Beyond: Two Souls im Test - Quantic Dreams' großer Wurf nach Heavy Rain?

Test Thomas Szedlak

Beyond: Two Souls im Test: Endlich macht mal jemand Games mit Tiefgang, die dem Spieler schwierige Entscheidungen abverlangen und eine Message transportieren", sagen die einen. "Wenn ich einen Film sehen will, geh ich ins Kino", sagen die anderen. Die Werke von Quantic Dream polarisieren und das wird - so viel sei schon mal prognostiziert - bei Beyond: Two Souls nicht anders sein.

Beyond: Two Souls im Test: Während bei GTA 5 das Heldentrio eine zentrale Neuerung darstellt, sind mehrere spielbare Charaktere bei Quantic-Dream-Spielen längst zu einem Markenzeichen geworden. Vor allem dank der immer reizvollen Zusammenstellung: In Fahrenheit (2005) spielte man einen Mörder sowie die beiden Ermittler, in Heavy Rain (2010) vier Leute auf der Suche nach dem Origami-Killer – und am Ende stellte sich einer der Protagonisten als der Serienmörder heraus.

Ob Beyond: Two Souls an Quantic Dreams' Blockbuster Heavy Rain anknüpfen kann, wie sich der Titel spielt und welche Vor- und Nachteile ihr vom PS3-Exklusiv-Titel zu erwarten habt, verraten wir euch im Gamesaktuell.de-Test von Thomas Szedlak. Weitere News zum Spiel entnehmt ihr unserer umfangreichen Themenseite zu Beyond: Two Souls.

Zwei Seelen

Großartige Kameraführung, erstklassige Schauspieler, starke Dialoge. Quelle: play³ Großartige Kameraführung, erstklassige Schauspieler, starke Dialoge. Die ungewöhnliche Kombination in Beyond: Two Souls lautet: junge Frau und unsichtbarer Freund. Von Geburt an ist Jodie Holmes (Ellen Page) nicht allein. Sie ist ständig umgeben von Aiden, einem Geist. Ihr spielt 15 Jahre im Leben von Jodie Holmes, wobei die 26 Kapitel nicht chronologisch angeordnet sind. Bei der Orientierung hilft ein Zeitstrahl im Ladescreen, der zeigt, wann das folgende Kapitel angesiedelt ist. Nach und nach fügen sich die Puzzlestücke der Handlung zu einem großen Ganzen zusammen, es werden Fragen aufgeworfen und Spannungselemente eingebaut, welche die Motivation hoch halten. Hier spielt Beyond-Autor und Creative Director David Cage seine Qualitäten als großer Geschichtenerzähler aus.

Dabei verleiht Cage den Charakteren Persönlichkeit und baut immer wieder leise Momente ein, in denen das Erlebte reflektiert werden kann. Scheinbar alltägliche Situationen münden in spannende Szenen oder eskalieren gar, hauptsächlich wegen Aiden. Der Geist beschützt Jodie und spürt, wenn die junge Frau wütend ist – dann geht schon mal die Umgebung zu Bruch. Doch Aiden hat auch einen eigenen Willen und kann ganz schön eifersüchtig sein.

Ihr spielt auch Momente aus Jodies Kindheit. Hier wird deutlich, wie überfordert die Eltern mit der "Spinnerei" ihrer kleinen Tochter sind. Als Folge kommt Jodie in eine staatliche Einrichtung, die paranormale Aktivitäten erforscht. Dort nimmt sich der Wissenschaftler Nathan Dawkins (Willem Dafoe) des verschlossenen Mädchens an und wird über die Jahre so etwas wie ein Ersatzvater für Jodie. Aber auch Dawkins kann nicht verhindern, dass Jodie gegen ihren Willen vom CIA in ein Trainingsprogramm gesteckt und schließlich auf gefährliche Einsätze geschickt wird, in denen natürlich Jodies übernatürliche Fähigkeiten gefragt sind.

Heavy Rain 2

Beyond: Two Souls kann grafisch überzeugen, treibt die PS3 aber stellenweise an ihre Grenzen. Quelle: Sony Beyond: Two Souls kann grafisch überzeugen, treibt die PS3 aber stellenweise an ihre Grenzen. Auch wenn sich Handlung und Erzählstil deutlich von Heavy Rain abheben, so spielt sich Beyond: Two Souls doch sehr ähnlich wie der vorangegangene Quantic-Dream-Titel. Die Franzosen haben zwar versucht, der Steuerung mehr Anspruch zu verleihen, doch das ist nur leidlich gelungen. So gibt es bei Kämpfen, oder wenn Jodie vor Angreifern flüchtet, zwar keine Tasteneinblendungen mehr. Die neuen Zeitlupenpassagen sind aber nicht mehr als verkappte Quicktime-Events: Jodie holt zum Schlag aus und ihr müsst schnell den Stick in Schlagrichtung drücken. Jodie läuft auf ein Hindernis zu und ihr bewegt den Stick nach unten zum Ducken. Jemand wirft einen Stuhl in Jodies Richtung und ihr müsst seitlich ausweichen. That's it. Da teilweise nicht eindeutig ersichtlich ist, was es zu tun gilt, bergen die Actionszenen leider auch Frustpotenzial.

Des Weiteren gibt es im Spielverlauf noch viele klassische Quicktime-Events und Tasteneinblendungen, zum Beispiel bei Kraftanstrengungen (auf "X" hämmern). Sollt ihr irgendwo herunterspringen, bewegt ihr den ganzen Controller nach unten. Ja, auch die häufig etwas unpräzise Sixaxis-Bewegungssteuerung kommt wieder zum Einsatz, wenn auch nicht so oft wie in Heavy Rain. Jodie wird gelegentlich in Kampfeinsätze geschickt, in denen man von Deckung zu Deckung eilt und Feinde entweder lautlos oder per Waffeneinsatz eliminiert. Aber auch hier leitet einen das Spiel mehr durch die Areale als dass man wirklich geistig oder reaktionstechnisch gefordert wäre. Gut gefällt uns, dass man mit Jodie nun ganz normal durch die Szenerie laufen kann, die verquere Laufsteuerung von Heavy Rain wurde in die Tonne getreten. Für etwas Abwechslung sorgen Fahrpassagen mit Motorrad und U-Boot sowie ein paar Reiteinlagen.

Geistergeschichten

Es gibt eine Gameplay-Besonderheit, die Beyond dann doch deutlich von Heavy Rain unterscheidet: An zahlreichen Stellen im Spiel dürft ihr per Knopfdruck die Kontrolle über Aiden übernehmen. Als Geist könnt ihr mühelos durch Wände gleiten, allerdings dürft ihr euch stets nur eine beschränkte Distanz von Jodie entfernen. Aidens Fähigkeiten sind beträchtlich. Ihr könnt Gegenstände umwerfen, Schalter drücken, elektrische Geräte zerstören und sogar Jodies Wunden heilen oder eure Freundin aus Fleisch und Blut mit einem Schutzfeld umgeben. Gelegentlich nutzt ihr Aiden auch, um Gespräche in einem Nachbarraum zu belauschen. Aiden nimmt die Aura jeder Person wahr. Rot markierte Charaktere könnt ihr eliminieren, indem ihr ihnen die Kehle zuschnürt. Über Personen mit orangefarbener Aura dürft ihr die Kontrolle übernehmen – dann zur Waffe greifen und Amok laufen...

Bildergalerie

  1. Seite 1 Beyond: Two Souls: Gameplay
  2. Seite 2 Beyond: Two Souls: Fazit und Wertung
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