Blade Runner: Enhanced Edition im Test: Eine Neuauflage, die niemand braucht

Test Felix Schütz
Blade Runner: Enhanced Edition im Test: Eine Neuauflage, die niemand braucht
Quelle: PC Games

Nightdive hat das Kult-Adventure von Westwood neu aufgelegt, ohne viel Werbung oder Aufmerksamkeit. Und jetzt wissen wir auch warum: Die Umsetzung ist so lust- und lieblos, dass man sich den Kauf sparen kann. Unser Test mit Grafikvergleich.

Filmumsetzungen haben eine lange (und überaus holprige) Tradition. Manche waren gut, andere mies - doch nur wenige werden von den Fans bis heute so geschätzt wie Blade Runner. Schon 1997 verneigten sich die Westwood Studios vor Ridley Scotts Kultfilm und inszenierten ein Adventure, das mutig aus der Reihe tanzte: Von moderner 3D-Grafik, kniffligen Puzzles und schneller Action wollte Westwood damals nichts wissen. Stattdessen setzte man auf Dialoge, Detektivarbeit und eine umwerfende Präsentation mit vorgerenderten 2D-Grafiken. Auch beim Gameplay gingen die Entwickler neue Wege: Die eigenständige Handlung des Spiels verlief nichtlinear, auch die persönlichen Entscheidungen spielten eine Rolle und beeinflussten, welches Ende man zu sehen bekam. Das alles macht Blade Runner zu einem Ausnahme-Spiel, das aber mittlerweile kräftig in die Jahre gekommen ist. Es hätte schon lange eine gründlich verbesserte Neuauflage verdient.

Die Remaster-Spezialisten von Nightdive haben sich der Aufgabe angenommen, den Westwood-Klassiker zurückzubringen - und sind gescheitert: Blade Runner (jetzt kaufen 99,00 € ): Enhanced Edition wird derzeit auf Steam zerrissen, viele Fans zeigen sich enttäuscht und verlangen ihr Geld zurück. Im Test fassen wir die Kritik zusammen.

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Lieblose Umsetzung

Schon während der Entwicklung hat Nightdive zugegeben, dass sich die Überarbeitung von Blade Runner viel schwieriger gestaltet als ursprünglich gedacht. Der Grund: Westwoods Originaldateien waren verschollen, grundlegende Verbesserungen ließen sich daher kaum noch umsetzen. Trotzdem hätten wir von dieser Fassung mehr erwartet, schließlich lassen schon die ersten Sekunden erahnen, dass etwas nicht stimmt: Gleich nach Spielstart wird man in ein liebloses Hauptmenü befördert, in dem uns ein Artwork entgegenlacht, das dem Stil des Originalspiels so gar nicht gerecht wird. Auch das spärliche Optionsmenü macht wenig Hoffnungen: Es gibt kaum Einstellungsmöglichkeiten, vor allem die Sprachauswahl fehlt: Man kann lediglich neue Untertitel einschalten und die UI-Sprache ändern, doch die Sprachausgabe ist immer auf Englisch. Wie gut das bei den deutschen Adventure-Fans ankommt, kann man sich denken.

Mittlerweile hat Nightdive eine hastige Erklärung abgesetzt: "Uns ist aufgefallen, dass die Option für den vollen Audio-Support für Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch fehlt." Bei allem Respekt für die Entwickler, aber wie kann man so etwas bitte übersehen? Wer soll das glauben? Die Sprachauswahl soll nun zwar bald mit einem Patch nachgeliefert werden, doch der Schaden ist bereits entstanden.

Bildergalerie

Was wurde da überhaupt verbessert?

Zu den wenigen Neuerungen zählen die Videos, die sind zwar immer noch im 4:3-Format, wurden aber für moderne Auflösungen hochskaliert und laufen nun mit 60 Bildern pro Sekunde. Das klingt gut, sieht in der Praxis aber enttäuschend aus: Zwar gibt es viel weniger Kompressionsartefakte und das Bild wirkt tatsächlich etwa sauberer als früher, doch wirklich scharf oder zeitgemäß sehen die Videos trotzdem nicht aus. Die neue Framerate ist zudem eine Geschmacksfrage, manche Spieler klagen über einen "motion smoothing"-Effekt, ihnen laufen die Clips einfach zu flüssig ab.

Auch die stimmungsvoll gerenderten Umgebungsgrafiken wurden hochskaliert und hier und da retuschiert: Nightdives Version bietet bessere Kontraste und es gibt auch hier deutlich weniger Artefakte als früher. Doch wer sich auf halbwegs scharfe, zeitgemäße Kulissen gefreut hat, wird enttäuscht: In der Regel wirkt das Bild eher lieblos hochskaliert und teilweise so matschig, dass einige feinere Details nahezu verloren gehen. In McCoys Apartment lassen sich die Verzierungen an den Wandkacheln beispielsweise kaum noch erkennen.

In manchen Szenen leidet der Regeneffekt unter dem Grafikupgrade, der im Original sichtbarer war und für mehr Stimmung sorgte. Und auch bei den aufwendigen Übergängen, die Westwood damals mit rasanten Kamerafahrten inszenierte, zeigen sich nun Schnitzer: Wo die Szenen früher nahtlos ineinander übergingen, sind nun unschöne Blenden zu sehen, an manchen Stellen (z.B. wenn McCoy von seinem Balkon ins Schlafzimmer geht) fehlen sie sogar komplett.

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