Videospiele im Land der aufgehenden Sonne. Unser Special zeigt, was in Nippon gezockt wird.
Die Vorstellungen, die sich ein westlicher Videospiel-Fan von japanischen Games macht, sind wohl sehr unterschiedlich. Die wenigsten haben im Blick, dass auch Mario, Metal Gear Solid oder Resident Evil diesem Kulturkreis entsprungen sind – zu selbstverständlich werden diese Titel im Westen wahrgenommen. Stattdessen denkt manch einer sofort an lärmende und überfüllte Spielhallen, andere wiederum nur an kryptische Rollenspiele oder abgefahrene Alltags-Simulationen, wieder andere vor allem an seltsam anmutende Charaktere und knallbunte Welten. Doch all diese Eindrücke haben eines gemeinsam: Sie wirken für westliche Gemüter äußerst fremdartig.
Daher sind jene Spiele, die die japanischen Landesgrenzen nicht überschreiten, von einer ganz besonderen Mystik umgeben. Auf den folgenden Seiten möchten wir ein wenig Licht in das Mysterium bringen und wagen einen Blick in die japanische Videospielkultur.
Hallensport
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wächst in Japan neben der Kompetenz im Bereich Technik auch das Interesse daran. Japanische Konzerne wie Sony, Toshiba, Matsushita (Panasonic) oder Sharp treten ihren Siegeszug rund um den Globus an. Ermöglicht wird dies hauptsächlich durch die Kaizen-Philosophie (die unter anderem die sichere, schrittweise Perfektionierung, nicht aber die mitunter riskante Innovation präferiert) und die fleißigen einheimischen Mitarbeiter. Kaum eine Gesellschaft der Welt setzt sich in Bezug auf Leistung und Erfolg stärker unter Druck als die japanische. Das führt so weit, dass sich seit den 70er Jahren verstärkt Menschen förmlich zu Tode arbeiten. Das Phänomen namens Karoshi bezeichnet den Tod durch Stress oder Überarbeitung – bei jahrelanger Arbeit von mehr als zwölf Stunden am Tag, sechs bis sieben Tage die Woche kaum verwunderlich.
