Atomic Heart: Trapped in Limbo - Der beste Story-Shooter 2023 ist endgültig durchgedreht
Special
Aus dem düsteren Sowjet-Bioshock wird ein ... quietschbuntes Jump & Run?! Atomic-Heart-Tester Stefan hat den neuen DLC durchgespielt und erklärt, was der Frontalangriff auf die Sinne alles auf dem Kasten hat.
Auch das ist aber kein riesiges Problem, weil es das Spiel mit seinen Kursbegrenzungen nicht allzu genau nimmt und ich über schwierige Passagen teils auch einfach hinwegsegeln konnte. Durch sammelbare Äpfel und Goldmünzen wird, in bester Jump&Run-Tradition, der vorgesehene Kurs angezeigt.
Während sich mit den Goldmünzen süße Waffenskins für das Hauptspiel freischalten lassen, empfand ich die Äpfel allerdings als wenig nützlich. Damit werden ausschließlich Waffen- und Charakterupgrades gekauft, die bei der geringen Kampfdichte im DLC eher fehl am Platz wirken.
Gans schön anders
Kommt es doch mal zum Gefecht, laufen die meist in abgetrennten Bereichen zwischen den Parcours ab und sind genauso chaotisch, wie man es von Atomic Heart gewohnt ist. Mal müssen Lebkuchen-Roboter auf einen Bossgegner geschleudert werden, mal gilt es, eine Zone einzunehmen, während Heerscharen von Feinden anrücken.
Quelle: Mundfish
Daneben sind zwei der fünf DLC-Levels auch nach dem klassischen Jump&Run-Schema aufgebaut und verlangen geschicktes Navigieren mit Netschajews dezent hüftsteifen Bewegungen - alles wie gehabt also.
Völlig aus der Reihe tanzt dafür der Abschnitt mit der Gans, die bereits in Annihilation Instinct "eingeführt" wurde. Mit "eingeführt" meine ich: Sie ist während des DLCs immer wieder ohne Erklärung aufgetaucht, hat mich über den Haufen gerannt und dabei mit charmant vertonten Beleidigungen um sich geworfen. Was das sollte? Das erfahre ich auch bei Trapped in Limbo nicht.
Dafür darf ich sie einen Abschnitt lang steuern, während sie Netschajew durch einen irren Hindernisparcours jagt. Das Gameplay hier erinnert am ehesten an Temple Run oder Subway Surfers, und obwohl die Szene einen Ticken länger dauert, als sie Spaß macht, setzt sie dem bescheuerten Erlebnis gelungen die Krone auf.
Quelle: Mundfish
Optisch bleibt Atomic Heart auch im kunterbunten DLC stilsicher und durch die tolle Materialqualität und die schrägen Designs echtes Eye-Candy (pun intended). Musikalisch gibt's den gewohnten Mix aus Synthwave, russischem Pop und brutalem Gekloppe, der Bedürfnisse befriedigt, von denen ich vor Atomic Heart nicht einmal wusste, dass ich sie habe.
Statt Antworten gibt's noch mehr Fragen
Obwohl es genau dieses Zusammenwerfen wilder Ideen, dieser schwindelerregende Wechsel zwischen ernst und albern, diese Nonkonformität sind, die mir an Atomic Heart so gut gefallen, hätten die Entwickler einen Aspekt bei Trapped in Limbo ruhig etwas konservativer gestalten dürfen: die Story.
Zwar erfahre ich neue Details über Netschajew, seine Beziehung zu Agentin Blesna und die beiden größenwahnsinnigen Wissenschaftler im Zentrum der Geschichte, aber vermittelt werden die auf eine bizarre Weise, die es kaum möglich macht, durchzublicken.
Netschajew und Blesna führen wirre Gespräche miteinander, während ich gerade versuche, nicht von der Surf-Bahn zu schlittern und Dialoge werden mittendrin beendet und später zusammenhangslos auf Terminals fortgesetzt. Da wollte Entwickler Mundfish offenbar, dass die Community die Puzzlesteine selbst zusammensetzt.
Beim Spielen fühlt es sich aber eher an, als wäre das bisschen an neuer Story auf den letzten Drücker in den DLC gekippt worden. Wie Annihilation Instinct entlässt mich auch Trapped in Limbo mit einem fiesen Cliffhanger-Ende, das sich diesmal noch unbefriedigender anfühlt.
Da der nächste DLC vermutlich erstmal die Geschichte von Annihilation Instinct fortsetzt, geht es erst in der vierten und letzten Erweiterung mit dem Ende weiter, das sich die meisten Spieler in der Hauptstory ausgesucht haben. Antworten gibt es erstmal keine - und wenn man in Betracht zieht, dass die Story mit den DLCs noch verworrener wurde, als sie es ohnehin schon war, bin ich skeptisch, ob sie jemals kommen. Aber eins ist klar: Ich kann es nicht erwarten, was für ein bizarres Erlebnis Mundfish als nächstes aus dem Hut zaubert.
