Baldur's Gate: Das Rollenspiel, das alles veränderte

Special Sascha Lohmüller
Baldur's Gate: Das Rollenspiel, das alles veränderte
Quelle: Beamdog

Im Dezember jährt sich der Release des ersten Baldur's Gate bereits zum 25sten Mal und Teil 3 steht nach drei Jahren Early Access nun auch in den Startlöchern - Grund genug, in unserem Retro-Special einen Blick zurück auf den Erstling zu werfen.

Und dann ist da natürlich auch noch Minsc, der wohl mittlerweile ikonischste Begleiter der Reihe. Der hünenhafte Waldläufer besticht nicht nur durch seinen kahlrasierten Schädel, seine zahlreichen Tattoos und seine oftmals etwas kryptischen Ausrufe, sondern auch durch seinen eigenen Sidekick, einen kleinen Hamster namens Boo, mit dem er regelmäßig Gespräche führt und der einen Platz in der Quickslot-Leiste des Ranger-Sonderlings blockiert. Laut Minsc ist Boo übrigens nicht einfach nur ein Hamster, sondern ein "miniature giant space hamster". Wäre das auch geklärt.

All diese Charaktere kommen nicht nur mit teils eigenen Quests, sondern auch mit Beziehungen untereinander. Jaheira und Khalid sind logischerweise unzertrennlich, auch Minsc und Dynaheir, als deren Bodyguard er fungiert, sind normalerweise als Duo unterwegs. Der fiese Magier Edwin hat indes den Auftrag, Dynaheir zu töten - was dezentes Konfliktpotential beherbergt. Grundsätzlich hassen sich dementsprechend die bösen und die guten Charaktere, es wird geflirtet, diskutiert, gestritten, philosophiert und im Extremfall gekämpft. Die im zweiten Teil eingeführtenund nachträglich in die Enhanced Edition von Teil 1 eingefügten Romanzen führte Bioware dann natürlich prominent weiter in Spielen wie Dragon Age und Mass Effect - die Baldur's-Gate-Reihe fungierte hier quasi als Blaupause.

Ein hektischer Kampf an einer frostigen Ritualstätte Quelle: Beamdog

Rundenbasierte Echtzeit

Und zu guter Letzt überzeugt natürlich auch das Gameplay auf ganzer Linie, vor allem zum damaligen Zeitpunkt. Die Kämpfe etwa laufen im Gegensatz zur Pen&Paper-Vorlage grundsätzlich in Echtzeit ab, allerdings werkeln die extrem detaillierten AD&D-Regeln im Hintergrund bei allem, was passiert. Es wird gewürfelt, ob ihr trefft oder nicht, wie viel Schaden verursacht wird, ob Statuseffekte ausgelöst werden und so weiter und so fort. Zudem besitzen alle Kampfaktionen einen internen Cooldown, der im Falle von Melee-Angriffen natürlich maßgeblich von der ausgerüsteten Waffe abhängt. Doch auch zwischen zwei Zaubern legen eure magiebegabten (Anti)Helden naturgemäß eine gewisse Pause ein. Passend dazu überschreibt ihr bei vorschnellem Handeln auch gern mal die Befehle eurer Partymitglieder - wer jemals hektisch versucht hat, mehrere Gefährten zu heilen, wird wissen, was ich meine.

Gleichzeitig ist das Geschehen aber auch jederzeit pausierbar. Wer sich also erst einmal einen Überblick über die Gegebenheiten verschaffen will, um seine Party dann vernünftig zu positionieren und einen möglichst optimalen "Erstschlag" auszuführen, der kann das jederzeit tun. Nichtsdestotrotz arten gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden die Kämpfe oft in chaotisches Durcheinander aus, nicht zuletzt, weil durch die AD&D-Basis ein gewisses Maß an Glück eine Rolle spielt. Wer schlecht würfelt, gewinnt halt auch den einfachsten Kampf nicht. Für den jetzt erscheinenden dritten Teil gehen die neuen Entwickler übrigens zu einem rundenbasierten Kampfsystem über, das sich noch einmal näher an der D&D-Vorlage orientiert.

Die Heldengruppe kämpft in einer Höhle mit Goblins. Quelle: Beamdog

Ich könnte hier noch über viele andere Dinge sprechen, die mich in wohligen Erinnerungen an das erste Baldur's Gate schwelgen lassen, etwa das atemberaubende Erlebnis, wenn man zum allerersten Mal die namensgebende Stadt mit seinen ausufernden Bezirken und unzähligen NPCs betritt. Das tolle Gefühl, wenn man seinen anfangs schwächlichen Charakter irgendwann in volle Plattenrüstung und +2/+3-Waffen gekleidet hat. Wenn man durch Zufall die giftgrüne Chitin-Rüstung findet, die in Nashkel einfach mitten auf einem Feld herumgammelt. Oder einfach, wenn nach ein paar Jahren BG-Abstinenz ein "You must gather your party before venturing forth" aus den Boxen schallt. Von späteren Story- und Setting-Überraschungen ganz zu schweigen, wie etwa die Absichten von Bösewicht Sarevok oder die erste Begegnung mit Drachen und anderen riesigen Fabelwesen.

Das Gute ist: Dank der mittlerweile wirklich rund laufenden, mit sinnvollen Verbesserungen angereicherten und trotzdem wunderbar nostalgischen Enhanced Edition ist es überhaupt kein Problem, den Klassiker heutzutage einfach noch mal zu spielen - oder ihn zum ersten Mal zu erleben, falls man ein wenig retro-affin ist. Baldur's Gate 1, seinen Nachfolger und auch das eingangs erwähnte Planescape: Torment gibt's allesamt auf den üblichen Plattformen wie Steam oder GOG zu kaufen. Und natürlich könnt ihr auch aktuell noch unsere Extended-Ausgabe 05/23 nachbestellen, der das Spiel beilag (*hust*). Ich werde auf jeden Fall in absehbarer Zeit mal wieder einen Ausflug zur alten Schwertküste unternehmen - bis dahin wird mich Teil 3 hoffentlich blendend unterhalten.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk