Brothers: A Tale of Two Sons Remake im Test: Was lange währt, ist nicht sehr gut
Test
Wird Brothers: A Tale of Two Sons Remake durch den hinzugefügten Koop-Multiplayer noch einmal im Hit? Nein, es ist eine Enttäuschung - mit Koop hat das aber nichts zu tun. Unser Test!
Nennt mich verschroben, aber wenn ein Remake eines Spiels mit einem neuen Feature wirbt, dann gehe ich davon aus, dass dieses Feature dafür gedacht ist, genutzt zu werden.
Insofern fand ich es beim Starten von Brothers: A Tale of Two Sons Remake etwas seltsam, als ich den neuen Koop-Modus auswählte und wir daraufhin eine Einblendung mitteilte, dass das schon eine ziemlich doofe Idee von mir sei.
Okay, ich übertreibe, aber wörtlich heißt es da: "Brothers: A Tale of Two Sons war ursprünglich als Einzelspielerspiel konzipiert. Das Gameplay und die Geschichte sind bei zwei Spielern ganz anders. Der Einzelspielermodus ist weiterhin das angestrebte Spielerlebnis."
Ooookay? Wenn ihr nicht wollt, dass ich als Spieler das Spiel im Koop erlebe, warum bietet ihr ihn dann überhaupt an? Alles etwas seltsam.#
Brothers: A Tale of Two Sons - kooperativer Singleplayer
Zur Einordnung: Brothers erschien ursprünglich 2013 und war eben ein reines Singleplayer-Ding - allerdings eines, das bewusst so tat, als wäre es ein Koop-Titel.
Mit dem linken Analogstick steuert man (am Gamepad) als Solist den einen der titelgebenden beiden Brüder, mit dem rechten Analogstick den anderen, auf den Schultertasten liegen die Kamera sowie rechts und links die einzigen, kontextsensitiven Buttons für das jeweilige Geschwisterlein. Für die Nintendo Switch gab es 2019 einen Port, der Koop erlaubte, abseits davon handelte es sich bei dieser Version aber um das Urspiel.
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Die späteren Projekte des Teams rund um den kreativen Kopf Josef Fares, das aus dem Entwicklerstudio hervorging, waren die ausschließlich im Koop-Modus für zwei Teilnehmer spielbaren Abenteuer A Way Out sowie das hochgelobte It Takes Two, schon damals zeigte sich also, wenn auch nur in simulierter Form, wo die Reise hingeht.
Der neue Multiplayer-Koop in Brothers: A Tale of Two Sons Remake
Jetzt aber eben unter der Ägide eines noch einmal neuen Remake-Studios Koop, und der ist dann auch etwas seltsam. Spieler eins steuert den älteren Bruder, benutzt linken Analogstick und linke Schultertaste als Aktionsbutton. Spieler zwei darf seinen eigenen Controller, aber nicht ebenfalls, wie es üblich ist, den linken Analogstick nutzen. Nein, da muss es der rechte Stick sein, plus rechte Schultertaste, weil ... nun, weil halt.
Quelle: 505 Games
Online-Modus existiert auch keiner, man darf also nur lokal ran. Hm.
Die Frage ist bloß: warum diese Einschränkungen, und warum diese gelebte Abneigung der Entwickler gegenüber DEM Verkaufsargument ihres Remakes? Entgegen dem, was man sich jetzt erwarten würde, funktioniert das kooperative Spielen nämlich völlig fein. Das Gameplay ist auch nicht völlig anders und die Story exakt dieselbe wie im Alleingang - nur, dass man eben jemanden zum Plaudern neben sich hat.
So viel dazu. Ich verstehe schon ein wenig den Gedanken dahinter, denn zu zweit sinkt der ohnehin extrem geringe Anspruch des Titels noch einmal.
Wie schwer ist Brothers: A Tale of Two Sons?
Wirklich schwerer ist Brothers im Einzelspieler schlussendlich aber auch nicht, bloß durch die notwendige Koordination von linker und rechter Hand eine Spur stressiger - und langsamer, wenn man auf sich selbst warten muss, wenn man es mit der Koordination mal doch nicht so gut hinbekommen hat. Schwer zu erklären, aber falls ihr das Original kennt, wisst ihr bestimmt, was ich meine.
Meine Mitspielerin Annika und ich hatten trotz der bizarren Designentscheidung, was die Gamepad-Belegung angeht, schlussendlich im Koop-Modus einen Zacken mehr Spaß als alleine, sorry, liebe Entwickler.
Wie lange ist Brothers: A Tale of Two Sons Remake?
Auf jeden Fall, Gameplay, oder halt das bisschen, was davon da ist. Man rennt durch lineare Level, löst sehr simple Umgebungsrätsel, die regelmäßig die Zusammenarbeit der Brüder erfordern, bestreitet "Bosskämpfe", die am Ende des Tages aber auch nur glorifizierte Geschicklichkeitstests sind und ist nach drei Stunden durch.
Quelle: 505 Games
So weit, so na ja, und zusätzliche Aufgaben gibt es keine, ebenso keine Sammelgegenstände. Nett ist immerhin, dass abseits des Weges kleine, optionale Interaktionsmöglichkeiten existieren. Da lässt man etwa Steine übers Wasser springen, setzt sich auf eine Bank und genießt den Ausblick oder rettet einen Mann durch brüderliche Zusammenarbeit vor dem Freitod.
Das ist nett für die Atmosphäre, aber jetzt auch kein epochaler Zusatz, der das Spiel dramatisch besser machen würde.
Die Story von Brothers: A Tale of Two Sons
Dann also die Story als das große Ding, das Brothers: A Tale of Two Sons einst und auch heute wieder zum gefeierten Gar-nicht-mal-so-geheim-Tipp macht? Schwierig.
Bildergalerie
Ich meine, keine Frage, da stecken viel Pathos drin, viel Emotion, viele Klischees aus der Indie-Hit-Schublade, inklusive Fantasiesprache, krankem Papa, trauriger Musik und eines noch traurigeren Endes. Aber etwas Besonderes ist die Geschichte nun wirklich nicht. Sie plätschert so vor sich hin, hat ein nicht sonderlich gut verstecktes Grundthema (Tod und Verlust), aber jetzt auch keine wirkliche Aussage, keine Message, die mir ins Auge gestochen wäre, weder plakativ noch positiv.
