Beyond a Steel Sky: Es gibt nicht nur eine Lösung! gamescom-Bericht

Special Susanne Braun
Beyond a Steel Sky: Es gibt nicht nur eine Lösung! gamescom-Bericht
Quelle: Revolution

25 Jahre ist es her, dass im Adventure Beneath a Steel Sky Protagonist Robert Foster in einem dystopischen Australien Bekanntschaft mit dem kleinen Roboter Joey gemacht hat. Der Nachfolger Beyond a Steel Sky versetzt Foster in eine moderne 3D-Welt, die mit inzwischen gängigen Adventure-Tugenden bricht: Es gibt für jedes Rätsel mehrere Lösungen. Wir haben uns das Adventure auf der gamescom 2019 angeschaut.

Denken Adventure-Fans an Klassiker des Genres, dann kommen ihnen unweigerlich Spiele wie Monkey Island, Full Throttle oder Day of the Tentacle in den Sinn. Oder aber auch Beneath a Steel Sky von Revolution, das 1994 erschienen ist und die Rätselfreunde unter den Spielern in ein dystopisches Australien entführt hat. Protagonist war damals Robert Foster, der in einer von sechs Stadtstaaten dominierten Welt im lebensfeindlichen Ödland "The Gap" seine Jugend bestritten hat. Dort lernte er von Ureinwohnern nicht nur das Überleben in der trostlosen Wildnis, sondern auch den Umgang mit technologischen Dingen. Er ertüftelte den kleinen Roboter Joey, der ihn fortan begleitete - selbst als er in die Stadt Union City verschleppt wurde und sich einen Weg aus der von einer künstlichen Intelligenz kontrollierten Metropole bahnen musste.

25 Jahre später kehrt Foster unerwartet an diesen Ort zurück, Union City, auf der Suche nach einem kleinen Mädchen. Die Story von Beneath a Steel Sky müsst ihr für Beyond nicht kennen, das Setting und die angesprochenen (mitunter kontroversen Themen) bleiben aber dieselben: In einer Cyberpunk-Stadt setzt ihr euch mit Persönlichkeitsrechten, Privatsphäre und sozialer Kontrolle auseinander.

3D... ohweh?

Erinnern wir uns zurück an die Hochzeit des Genres, dann denken wir bei 3D-Umsetzungen möglicherweise als erstes an Monkey Island 4 und seine völlig verbaselte Steuerung. Glücklicherweise erwartet uns ein solches Schreckerlebnis nicht in Beyond a Steel Sky (jetzt kaufen 26,55 € )... vermuten wir zumindest, da wir im Rahmen der gamescom 2019 nicht selbst spielen durften. Aber es machte nicht den Anschein, als gäbe es sonderliche Probleme, Foster durch die wunderschöne Spielwelt zu bewegen. Die sieht wirklich toll aus, wenngleich sich vor den Toren der Stadt Union City noch nicht viele Charaktere blicken lassen. Dafür stehen wir aber dem ersten Problem gegenüber: Foster will in die Stadt hinein, aber eine kleine Menge unglücklicher Zufälle halten ihn davon ab.

Erfrischend anders

Foster is back und kehrt in Beyond a Steel Sky nach Union City zurück. Quelle: Revolution Foster is back und kehrt in Beyond a Steel Sky nach Union City zurück. Zum einen funktioniert eine Brücke nicht richtig. Ein Troubleshooter vor Ort hat zwar das Problem schon erkannt, aber er ist nur dazu da, das Problem herauszufinden, nicht zu beheben. Im Schatten des mächtigen Eingangstores nach Union City steht außerdem ein Truck, aus dem es bereits unselig am stinken ist. Eine Lieferung, die eigentlich gekühlt gehört, kann nicht an den Empfänger in Union City geliefert werden, weil eben die Brücke den Geist aufgegeben hat. Auch der Laster kommt nicht weiter, denn in der Bemühung, die Ladung gefroren zu halten, hat der Fahrer den letzten Saft aus seiner Batterie gequetscht. Probleme über Probleme und wir, in Form von Foster, sind dazu da, sie zu lösen. Dabei, so erklärt es uns Adventure- und Entwickler-Veteran Charles Cecil, gibt es nicht nur einen Weg - und das ist das, was Beyond a Steel Sky von den inzwischen sehr populären Adventure-Spielen Telltales abhebt.

Beyond mag ein bisschen wie ein Telltale-Spiel aussehen, doch hinter der hübschen Kulisse steckt ein Rätselsystem, was viele Entwickler wohl eher abschrecken würde, weil es bei mehreren Lösungsansätzen irgendwann schwer wird, die Übersicht zu behalten. Die Macher von Beyond wagen es trotzdem. Ein Beispiel: In der Welt gibt es räuberische und verfressene Vögel, die den Gänsen von York, Cecils Geburtsstadt, nachempfunden sind. Sie sind extrem hungrig und werden schnell aggressiv, wenn sie was zum Futtern erspähen, es sich aber nicht in ihrem Schnabel befindet. Einer dieser Vögel in Beyond hat Foster einen Scanner abgeluchst und stolziert damit durch die Ödnis wie ein Classic-WoW-Held in seiner Tier-2-Rüstung durch Eisenschmiede. Wie schon erwähnt sind diese Vögel sehr verfressen. Foster besorgt sich eine sehr stinkende Wurst und lockt damit die Schnatterviecher an, auch das, das den Scanner in seinen Besitz gebracht hat. Wir haben nun die Wahl, die Wurst etwa durch das schmale Loch in einer Skulptur zu werfen, damit der Vogel drin stecken bleibt. Oder aber wir werfen die Wurst an das Stärkefeld eines Holowasserfalls, damit der Vogel einen Schlag bekommt und den Scanner fallen lässt. Cool!

Revolution von Revolution?

Union City ist eine Utopie, gesteuert von einer künstlichen Intelligenz Quelle: Revolution Union City ist eine Utopie, gesteuert von einer künstlichen Intelligenz Auch im späteren Verlauf der Szene, die wir uns anschauen, haben wir mehrfach die Wahl, wie wir ein Problem angehen wollen. Wollen wir einen Roboter an einen Monstermagneten hängen, damit wir an die in ihm verbaute Batterie gelangen? Oder hacken wir ein Förderband und spielen mit seinen Einstellungen herum, damit Metallkisten plötzlich zu gefährlichen Geschossen werden, und den fraglichen Roboter ausknocken? Wahrscheinlich werden uns in unserer Vorgehensweise schon Grenzen gesetzt sein, aber längst nicht so enge und strikte wie in vielen Adventures der vergangenen Jahre, die mehr Schein als Sein waren - zumindest hinsichtlich der Knobeldichte.

Wir sind sehr gespannt, was Charles Cecil und Dave Gibbons (Erfinder von Watchmen und Mitgestalter von Beneath a Steel Sky) austüfteln. Beyond a Steel Sky soll 2020 fertig werden, für PC, Konsolen und iOS erscheinen, und hat wirklich das Zeug, Adventures wieder mehr zu einem Abenteuer werden zu lassen.

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