Wir haben Baldur's Gate 3 in mehr als 115 Stunden durchgespielt und erklären im Test, warum das Rollenspiel ein absolutes Meisterwerk geworden ist.
Wer wir sind, ist wichtig
Wir verbringen unsere Zeit in Baldur's Gate 3 aber nicht nur mit dem Erkunden der Spielwelt und dem Quatschen mit unzähligen Charakteren. Manchmal lassen sich Situationen nicht friedlich lösen und die Waffen müssen sprechen - der richtige Zeitpunkt, um einen Blick auf die Rollenspiel-Systeme des Spiels zu werfen. Wie schon seine Vorgänger basiert der Titel auf dem Universum von Dungeons & Dragons und verwendet entsprechend das Regelwerk der Pen&Paper-Vorlage. In diesem Fall bedienen sich die Entwickler an der aktuellen fünften Edition. Zwar haben sich die Macher an einigen Stellen Freiheiten gegönnt, die notwendig sind, um das Regelwerk in ein Videospiel zu übertragen, aber insgesamt ist Baldur's Gate 3 eine sehr treue Umsetzung.
Das beginnt bei der Charaktererstellung unseres Helden. Zu Beginn des Spiels haben wir die Wahl, ob wir als einer der Origin-Charaktere (die im Spiel auch unserer Gefährten werden) oder lieber als selbst erstellter Held in das Abenteuer ziehen wollen. Wenn wir unseren Avatar erstellen, haben wir die Wahl aus elf Rassen, teilweise mit speziellen Unterrassen. Darunter sind Fantasy-Klassiker wie Menschen, Elfen und Zwerge, aber auch ausgefallenere D&D-Rassen wie Githyanki, Tiefling und Drachenblütige. Jede Rasse hat spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten. So erhalten Halb-Orks einen Bonus auf kritischen Schaden und Einschüchterungswürfe.
Quelle: PC Games
Je nach Rasse und Klasse bekommen wir spezielle Dialogoptionen zu sehen.
Die zweite wichtige Entscheidung ist die Wahl der Klasse. Die zwölf Klassen stellen sehr unterschiedliche Spielstile dar. Jede Klasse hat zudem noch mehrere Unterklassen, aus denen man entweder bereits zu Beginn oder ab einem bestimmten Level eine Spezialisierung auswählt. Die Wahl der Klasse bestimmt aber nicht nur die Fähigkeiten unseres Helden. Genau wie die Wahl der Rasse hat auch die Klasse Auswirkungen auf die im Spiel zur Verfügung stehenden Dialogoptionen und die Reaktionen der NPCs auf den Helden. Ein Drow-Charakter muss mit anderen Reaktionen auf seine Anwesenheit rechnen als ein Mensch. Barden haben als geborene Entertainer in Gesprächen ganz andere Möglichkeiten als ein plumper Barbar.
Die Reaktion der Spielwelt auf unseren Helden wird zusätzlich durch den Hintergrund der Figur erweitert. Auch hier stehen uns zwölf Optionen zur Auswahl. Ob wir eine Vergangenheit als Entertainer, Soldat oder Adliger haben, eröffnet zusätzliche Dialogoptionen und gibt uns Boni in einigen Fähigkeiten. So ist ein Straßenkind bewandert in Fingerfertigkeit und Heimlichkeit, während ein Weiser mit Wissen in Arkaner Kunde und Geschichte glänzen kann. Diese Talente sind wichtig für die sogenannten Skillchecks in Dialogen und andere Aktionen wie dem Knacken von Schlössern. Wer gut in Auftreten oder Überzeugung ist, hat bessere Chancen, bei entsprechenden Dialogoptionen die für den Erfolg nötigen Werte zu würfeln. Allein durch die unzähligen Kombinationsmöglichkeiten aus Rasse, Klasse und Hintergrund ergeben sich für Spieler ganz unterschiedliche Abenteuer.
Quelle: PC Games
Die rundenbasierten Kämpfe erlauben eine enorme taktische Vielfalt.
Befriedigung des Sieges
Die Kämpfe laufen in Baldur's Gate 3 rundenbasiert ab. Sie entsprechen damit also der Pen&Paper-Vorlage und bieten taktische Tiefe. Bei Kampfstart würfeln alle Beteiligte zunächst ihre Initiative aus, die bestimmt, in welcher Reihenfolge jede Figur zum Zuge kommt. Sobald wir mit einem unserer Charaktere an der Reihe sind, stehen uns verschiedene Optionen offen. Wir können uns bewegen, die Reichweite wird von der Bewegungsrate des Charakters beeinflusst. Weiterhin stehen uns gewöhnlich eine Hauptaktion und eine Bonusaktion zur Verfügung. Die Fähigkeiten jeder Klasse fallen in eine der beiden Kategorien. Zu Bonusaktionen gehören neben speziellen Skills unter anderem Vorgänge wie die Nutzung eines Trankes oder das Springen.
Unsere Aufgabe ist es, die zur Verfügung stehenden Aktionen sinnvoll einzusetzen. Basierend auf der Zusammenstellung unserer Gruppe, den Gegnern und Faktoren wie dem Aufbau der Umgebung sind die Auseinandersetzungen stets spannend. Wie in einem Puzzle tüfteln wir in jedem Kampf eine funktionierende Taktik aus. Dabei gibt es keinen optimalen Weg zum Sieg. Genau wie bei der Story kommt in den Kämpfen jeder Spieler zu seinen ganz individuellen Lösungen. Hier wird zudem die Kreativität des Spielers gefordert, da die taktischen Möglichkeiten weit über das einfache Abfeuern der jeweiligen Klassen-Fähigkeiten hinausgehen. Herumliegende Gegenstände können als Wurfgeschosse genutzt werden, wenn ein Feind in der Nähe eines Abgrunds steht, dürfen wir versuchen, ihn hinunterzuschubsen.
