Banjo-Kazooie: Retro-Special zum N64-Klassiker von Rare

Special Lukas Schmid
Banjo-Kazooie: Retro-Special zum N64-Klassiker von Rare
Quelle: Microsoft

Yooka-Laylee, die geistige Fortsetzung von Banjo-Kazooie, erschien letztes Jahr für PC, PS4 und Xbox und die Switch. Grund genug für uns, einen Blick zurück auf das legendäre N64-Original zu werfen. Kommt mit uns auf eine Zeitreise ins Jahr 1998, als Rare noch fleißig für Nintendo entwickelte und ein ungewöhnliches Duo aus einem Bär und einem Vogel zu einem großen Abenteuer aufbrach.

Wir schreiben das Jahr 1998. Vor knapp zwei Jahren ist das N64 erschienen, und mit ihm Super Mario 64 - jenes Spiel, welches Geschichte geschrieben und das bis dato strauchelnde 3D-Jump&Run-Genre im Alleingang definiert und revolutioniert hat. Viele versuchten in den Jahren danach, an diesen Erfolg anzuknüpfen, alle scheiterten. Zumindest bis Rareware, spätestens seit der Donkey-Kong-Country-Trilogie für das SNES einer der größten Namen in der Spiele­branche, auf einmal mit Banjo-Kazooie auf den Plan traten. Ein Abenteuer, welches sich stark an der durch Super Mario 64 etablierten Formel orientiert, sie aber an allen Ecken und Enden erweitert. Die Frage, ob Banjo-Kazooie besser ist als Super Mario 64, ist eine subjektive und ergo müßig. Außer Frage steht jedoch, dass Rareware mit ihrem eigenen - und ebenfalls N64-exklusiven - Baby ein Mega-Hit gelang, der, ebenso wie der erste 3D-Ausflug des Klempners, bis heute einen festen Platz in den Herzen seiner Fans hat. Aber was macht den Titel aus, warum wird er so geliebt?

Eine Welt voller Wunderlinge

Da ist erst einmal die extrem Rareware-typische Atmosphäre nebst simpler, aber sehr humorvoller Geschichte. Wir schlüpfen gleichzeitig in die Rolle von Bär Banjo und seiner gefiederten Vogelfreundin Kazooie, die es sich in seinem Rucksack gemütlich gemacht hat. Gemeinsam mit Banjos Schwester Tooty friedlich ihrer Tage am Fuße des idyllischen Spiral Mountains fröhnend, ist's vorbei mit eitel Wonne-Sonnenschein, als die böse Hexe Gruntilda aus ihrem nahen Versteck, einem weitläufigen Höhlennetzwerk, herbeigedüst kommt und kurzerhand Tooty entführt. Der Grund: Laut Aussage von Gruntys magischem Hexenkessel ist Tooty, nicht die böse Hexe, die Schönste im ganzen Land, sodass Grunty die Jugend und das Aussehen der jungen Bärin mittels einer diabolischen Maschine auf sich selbst übertragen und Tooty gleichzeitig in ein abscheuliches Monster verwandeln will. Das können sich Bär und Vogel natürlich nicht gefallen lassen und machen sich auf, der miesen Magietante das Handwerk zu legen und Banjos Schwester zu retten. Der Humor, den schon diese kurze Eröffnungssequenz versprüht, ist wirklich einmalig und bereitet gut auf das vor, was im späteren Spielverlauf noch alles auf einen zukommt: ein rülpsender Nilpferd-Kapitän, ein Eisbär mit einem Faible für Schlittenrennen, Kröten mit einer Vorliebe für Chormusik, ein riesiger, depressiver Metallwal, eine plauderfreudige, völlig verdreckte Toilette und noch viel, viel mehr. Am Jiggy hängt, zum Jiggy drängt doch alles: Diese goldenen Puzzleteile sind die primären Sammelitems im Spiel und werden benötigt, um in neue Levels zu gelangen. Quelle: N-ZONE Am Jiggy hängt, zum Jiggy drängt doch alles: Diese goldenen Puzzleteile sind die primären Sammelitems im Spiel und werden benötigt, um in neue Levels zu gelangen.

Plauderstunde mit Kniff

Schön: Die Figuren sind sich sehr bewusst, das sie sich in einem Spiel befindet und der sich dadurch ergebende Meta-Humor wird ebenso effizient wie gekonnt genutzt. Überhaupt sprühen die Dialoge nur so vor Charme - und die in Yooka-Laylee wiederbenutzte, durch sich wiederholende Geräusche realisierte "Sprachausgabe" wurde hier das erste Mal genutzt. Oh, übrigens: Zusätzlich spricht Gruntilda, die auf nicht näher erklärte Weise ständig mit uns in Kontakt ist, ausschließlich in Reimen, die ebenso bescheuert wie unterhaltsam sind. Egal, ob man diese Art der Gesprächsuntermalung liebt oder hasst - sie bleibt einem im Ohr und war für damalige Verhältnisse sehr unkonventionell! Weniger abgefahren, aber dennoch sehr einprägsam ist der Stil des Spiels, der auch heute noch überraschend gut aussieht. Die Cartoon-artige Optik mit großen, bunten Texturen versprüht einen ganz eigenen Flair, nicht zuletzt aufgrund der bereits erwähnten, durchgeknallten Bewohner.

Ein Genuss für die Ohren

Die Welten, die wir von der Oberwelt - Gruntys Versteck - aus erforschen, kommen zudem thematisch sehr unterschiedlich daher und schicken uns unter anderem auf einen sonnigen Strand, in eine eisige Schneelandschaft, ein Horror-Haus samt angehängtem Grusel-Areal, eine staubtrockene Wüste und zu einem gewaltigen Baum, den wir zu vier verschiedenen Jahreszeiten erklimmen dürfen. Oh, und die Musik! Jeder, der die Klänge des legendären Komponisten Grant Kirkhope schon einmal vernommen hat, weiß, warum N64-Spieler bei den Worten "klingt wie ein Rareware-Spiel" in Nostalgie verfallen. Es ist schwer auf den Punkt zu bringen, was die Musik dieser Spiele ausmacht, aber man erkennt sie sofort und die Melodien entpuppen sich als gnadenlose Ohrwürmer! Der Soundtrack zu Banjo-Kazooie gilt als vielleicht größtes Meisterwerk in Kirkhopes Schaffen und ist auch der Liebling des Komponisten selbst. Wir wollen dieser Einschätzung nicht widersprechen! Nicht wie in Banjo-Tooie in allen, aber in vielen Welten verwandelt uns Mumbo Jumbo auf wunsch in eine alternative Form – in Click Clock Wood etwa in eine Biene. Quelle: N-ZONE Nicht wie in Banjo-Tooie in allen, aber in vielen Welten verwandelt uns Mumbo Jumbo auf wunsch in eine alternative Form – in Click Clock Wood etwa in eine Biene.

Als Bären fliegen lernten

Alleine durch diesen recht ausgeprägten Fokus auf Story und Atmosphäre unterscheidet sich Banjo-Kazooie schon stark von Marios 3D-Einstand, der in dieser Hinsicht relativ simpel daherkommt. Hinzu kommen Levels, die wie echte Orte wirken und nicht nur wie relativ willkürlich zusammengesetzte geometrische Formen wie oftmals bei Super Mario 64. Aber auch spielerisch, obwohl auf ähnlichen Pfaden wandernd, erweitert Banjos Hüpf-Ausflug das etablierte Konzept. In den neun Levels begeben wir uns primär auf die Suche nach den sogenannten Jiggys: goldene Puzzleteile, die wir benötigen, um riesige Puzzles in der weitläufigen und ebenfalls mit Sammelobjekten vollgestopften Oberwelt zu vervollständigen und weitere Levels freizuschalten. Um diese Sammelaufgabe zu erfüllen, steht uns zu Anfang nur ein relativ begrenztes Set an Bewegungsmanövern zur Verfügung, etwa ein Sprung, ein einfacher Schlag und eine Rutschattacke. Erst nach und nach schalten wir durch das Sammeln der sekundären Sammelitems, goldener Musiknoten, neue Aktionen frei. Dadurch lernen wir etwa, dank Kazooies bekrallter Füße, steile Hänge hinaufzuwatscheln, auf speziellen Plattformen mehrere Meter hohe Sprünge auszuführen, einen Rückwärtssalto punktgenau zu landen, mittels Stampfattacke auf den Boden zu rumsen, blaue Eier auf Feinde abzufeuern, kurzzeitig unverwundbar oder schneller zu werden und sogar, uns dank Kazooies Flügeln in die Lüfte zu erheben. Das war nur eine Auswahl der Manöver, die man erhält, sobald man über einen der an vorgegebenen Punkten platzierten Hügel von Maulwurf Bottles stolpert - die Menge ist wirklich beachtlich! Haifisch Snacker, der es im Level Treasure Trove Cove auf unseren haarigen Hintern abgesehen hat sobald wir im Wasser landen, bereitet uns auch heute noch Albträume! Quelle: N-ZONE Haifisch Snacker, der es im Level Treasure Trove Cove auf unseren haarigen Hintern abgesehen hat sobald wir im Wasser landen, bereitet uns auch heute noch Albträume!

Viel zu tun in Gruntys Versteck

Um alle Aufgaben zu lösen, ist es nicht so häufig wie im Nachfolger Banjo-Tooie, aber doch einige Male notwendig, mit neu erlernten Moves in bereits absolvierte Welten zurückzukehren. So ist es etwa nur mit dem im Level Gobi's Valley erhaltbaren Turnschuh-Lauf möglich, ein Rennen im vorher freigeschalteten Freezeezy Peak zu gewinnen. Apropos Aufgaben: Es ist wirklich beachtlich, wie viel Abwechslung die Entwickler in die Suche nach den Jiggys gesteckt haben. Nur selten müssen sie einfach aufgeklaubt werden - und wenn, dann ist der Weg zu ihnen die Herausforderung oder sie entpuppen sich als ungemein gut versteckt. Wir erinnern uns nur zu gut an ein Puzzleteil knapp unter der Krone des Baumes in Click Clock Wood, das man nur in Gestalt einer Biene (dazu gleich mehr) erreichen konnte und nach dem wir anno dazumal eine gefühlte Ewigkeit suchten ... Ansonsten müssen wir zum Beispiel unter Zeitdruck Minispiele absolvieren, Geschicklichkeitsparcours bestehen, Rätsel lösen, Kämpfe gegen besonders starke Feinde bestreiten und noch viel, viel mehr. Wer alle 100 Puzzleteile sein Eigen nennen möchte, ist lange beschäftigt, dasselbe gilt für die 100 Noten pro Level, also insgesamt 900 Noten. Immerhin winkt für all die Mühe kurz vor dem finalen Kampf gegen Grunty eine coole Belohnung - welche, wollen wir an dieser Stelle aber nicht spoilern, obgleich dies 19 Jahre nach dem Release wohl verzeihbar wäre. Aber es gibt noch mehr zu sammeln! Das Design, die ikonische Musik und natürlich Mumbo selbst – beim Betreten seiner Hütte überkommen einen nostalgische Gefühle. Quelle: N-ZONE Das Design, die ikonische Musik und natürlich Mumbo selbst – beim Betreten seiner Hütte überkommen einen nostalgische Gefühle.

Auch heute noch richtig gut!

Neben Kleinigkeiten wie Lebensenergie-Upgrades aber hauptsächlich Verbrauchsitems. Eines davon: Silberne Totenköpfe, die wir in den schon aus der Ferne sichtbaren Totenkopf-Hütten des Schamanen Mumbo Jumbo abgeben dürfen, woraufhin der gute Mann uns in manchen Levels in eine alternative Form verwandelt. Neben der bereits erwähnten Biene nehmen wir dann zum Beispiel die Form einer Termite, eines Kürbisses oder eines kleinen Krokodils an. Das riesige Bewegungsrepertoire, die Verwandlungsformen, die schiere Menge an sammelbarem Zeug, die abwechslungsreichen Aufgaben, das tolle Leveldesign, die geniale Atmosphäre, der gelungene Humor, die einzigartige Musik - all diese Aspekte und noch viel, viel mehr machen Banjo-Kazooie zu Recht zu dem Klassiker, als den viele ihn sehen, und auch heute noch zu einem wirklich guten Spiel. Wer eine Xbox 360 oder Xbox One zu Hause hat, der darf sich übrigens über technisch etwas aufgebesserte Versionen von Banjo-Kazooie und auch Banjo-Tooie freuen, in denen der vielleicht größte Kritikpunkt des Spiels - die störrische Kamera - deutlich entschärft wurde. Außerdem wurde in den Xbox-Fassungen der beiden Spiele auch das mysteriöse Stop'n'Swap-Feature, welches beide miteinander verbinden sollte, in abgewandelter Form realisiert. Was, noch nie von Stop'n'Swap gehört? Nun, das ist ein Thema für ein anderes Retro-Feature an einem anderen Tag ... Für heute schließen wir unseren Artikel mit der Feststellung, dass Banjo-Kazooie auch im Jahre 2018 noch überzeugen kann. Demnächst werden wir uns mit dem Nachfolger beschäftigen und auch die Spin-offs, wie der überraschend gute GBA-Titel Banjo-Kazooie: Grunty's Rache oder der Rennspiel-Spaß Banjo Pilot haben es verdient, in Zukunft einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden. Bis dahin verbleiben wir mit einem fröhlichen "Haaaa-rrruiiii!".

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