Avatar Frontiers of Pandora im Test: Das Gamedesign macht blau

Test Christian Fussy
Avatar Frontiers of Pandora im Test: Das Gamedesign macht blau
Quelle: Ubisoft

Da baut Ubisoft eine tolle Open World voller Details - & das Ergebnis ist trotzdem eine Enttäuschung. Warum, steht im Test zu Avatar Frontiers of Pandora.

Die Welt auf dem Einkaufszettel

Statt eine fremde Welt mit endlosen Möglichkeiten für kleine Abenteuer ist Pandora ein spielgewordenes Hausaufgabenheft. Einen großen Teil der Spielzeit verbringen wir nur damit, von A nach B zu rennen, ohne wirklich etwas zu erleben.

Es gibt keine besonderen Events wie etwa in den Spielen von Rockstar Games, wo wir in der Pampa auf allerlei witzige Ereignisse und Charaktere stoßen können. Stattdessen treffen wir auf Gruppen von namenlosen Na'Vi, die einige Standard-Sätze parat haben. Oder auf Patrouillen der RDA, die aus den immer gleichen zwei-drei Einheitentypen bestehen.

Abseits davon gibt es verschiedene Einrichtungen wie Bohrtürme oder andere Quellen der Verschmutzung, die wir zerstören können, sowie Forschungsstationen, die mit Strom versorgt werden müssen und dann als Schnellreisepunkte herhalten.

Ein großer Spielplatz oder Sandkasten wie die Welten in Just Cause, Saints Row, GTA oder Yakuza ist Frontiers of Pandora also nicht. Aber auch die Missionen, seien es Story-Quests oder Nebenaufgaben, strotzen nicht wirklich vor Abenteuer. Vor allem zu Spielbeginn, wenn wir nur zu Fuß unterwegs sind, reiht sich eine Fetchquest an die nächste.

Das Sammeln von irgendwelchem Krempel ist DAS zentrale Spielelement. Später erhalten wir einen Ikran, also eine Art Flugsaurier, mit dem wir schneller sind und fast alle Orte erreichen können.

Es gibt viele unterschiedliche Pflanzen auf Pandora, die alle auf eine bestimmte Weise geerntet werden müssen. Das tun wir, indem wir die Maus oder den Stick des Controllers in eine bestimmte Richtung bewegen. Liegen wir falsch, vermindert das die Qualität der Ernte.

Diese wird zusätzlich von den Wetter- und Lichtverhältnissen beeinflusst und vom Gebiet, in dem die Pflanze wächst. So wachsen die meisten Pflanzenarten ohnehin nur in passenden Biomen, seltenere Exemplare der gleichen Spezies finden sich hingegen dann nur in ganz bestimmten Regionen.

Avatar: Frontiers of Pandora Quelle: PC Games Fragt ein Questgeber nach einer Pflanze einer gewissen Seltenheitsstufe, muss unsere Ernte auch genau diese erreichen. Das bedeutet, dass wir häufig an ein komplett anderes Ende der Karte latschen müssen, um Pflanzen mit exakt dieser Seltenheitsstufe zu finden.

Frustrierend wird es, wenn bestimmte Gewächse beispielsweise nur im Regen blühen, wir aber gerade strahlenden Sonnenschein haben. Die Tageszeit kann nämlich nur an Lagerfeuern geändert werden und auf das Wetter haben wir keinen Einfluss. Es kann also sein, dass wir manchmal einfach Pech haben und eine Quest vorerst nicht abschließen können.

Weitere Rohstoffe erhalten wir durch das Jagen von Wildtieren. Auch hier können wir nicht einfach den Bogen zücken, eine Kreatur erlegen und ausnehmen. Die Seltenheit der einzelnen Ressourcen, z.B. Fleisch, Zähne, Haut und Knochen hängt wie bei den Pflanzen vom jeweiligen Gebiet ab.

Außerdem müssen Tiere an bestimmten Stellen getroffen werden, um einen sauberen Abschuss zu gewährleisten. Schafft man das nicht, bedeutet das bei manchen Tierarten, dass der Kadaver zerstört wird und nicht gelootet werden kann.

Avatar: Frontiers of Pandora Quelle: Ubisoft Dennoch ist unser Inventar relativ schnell voll mit sämtlichen Rohstoffen. Aus Früchten, Fleisch, Pilzen, Gemüse und so weiter können wir Mahlzeiten herstellen, die uns für einige Minuten verschiedene Buffs geben. Außerdem füllen sie unsere Energieleiste wieder auf. Ohne Energie regenerieren sich unsere Lebenspunkte nicht von selbst, was im Kampf so richtig hundig ist.

Da wir nur über begrenzte Heilungsmöglichkeiten verfügen, sollten wir also immer zusehen, volle Energie zu haben. Leider verbraucht so ziemlich jede Aktion im Spiel Energie. Sei es Schwimmen, Rennen oder die Schnellreisefunktion. Wir müssen also zwischendurch Lager aufsuchen und Nahrung auf Vorrat herstellen.

Außerdem brauchen wir Ressourcen wie Häute, Moos und Baumrinde, um neue Ausrüstung zu craften oder zu modifizieren. Als Questbelohnung erhalten wir manchmal eine Vorlage für Rüstungen und Waffen, die wir dann erst selbst zusammenbauen müssen. Wir können diese auch bei Händlern kaufen, das kostet uns aber bei den Menschen kleine gelbe Währung und bei den Na'Vi Clan-Gunst, die wir steigern, indem wir Nebenquests für einen bestimmten Clan erledigen.

Wie stark eine gecraftete Waffe oder Rüstung dann ist, hängt vom Typ der Rüstung, aber auch wieder von der Seltenheit der verwendeten Materialien ab. Crafting ist also elementar, um in den Kämpfen gegen die RDA nicht vollkommen aufgeschmissen zu sein. Leider ist das Sammeln von Pflanzen und Jagen von Tieren aber schon von Beginn an nicht besonders spannend und auf Dauer sogar richtig nervig.

Wo wir welches Gewächs finden können, schlagen wir im spielinternen Jagdbuch nach. Die Informationen dort weisen uns darauf hin, welche Beschaffenheit das Gebiet haben soll und in welchem größeren Bereich die Pflanzen- oder Tierart vorkommt. Daraus können wir uns dann zusammenreimen, in welchem Teil der Karte wir wahrscheinlich auf die gewünschte Ressource stoßen können.

In Red Dead Redemption 2 können wir ebenfalls Pflanzen einsammeln und Tiere jagen, das geschieht aber meistens eh nebenbei irgendwie und ist am Ende einfach eine weitere Spielmechanik, mit der wir Zeit verdödeln und ein paar Kröten verdienen können, wenn wir möchten.

Auch dort müssen wir für die beste Qualität ein paar besondere Voraussetzungen erfüllen, als Belohnung gibt es aber auch besondere Klamotten, wie einen Biberhut oder Lendenwärmer aus Bisonfell. Der springende Punkt ist aber, dass wir das System über weite Strecken auch ignorieren oder wirklich nur das mindeste an Zeit investieren können.

In Avatar hingegen sind wir gezwungen, das Crafting-System zu nutzen. Es ist so ziemlich die einzige Art und Weise, wie wir mit der Flora und Fauna Pandoras interagieren. Es gibt noch besondere Pflanzen, die unsere Fähigkeiten verbessern oder uns einen kleinen Prozentsatz mehr Leben verleihen, die restlichen Gewächse und tierischen Bewohner des Mondes sind aber lediglich dazu da, unseren Kräuterbeutel zu füllen.

Und ich dachte, den Planeten für seine Rohstoffe auszubeuten sei schlecht. Nachdem wir irgendeine Kreatur gemeuchelt haben, sagt unsere Spielfigur dem Kadaver aber immerhin schön danke. Moralisch scheinen wir dadurch abgesichert zu sein.

Zwischen den Missionen jagen wir also schön fleißig über die Landkarte, um irgendwelche Rohstoffe anzuhäufen. Doch auch die Quests bestehen häufig daraus, Kram zu sammeln und irgendetwas daraus herzustellen.

Wäre die Sammelei irgendwie cooler, optional oder mit einer starken Storyline verknüpft, würde mir das Ganze wahrscheinlich gar nicht so sehr auf den Zeiger gehen. Ist sie aber nicht und geht sie mir. Die Ressourcenbeschaffung fühlt sich an, wie wenn man nach der Arbeit noch schnell bei einem Laden anhält, um eine ganz bestimmte Besorgung zu machen, das Geschäft aber noch nicht kennt und erst einmal minutenlang hilflos von einem Regal zum nächsten rennt.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk