Brothers: A Tale of Two Sons Remake zeigt, dass manche Spiele verschollen bleiben sollten - Test

Test Lukas Schmid
Brothers: A Tale of Two Sons Remake zeigt, dass manche Spiele verschollen bleiben sollten - Test
Quelle: 505 Games

Wird Brothers: A Tale of Two Sons Remake durch den hinzugefügten Koop-Multiplayer noch einmal im Hit? Nein, es ist eine Enttäuschung - mit Koop hat das aber nichts zu tun. Unser Test!

Über die Hauptfiguren und ihren jeweiligen Charakter lernt man quasi nichts, außer, dass sie sich wohl ganz gern mögen, obwohl ich nicht mal das sicher sagen kann. Obwohl sie die komplette Spielzeit miteinander verbringen, erfährt man über ihre Beziehung im Grunde nichts und zu dem einzigen Zeitpunkt, zu dem der ältere Bruder so etwas wie einen interessanten Charakterzug entwickelt, ist der Spaß schon wieder vorbei.

Eine große Portion Mittelmaß

Wo liegen also die Stärken von Brothers: A Tale of Two Sons? Puh. Gameplay-Abwechslung ist's nicht, auch nicht die Story. Die Atmosphäre ist ganz nett, ja. Und die verschiedenen Abschnitte sind immerhin recht divers.

Vom anfänglichen Dorf aus geht es später unter anderem in eine unterirdische Anlage und durch ein eisiges Schneegebiet, und in der zweiten Spielhälfte geht es auf einmal unvermittelt ganz schön brutal zur Sache. Ob das positiv oder negativ ist, sei dahingestellt, tonal kommt der Schwenk jedenfalls ziemlich aus dem Blauen.

Freizuspielen gibt es nur in dem Sinne etwas, als dass nach Abschluss der Handlung eine Artwork-Galerie und ein Behind-the-Scenes-Video mit Josef Fares im Hauptmenü aufpoppen.

Die Brüder fliegen mit einer Art Flugmaschine. Quelle: 505 Games

Zusatzinhalte in Brothers: A Tale of Two Sons Remake

Das Video ist aber nicht neu, weit gefehlt: Das ist ein zehn Jahre alter Commentary-Track, der profilierte Entwickler spricht hier von seinem neuen Spiel Brothers, welches sein erstes überhaupt sei, und gezeigt wird nur Gameplay aus dem Original. Wenn ihr Interesse daran habt: Gibt es seit acht Jahren auf YouTube. Hier ist der Link. Gern geschehen.

Der in verschiedenen Re-Releases enthaltene Soundtrack des Spiels als anwählbares Extra scheint gleich komplett der Schere zum Opfer gefallen zu sein.

Bleibt die mit Unreal Engine 5 entwickelte neue Grafik, und die ist ... fein. Versteht mich nicht falsch, das hier ist kein schnell hingeschusterter Remaster, sämtliche Texturen sind komplett neu und ich nehme an, dass auch das technische Gerüst dahinter größtenteils nicht direkt übernommen wurde.

Die Brüder treffen einen mit Pilzen bewachsenen Troll. Quelle: 505 Games

Schöne Brüder

Brothers: A Tale of Two Sons Remake sieht viel besser aus als das Original, was bei zehn Jahren technischen Fortschritts aber auch nicht sonderlich überraschend sein dürfte, es ist aber auch kein Spiel, bei dem einem vor lauter grafischem Gusto die Kinnlade runterfällt.

Auf jeden Fall läuft's flüssig, und bis auf einen Fall, bei dem sich meine Spielfigur in der Geometrie verhedderte und wir den letzten Speicherpunkt neu laden mussten, kann ich auch keine technischen Patzer vermelden.

Dereinst wurde Brothers: A Tale of Two Sons mit nicht Top-, aber doch sehr guten Wertungen überschüttet. Vielleicht liegt es am Alter des Grundspiels, vielleicht haben sich die Entwickler vor allem mit dem auch von mir sehr geschätzten It Takes Two so sehr weiterentwickelt, dass ihr Erstling dadurch nur abfallen kann.

Vielleicht ist es auch etwas Persönliches und ich kann eine etwaige dem Abenteuer innewohnende Genialität, die andere sehen mögen, einfach nicht erkennen, vielleicht aus deswegen, weil ich das Original erst im Zuge dieses Tests erstmals (an-)gespielt habe. Wenn, dann geht es meiner Mitspielerin zumindest auch so - wir gingen beide recht ernüchtert aus einer Koop-Session hinaus, auf die wir uns eigentlich beide gefreut hatten.

Ein Remake, dass die Welt nicht gebraucht hat

Auf jeden Fall kann ich Brothers beim besten Willen nicht uneingeschränkt empfehlen. Es ist kurz, es hat keine Aspekte, in denen es sich wirklich hervortut, und Neuerungen abseits der Grafik und des von den Machern ungeliebten Koop-Modus existieren keine.

Wer ganz verzweifelt auf der Suche ist nach einem Koop-Spiel im Stil von It Takes Two, kann zugreifen, und wer das Original kennt und nach dem Lesen meines Tests wutschnaubend dasitzt, weil ich die Genialität des Titels nicht erkenne, ebenso - als Remake erlaubt es sich jetzt keine drastischen Fehler.

Also hole ich zum Abschluss die Spielejournalismus-Klischeephrase Nr. 1 raus: Fans greifen zu, alle anderen spielen Probe - oder in diesem Fall eben auch nicht.

Wertung zu Brothers: A Tale of Two Sons Remake (PS5)

Wertung:

6.0 /10
Fazit

Kurz, grafisch ganz hübsch, spielerisch und erzählerisch aber völlig belanglos. Als Remake kompetent gemacht, aber das ist einfach nicht genug.

Wo kann man Brothers: A Tale of Two Sons Remake spielen?

Brothers: A Tale of Two Sons ist ab dem 28. Februar 2024 erhältlich, und zwar neben dem PC auch für die Playstation 5 und die Xbox Series X/S. Versionen für die Last-Gen-Konsolen existieren nicht, ebenso keine Umsetzung für Nintendo Switch. Auf all diesen Konsolen könnt ihr aber die Ursprungsversion des Abenteuers für einen kleinen Euro ergattern. Transparenzhinweis: Die Testversion des Spiels wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.

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