Baldur's Gate 3: Dieses Spiel ist der Wahnsinn - Eindrücke von Anspielevent bei Larian
Special
Wir haben die Entwickler von Larian Studios in Belgien besucht und kurz vor Test einen letzten Blick auf Baldur's Gate 3 geworfen. Was ein Wahnsinnsspiel!
Das Spiel ist ein unfassbar interaktiver und reaktiver Sandkasten, wo man gefühlt alle paar Minuten mit seinen Aktionen eine Permutation der Handlung und Spielwelt auslöst. Es fällt mir schwer, das richtig in Worte zu fassen, um die Tragweite dessen adäquat herüberzubringen. Ich habe den Eindruck, dass hier das erste Mal die gerne genutzte Marketing-Floskel, dass kein Playthrough wie der andere ist, wirklich wahr werden kann. Swen meinte zu mir entsprechend auch, dass sie zwar mal ausgerechnet haben, auf wie viele unterschiedliche Weisen die Story ablaufen und enden kann, sie diese Zahl aber bewusst nicht im Marketing verwenden, weil sie viel zu irre sei und ihnen das ohnehin keiner glauben würde. Und das von jemandem, der gerade erst die Spieler mit seiner Aussage von mehr als 170 Stunden Cinematics im Spiel geschockt hat. Diese hohe Zahl ist aber auch eben jener Vielfältigkeit geschuldet. Eine Begegnung mit bestimmten Charakteren ändert sich zum Beispiel je nachdem, welche Gefährten ich in der Gruppe habe und auch anhand eventueller zurückliegender Entscheidungen, die das Leben des betreffenden Charakters vielleicht beeinflusst haben. Das alles muss natürlich entsprechend in differenzierten Cinematics widergespiegelt werden.
Nachdem ich mehrere Stunden auch selbst spielen konnte und mich mit den anwesenden Kollegen unterhielt, wurde auch sehr gut deutlich, wie sich das auf die Erlebnisse jedes einzelnen auswirkte. Schon im kurzen Zeitraum unserer Anspielsession hatten die meisten von uns sehr unterschiedliche Abenteuer erlebt. Dabei hängt es nicht nur von Entscheidungen in Dialogen ab, ob sich andere Ereignisse ergeben oder nicht. Auch die Interaktion mit der Spielwelt besteht unterbewusst immer wieder aus Momenten, die den weiteren Verlauf des Abenteuers beeinflussen. Dafür sorgt allein schon die Gestaltung der Spielwelt, die vollgestopft ist mit Interaktionsmöglichkeiten und Dingen zum Entdecken.
Quelle: Larian Studios
Baldur's Gate 3 in der Vorschau. (7)
Swen Vincke spricht dabei unter anderem auch von der Philosophie, dass Geheimnisse hinter Geheimnissen, hinter Geheimnissen, hinter Geheimnissen versteckt sein können. Ob man diese findet und wie viel davon, hängt von der Vorstellungskraft des Spielers, seinem Entdeckerdrang und auch den Fähigkeiten seiner Charaktere ab. Hat man nicht genügend Wahrnehmung, findet man vielleicht nie eine abgelegene Höhle, in der ein anderer Spieler ein episches Abenteuer erlebt. Für Spieler wie mich, die in Spielen immer alles entdecken bzw. nichts auslassen wollen und große Angst haben, etwas zu verpassen, wird Baldur's Gate 3 vermutlich eine echte Herausforderung. Es ist für mich nicht schwer vorzustellen, dass ich in dem Spiel wahrscheinlich auch im zehnten Durchlauf noch immer neue Dinge entdecken werde. Und irgendwie freue ich mich auch darauf.
Dunkle Gelüste
Neue Dinge zu entdecken, die über die Inhalte des Early Access hinausgehen, war natürlich auch im Rahmen des Events möglich. Das ging schon bei der Charakterauswahl los. In der fertigen Version von Baldur's Gate 3 stehe ich vor der Wahl, ob ich mit einem selbst erstellten Charakter, oder mit einem der Origin-Charaktere in das Abenteuer ziehen will. Letztere haben natürlich den Vorteil, dass man ihre Handlungsstränge aus ihren Augen erlebt, was man sonst nur als Beobachter mitbekommt, wenn die Charaktere in der Gruppe sind. Zu diesen Charakteren gehören die sechs bereits bekannten Figuren wie Shadowheart, Astarion, Lae'zel und die erst kürzlich vorgestellte Karlach. Es gibt aber auch noch einen siebten Origin-Charakter, der etwas ganz Besonderes ist und ein großes Problem behebt, das ich immer mit Divinity: Original Sin 2 hatte.
Wenn man sich nämlich für einen Custom-Charakter entscheidet, weil man selbst in der Hand haben will, was für eine Figur man spielt, muss man damit leben, dass man einen Protagonisten ohne eigene Geschichte spielt. Das ist bei BG3 auch wieder so. Aber da kommt der Dark Urge ins Spiel. Dabei handelt es sich um einen Origin-Charakter mit einer sehr spannenden eigenen Geschichte, die nach Aussagen der Entwickler auch sehr stark mit den alten Baldur's-Gate-Spielen verknüpft sein soll. Das Besondere an dem Charakter ist aber, dass er vollständig individualisierbar ist. Genau wie bei einem normalen Custom-Charakter kann ich hier Geschlecht, Rasse, Klasse, Name und Aussehen ganz nach meinem Geschmack gestalten.
Die Story von Dark Urge ist allerdings nichts für zarte Gemüter. Es handelt sich bei der Figur um einen ehemaligen Massenmörder, der an Amnesie leidet und sich nicht an sein früheres brutales Leben erinnern kann. Immer wieder scheint durch unterbewusste Handlungen oder eigenartige Reaktionen auf bestimmte Situationen sein ehemaliges Leben durch. Ich selbst habe genau diesen Charakter auch während meiner Anspielsession ausprobiert. Ich will nicht zu viel spoilern, aber nach meinen Erlebnissen mit einigen Story-Momenten, die zu seiner Hintergrundgeschichte gehören, habe ich den Entwicklern vorgeschlagen, dass es vielleicht besser sei, bei der Charakterauswahl eine Warnung anzubringen, dass es in der Geschichte dieses Charakters unfassbar düster zugeht. Mit seiner Story ist der Dark Urge für mich aber ziemlich faszinierend, weil er vielfältige Möglichkeiten bietet, wie man ihn spielen kann. Ich habe mir zum Beispiel bereits ausgemalt, wie ich ihn als einen Charakter spielen würde, der von seinen vergangenen Taten angewidert ist und versucht, seine Sünden reinzuwaschen. Die Implementierung dieses Charakters ist für mich auf jeden Fall eine der besten Überraschungen unter den Neuerungen, die ich hier erstmals zu sehen bekam.
