Black Myth: Wukong ist ein besseres Spiel, weil es mit vielen der völlig ausgelutschten Soulslike-Konventionen bricht.
Ich habe eine These, die ist so steil, dass mich der Fallschaden wahrscheinlich umbringen würde: Soulslikes sind heute das, was Militär-Shooter vor zehn Jahren waren. Ein Genre, das sich gefühlt nicht mehr vorwärtsbewegt, weil alle dem Platzhirschen hinterherlaufen, ihn aber nie ein- oder gar überholen können.
Damals war Call of Duty 4 dafür verantwortlich, dass so viele andere Entwickler ihre eigene grau-braune Militärpropaganda auf den Markt warfen, mit dem immer gleichen Gameplay, Michael-Bay-Setpieces und Level-System im Multiplayer. Was nach den unzähligen Weltkriegs-Shootern, die vorher kamen, noch als frischer Trend startete, wurde zu einer Innovationswüste, aus der viele von uns nur noch herauswollten.
Mit Soulslikes geht's mir aktuell ähnlich. Seit fast 15 Jahren spiele ich dieses Genre, also seit es mit Demon's Souls begründet würde, und zwar religiös. Jedes From-Software-Game wird bis zur Platintrophäe und darüber hinaus gezockt, die meisten Nachahmer zumindest ausprobiert und oft auch bis zum bitteren Ende durchgespielt.
Mir ist bewusst, dass ich an meiner Soulslike-Müdigkeit nicht unschuldig bin. Schließlich hat mich niemand dazu gezwungen, auch noch in Thymesia und Chronos: Before the Ashes alle Trophäen zu holen. Was war nochmal die Definition von Wahnsinn?
Der Ofen ist aus
Nach dem Trio aus Wo Long: Fallen Dynasty, Lords of the Fallen und Lies of P spürte ich letztes Jahr richtig, wie meine Souls-Flamme langsam zu erlöschen begann. Die hatten ihre eigenen Qualitäten und Gameplay-Features, aber inzwischen fühlte sich trotzdem alles nach dem gleichen Spiel an.
Ein Spiel, in dem ich seit 15 Jahren das Gleiche tue: einen Knopf drücken, um keinen Schaden zu nehmen, und einen anderen Knopf, um Schaden auszuteilen. Und dieses Spiel hängt mir schlicht und ergreifend zum Hals heraus, weil es zwar immer schwerer und schneller wird, aber sich ansonsten kaum verändert.
Sonderlich gehyped war ich auf Black Myth: Wukong (jetzt kaufen 45,00 € ) dementsprechend nicht. Die Entwickler selbst wollten das Soulslike-Label zwar nicht annehmen, aber pessimistisch, wie ich bei dem Genre inzwischen bin, rechnete ich trotzdem mit altem Wein in neuen Schläuchen. Nachdem ich mich nun seit 15 Stunden im Primaten-Pelz durch die chinesische Mythologie kloppe, kann ich sagen: Mein Vorurteil war unbegründet. Und Mann, bin ich froh darüber!
Quelle: PCGH
Wukong hat durchaus einige Soulslike-Elemente. Es gibt Schreine, an denen ich meine Heiltränke auffülle, aber auch die meisten Gegner wiederbelebe. Das Storytelling ist kryptisch und wird zum großen Teil in Kodex-Einträge ausgelagert. Zwischensequenzen gibt's kaum, außer, um einen Gegner vorzustellen, Rätsel oder andere Gameplay-Sperenzchen fehlen ebenso. Hier wird gekämpft, ein wenig erkundet und über die Grafik gestaunt, das war's.
Die Spielerführung ist minimal, Nebenquests nirgends verzeichnet. Bosse und Elitegegner können ordentlich austeilen und ich verlasse mich oft auf meine Ausweichrolle, damit ich nicht nach ein paar Sekunden schon wieder am letzten Checkpoint lande.
Reject Soulslikes, return to Monke
Gleichzeitig verzichtet das Spiel auf die meisten anderen Souls-Aspekte, wodurch es sich viel eher nach Bayonetta oder God of War anfühlt als nach Elden Ring oder Sekiro. Am deutlichsten spürt man das beim Schwierigkeitsgrad: Wukong bringt mich teils schon ins Schwitzen, aber mehr als fünf oder sechs Versuche hat mich noch kein Boss gekostet.
Standardgegner haben gegen meinen wirbelnden Kampfstab sowieso keine Chance und Minibosse schicke ich mit einem sehr spaßigen Zauberkatalog auf die Bretter.
Statt ein ewig langes Moveset auswendig lernen zu müssen, sorge ich mit dem Lähmungszauber dafür, dass der Gegner überhaupt nicht angreifen darf. Packt ein Boss seine Spezialmoves aus, beschwöre ich einen Schattenklon, während ich mich selbst erst unsichtbar und danach aus dem Staub mache. Sobald der Boss mit seiner Show fertig ist, kriegt er zur Belohnung noch eine Schleichattacke in den Rücken. Das Ausweichtiming ist großzügig, die Ausdauerleiste zwar vorhanden, aber selten beachtenswert. Wukong hat mächtige Gegner, aber mit etwas Fingerfertigkeit und taktischem Zaubereinsatz bin ich mächtiger. Das fühlt sich alles herrlich frisch an.
