Battlefield 5: Warum das Spiel gar nicht so schlecht ist, wie ihr denkt!

Kolumne Carlo Siebenhüner
Battlefield 5: Warum das Spiel gar nicht so schlecht ist, wie ihr denkt!
Quelle: Electronic Arts + PC Games

Battlefield 2042 steht in den Startlöchern und die Fans hoffen auf einen besseren Teil, als es der Vorgänger war. Dabei ist Battlefield 5 keineswegs ein schlechtes Spiel und viel besser, als viele denken. In seiner Kolumne tritt Carlo Siebenhüner dafür ein, warum ihr dem Spiel nochmal eine Chance geben solltet.

Endlich wieder zweiter Weltkrieg! Moment, das klingt sehr falsch, aber ich meine natürlich in Spieleform. 2018 kam die Battlefield-Serie zurück zu den Anfängen ihrer Geschichte und nahm sich erneut das Weltkriegssetting vor. Und die Fans so "Yeah! Cool!". Dann wurde das Spiel angekündigt und erschien und alle so: "Was zur Hölle habt ihr mit Battlefield gemacht?"

Battlefield 5 (jetzt kaufen ) legte einen absoluten Fehlstart hin und die Fans waren alles andere als begeistert. Der Ruf als eines der schlechtesten Spiele der Reihe machte sich breit, nur kann ich das bis heute gar nicht verstehen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Battlefield 5 einer meiner meistgespielten Teile der Serie und ich habe auch weiterhin viel Spaß mit dem Spiel. Trotz oder gerade jetzt, wo das neue Battlefield 2042 angekündigt ist und viele altbewährte Mechaniken über den Haufen wirft, würde ich sogar sagen: Battlefield 5 ist gar nicht so doof, wie ihr denkt!

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... und dann kam Battlefield 5

Ich bin seit ewigen Zeiten Verfechter der Battlefield-Serie. Call of Duty? Geh mir weg damit! Wenn irgendwo das Battlefield-Thema gespielt wird, bekomme ich sofort Gänsehaut. Gut, Battlefield 1942 und Battlefield 2 habe ich noch ausschließlich mit Bots gespielt, weil man damals auf dem Dorf noch mit ISDN im Internet unterwegs war und pro Minute Geld bezahlen musste. Hätte ich damals schon online Multiplayer gespielt, hätten mich meine Eltern vermutlich eigenhändig gemessert.

Battlefield hat schon viele Settings gesehen. Umso größer war die Freude, dass die Serie zum Ursprung zurückkehren wollte.  Quelle: Electronic Arts/DICE Battlefield hat schon viele Settings gesehen. Umso größer war die Freude, dass die Serie zum Ursprung zurückkehren wollte.  So richtig ging es dann aber bei mir mit Battlefield: Bad Company 2 los. Da habe ich das erste Mal online Hunderte Stunden drin versenkt. Bis dann Battlefield 3 kam und alles weggeblasen hat. Ein absolutes Meisterwerk, in das ich wieder hunderte Stunden steckte und es sogar auf eine K/D von über 1 und höher stieg. Battlefield 4 konnte ich danach nicht allzu viel abgewinnen. Das lag auch am schlechten Zustand des Spiels zu Release, doch DICE hat hier Geduld und Liebe bewiesen, sodass auch Teil 4 heute ein Fanliebling ist. Battlefield Hardline ist der ungeliebte Cousin der Serie und genauso habe ich ihn auch behandelt: mit Ignoranz. Und so habe ich diesen Serienteil bis heute nicht angefasst. Dafür war ich umso gespannter auf Battlefield 1. Eine neue frische Idee und ein vollkommen unverbrauchtes Setting im ersten Weltkrieg. Das hat Spaß gemacht und passte perfekt zur Reihe. Und dann kam Battlefield 5 ...

Diese Fehler plagten den Weltkriegsshooter

Das startete ja schon denkbar schlecht. Der erste Trailer war eine Kackophonie der absoluten Grausamkeit. Völlig überzogen und überladen, musste man wirklich Angst vor einem epileptischen Anfall haben. Pseudo-lustige Sprüche in einem viel zu ernsten Thema, Menschen mit futuristischen Prothesen, britische Soldaten mit japanischem Katana auf dem Rücken. Schlechter hätte sich Battlefield 5 nicht präsentieren können. Die Fans gingen auf die Barrikaden, weil es zu bunt und zu sehr nach "Generation Fortnite" aussah und die Entwickler konterten mit einem wenig souveränen "kauft es oder kauft es nicht". Nur um dann wieder zurückzurudern, denn die abgefahrenen Customizations flogen am Ende doch raus und wurden auf authentischere Verkleidungen zurückgefahren.
Doch auch nach Release lief es nicht rund. Es gab einen Haufen Bugs zu Release, der Netcode, also das Programm, was sich um die Kommunikation mit dem Server und euch kümmert, schien nicht gut zu laufen und das Balancing allgemein war nicht das Gelbe vom Ei. Ich bin zum Beispiel bis heute der Meinung, dass Flugzeuge viel zu stark sind. Im weiteren Verlauf fummelte DICE außerdem regelmäßig an der Time to Kill und an der Time to Death herum. Die Begriffe beschreiben die Zeit, wie lange man auf einen Spieler draufhalten muss, bis er umkippt und umgekehrt. Diese Veränderungen zog auch eine ständig neue Eingewöhnungsarbeit für die Spieler nach sich.

Das größte Problem für Battlefield 5 war aber der Content. Davor war es in der Reihe Gang und Gebe, dass man Extra-DLCs mit neuen Maps verkaufte. Weil das jedoch die Spielerbasis aufspaltet, entschied man sich bei Battlefield 5 für einen Service-Ansatz. So sollte stetig neuer, kostenloser Content kommen. Deswegen war das Hauptspiel zu Release auch mit weniger Multiplayerkarten ausgestattet als die Vorgänger. Battlefield 1 hatte 13 Karten und Battlefield 5 nur neun. Nur hatte sich EA ordentlich verrechnet, denn was da kam, war viel zu wenig.

Der Start war sogar noch vielversprechend. Gleich einen Monat nach Release kamen eine riesige Karte dazu und eine ziemlich gute Singleplayer-Kampagne.

Unter anderem kam eine neue Version der beliebten Metro-Karte aus Battlefield 3. Doch die Anstrengung war vergebens. Viele Spieler waren weitergezogen.  Quelle: DICE Unter anderem kam eine neue Version der beliebten Metro-Karte aus Battlefield 3. Doch die Anstrengung war vergebens. Viele Spieler waren weitergezogen.  Doch das war es dann auch erst einmal für eine Weile. In den folgenden Monaten speiste DICE die Fans mit umgebauten, aber bekannten Karten ab. Obendrauf kamen Spielmodi erst nach und nach hinzu, die in Vorgängerspielen von vornherein drin waren. Rush zum Beispiel konnte man immer nur ab und an spielen. Wenn ihr mich fragt, ewar es ine absolute Schnapsidee, solch beliebte Modi nur zeitexklusiv anzubieten. Fünf Monate später kam dann der großangekündigte Battle-Royale-Modus. Eigentlich war der auch gar nicht schlecht, nur wollte ihn einfach niemand haben! Die Fans schrien zu diesem Zeitpunkt schon seit Monaten nach neuen Karten für den Multiplayer. DICE musste aber einfach so viele Ressourcen für Battle Royale und Bugfixing abstellen, dass an der wichtigsten Front kein Nachschub kommen konnte.

Erst sieben Monate nach dem Release startete endlich der Content mit neuen Multiplayerkarten. Doch auch da tröpfelte es nur langsam, dafür zumindest stetig. So hätte es direkt nach Release sein müssen, dann hätte das Spiel vermutlich ein längeres Leben gehabt. Schon eineinhalb Jahre nach Release, also Mitte 2020, wurde der Support für Battlefield 5 eingestellt.

Werft einen Blick hinter die Fehler

Tja, und nun komm ich hier um die Ecke, noch ein Jahr später und mit einem völlig neuen Battlefield am Horizont, das im Oktober erscheint und will euch erzählen, ihr solltet Battlefield 5 noch mal ne Chance geben?
Ja, genau das mache ich!

Nachdem das Spiel zur Ruhe kam, machten sich die Vorzüge von Battlefield 5 bemerkbar.  Quelle: Electronic Arts/DICE Nachdem das Spiel zur Ruhe kam, machten sich die Vorzüge von Battlefield 5 bemerkbar.  Denn ich bin in der ganzen Zeit mal mehr, mal weniger am Ball geblieben und muss euch sagen: Battlefield 5 ist mit der Zeit ein super Multiplayershooter geworden und hat fantastische Ideen, die die Serie und die Atmosphäre weit nach vorne gebracht haben. Gerade das Teamplay ist viel stärker in den Fokus gerückt. Das fängt schon bei der Ausrüstung an. Spawnt ihr in ein Spiel, startet ihr nicht mit voller Munition. Supporter, die euch ein Munitionspäckchen zuwerfen, sind also immer Gold wert. Die Sanitäter sind ebenfalls wichtiger geworden. Seid ihr getroffen, regeneriert ihr nicht durch kurzes Durchatmen auf volle Gesundheit, sondern nur einen gewissen Teil. Erst, wenn ihr euer Medipack nutzt, bekommt ihr volles Leben und ein neues Medipack gibt es nur beim Sani.

Der Onkel Doktor ist aber nicht nur beim Support, sondern auch im Angriff wichtiger denn je. Eines der Standardwerkzeuge für den Medic ist der Granatwerfer mit Rauchgranaten. Die sehen nicht nur schick aus, sondern sind unfassbar relevant für den Angriff. Wenn euer Team auf freiem Feld Kanonenfutter ist, nebelt ihr einfach schnell alles zu und schon können euch die Gegner nicht mehr sehen und aufs Korn nehmen. Wenn ich also mal einen von euch als Medic ohne Rauchgranaten sehe, gibt es Ärger von mir!

Ebenfalls gut überarbeitet wurde das 3D-Spotting. Kurz erklärt: Wenn man einen Gegner sieht, drückt man eine Taste und anschließend wird die Position des Gegners für das gesamte Team für ein paar Sekunden auf der Minmap angezeigt. Außerdem bekommt der Feind auch über seinem Kopf eine kleine Markierung.Ich finde es realistisch, denn schließlich würde ich meinen Kollegen auch Bescheid sagen, wenn ich im Feld einen Gegner sehe. Das Problem war in den früheren Spielen aber, dass man auch auf gut Glück die Spottingtaste hämmern konnte und irgendwen markierte man dann schon. Für Battlefield 5 wurde das System überarbeitet. Nun kann man auch einfach so Marker in die Welt setzen, ganz egal, ob da jetzt ein Gegner ist oder nicht. Blindes Spotting bringt also nichts mehr. Nur der Aufklärer kann mit seiner Leuchtpistole oder seinem Fernglas Gegner richtig 3D-spotten - und da wären wir wieder beim Teamplay.

Die beste Schlachtenatmosphäre der Serie

Mein absolutes Highlight ist aber das Pazifik-Update, das kurz vor Supportende kam. Das hat nochmal vier neue Karten und zwei neue Parteien - Japan und die USA - ins Spiel gebracht. Seitdem spiele ich fast ausschließlich diese Karten. Das Thema "Schlachtenatmosphäre" wird bei Battlefield von jeher großgeschrieben, ich will da als Beispiel von der Karte "Iwo Jima" berichten. Serienveteranen kennen die noch aus Battlefield 1942. Für das Pazifik-Update wurde sie komplett neu designt und ich möchte mit vollem Ernst behaupten: Meiner Meinung nach ist dabei eine der besten Battlefield-Karten aller Zeiten herausgekommen.

Das Pazifik-Update brachte viel Content und verhalf Battlefield 5 zu neuem Aufschwung Quelle: DICE / EA Das Pazifik-Update brachte viel Content und verhalf Battlefield 5 zu neuem Aufschwung Vor allem im Durchbruch-Modus entfaltet sie ihre volle Atmosphäre. In diesem Modus muss ein Angreiferteam verschiedene Punkte erobern. Anschließend rückt die Zone weiter und die nächsten Punkte müssen erobert werden. Die Angreifer haben nur begrenzte Tickets für den Respawn. Die Verteidiger müssen dagegenhalten und die Tickets der Angreifer auf Null bringen. Mit jeder eroberten Zone bekommen die Angreifer jedoch Tickets wieder zurück.

Iwo Jima erzählt dabei sehr subtil eine fantastische Story, denn auf Seiten der USA startet ihr von Flugzeugträgern aus und landet an den dunklen Stränden der Insel. Ihr müsst also erst den Strand erobern. Dann geht's weiter den Strand hoch zu den Befestigungen der Japaner. Die Kugeln fliegen euch um die Ohren, Panzer schießen Krater in den Sand und über euch liefern sich Flugzeuge ihre Gefechte. Der Sound ist dabei wie immer allererste Sahne und die Luft zum Schneiden dick. Das hat beste D-Day-Atmosphäre!

An den dunklen Stränden Iwo Jimas ist eine atmosphärische Schlacht fast immer gesichert.  Quelle: EA / DICE An den dunklen Stränden Iwo Jimas ist eine atmosphärische Schlacht fast immer gesichert.  Von dort aus geht es weiter in das Inland bis zum Berg Suribachi. Dort kämpft man sich erst mühselig durch ein Höhlensystem, bis man am Ende in einer letzten Kraftanstrengung und meist nur noch mit einer handvoll Tickets bis zum Gipfel stürmt. Im Hintergrund blendet das Spiel dabei dynamisch den fantastischen Soundtrack ein, der sich immer weiter steigert, je weniger Tickets man hat oder je näher man dem Erobern der letzten Flagge kommt. Sobald die dann eingenommen ist und man mit einem Blick vom Berg runter auf den Strand den ganzen Weg nochmal sieht, den man gekommen ist, macht sich einfach nur ein großartiges Gefühl in einem breit. Man hat sich hier schließlich einmal quer über die ganze Insel gekämpft. In solchen Momenten verzeihe ich dem Spiel alle Fehler, die es leider Gottes immer noch hat.

Gebt dem Spiel noch eine Chance!

Dennoch: Für mich hat Battlefield 5 einen der besten Multiplayer-Parts der Serie und bringt dieses Mittendrin-Gefühl rüber wie kein anderer moderner Shooter. Eure Meinung kann ich natürlich nur schwer beeinflussen, vor allem, wenn ihr schlechte Erfahrungen gemacht habt. Trotzdem empfehle ich euch: Spielt mal wieder ein paar Runden rein. Vor allem, wenn ihr das schon länger nicht mehr getan und vielleicht sogar das Pazifik-Update verpasst habt. Ihr werdet es nicht bereuen.
Wir sehen uns auf Iwo Jima!

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