Atomic Heart: Wie viel Bioshock steckt wirklich im Sowjet-Shooter?

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Atomic Heart: Wie viel Bioshock steckt wirklich im Sowjet-Shooter?
Quelle: Quelle: Mundfish/2K | Collage: PC Games

BioShock in Russland: Diesen Titel bekam Atomic Heart schon vor Release verliehen. Aber wird der Shooter ihm auch gerecht? Wir klären's im Vergleich!

In Atomic Heart gibt es kaum irgendwelche Spannungen. Der Feind ist ein Haufen wild gewordener Blechbüchsen, keine halsabschneiderische Oberschicht. Die Entwickler kratzen zwar gelegentlich ein paar tiefgründige Themen an. Wenn die Bevölkerung zu einem neuronalen Netzwerk namens Kollektiv 2.0 zusammengeschlossen werden soll, in dem der kommunistische Traum der Gleichheit aller Sowjetbürger in Erfüllung geht, hinterfragt unser Held das schon mal: Wie gleich können Menschen wirklich sein? Muss es nicht immer einen Anführer geben, der die Richtung vorgibt? Intensiv setzt man sich aber nicht mit möglichen Problemen des Sozialismus auseinander. Das war wohl eine bewusste Entscheidung der Entwickler, die schon im Vorfeld klar gesagt haben, einen neutralen Standpunkt einnehmen und weder zu Politik noch Religion einen kritischen Kommentar abgeben zu wollen. Dieser etwas "zahme" Ansatz fühlt sich aber trotzdem wie eine verschenkte Chance an.

Irrational's Immersion

Entsprechend gibt es auch erzählerische Unterschiede. Hier arbeiten Atomic Heart und BioShock im Grunde ähnlich: Die Handlung wird durch Cutscenes vorangetrieben.

Zwischendurch findet ihr ein paar Audiologs und Texte, die euch ein wenig mehr über die Spielwelt erzählen. Ihr habt auch einen sprechenden Begleiter dabei - diesmal eben einen Handschuh, keinen Atlas, der sich über Funk als netter Kerl ausgibt, um euch später in den Rücken zu fallen. Was natürlich nicht bedeutet, dass es in Atomic Heart keinen hirnzermarternden Plot Twist gäbe. Das neue Rapture liegt in Russland: Wie viel BioShock steckt in Atomic Heart? (5) Quelle: Mundfish Das neue Rapture liegt in Russland: Wie viel BioShock steckt in Atomic Heart? (5)

Trotzdem erreicht der Shooter von Mundfish nie dieselbe Immersion wie sein großes Vorbild. Das liegt zum einen an der Inszenierung. Rapture und Columbia legen enormen Wert darauf, Zwischensequenzen flüssig ins Gameplay übergehen zu lassen, sodass ihr nie aus dem Spielfluss gerissen werdet. Atomic Heart zeigt euch dagegen auch mal den Helden aus der Third-Person-Perspektive.

Das neue Rapture liegt in Russland: Wie viel BioShock steckt in Atomic Heart? (4) Quelle: Mundfish Das neue Rapture liegt in Russland: Wie viel BioShock steckt in Atomic Heart? (4) Noch größer sind die Unterschiede beim Environmental Storytelling. BioShock schafft es, allein mit seinen Umgebungen eigene Geschichten zu erzählen. Wer die verschiedenen Abschnitte der Welt aufmerksam erkundet, findet Informationen über Charaktere oder vergangene Ereignisse.

Das schlägt das simple Lesen eines stinklangweiligen Kodex-Eintrags, der euch diese Details einfach auf dem Silbertablett serviert, natürlich um Längen. Es regt die Neugierde, die Lust zum Erkunden an und zieht euch nochmal tiefer in das virtuelle Universum hinein.

In BioShock können das etwa verunstaltete Propaganda-Plakate in einer verlassenen Seitengasse sein, blutige Nachrichten, die ein Splicer vor seinem Tod auf den Boden gekritzelt hat, oder sogar der Unterschied zwischen Columbias Toiletten für Weiße und denen für seine farbigen Bewohner.

Öde Open World

Diese Details lässt Forschungseinrichtung 3826, der Schauplatz von Atomic Heart, vielerorts vermissen. Durch die deutlich weitläufigere Levelarchitektur - zeitweise seid ihr ja sogar in Open-World-Abschnitten unterwegs - war eine dermaßen gut geplante Platzierung von Lore-Brotkrumen und Story-Häppchen einfach nicht möglich. Mehr als ein paar verlassene Nachrichten-Terminals und wild verunstaltete Leichen waren meist nicht drin.

Das Ärgerlichste an der ganzen Sache: Trotz Open-World-Ansatz und größtmöglicher Freiheit bleibt Atomic Heart größtenteils linear. Moralische Entscheidungen sucht man vergebens - anders als in BioShock, wo ihr euch dazu entscheiden könnt, Little Sisters für ihr schmackhaftes Adam zu opfern, was euch deutlich mehr Power, aber eben auch ein düsteres Alternativ-Ende beschert.

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