ab, aber wir merken auch, dass wir immer besser werden - und das ist immer ein schönes Gefühl!

Meinung

Wertung zu Cadence of Hyrule: Crypt of the Necrodancer Featuring The Legend of Zelda (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Grandiose Musik aus der Feder von Danny BaranowskyAußergewöhnliche Mixtur, die gut aufgehtMit Koop-ModusSpielfiguren haben unterschiedliche FähigkeitenHübsche, saubere OptikUnterschiedliche Waffen und AusrüstungsoptionenTechnisch einwandfreiKein gnadenloses Roguelike-SystemViele EinstellungsmöglichkeitenBekannte Zelda-Melodien, -Sounds und -ItemsZufallsgenerator macht jeden Durchgang ein wenig anders
Nur am Anfang schwierig, wird im Verlauf immer einfacherEinsatzmöglichkeiten diverser Items nicht offensichtlichEher schwache PuzzlesRubine haben später kaum noch NutzenSehr einfache BosseReine Story bietet nur etwa sechs Stunden Spielzeit
Fazit

Ein außergewöhnliches Spiel, schön präsentiert und mit klasse Soundtrack. An die Klasse eines "echten" Zelda kommt Cadence of Hyrule in manchen Disziplinen aber nicht heran.

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