Atomfall im Test: Das Stalker für alle, denen Stalker zu anstrengend ist - oder zu kaputt!
Test
Kann ein Spielename noch generischer sein? Wohl kaum. Aber die Fassade trügt: Atomfall zieht mit innovativem Quest- und Story-Design los, um Endzeit-Fans solide zu unterhalten. Und zwar in angenehm kompakter Größe!
Die Gegner sind im empfohlenen Schwierigkeitsgrad mit solchen Adleraugen gesegnet, dass ich mir das Schleichen komplett abschminken konnte, allzu viel Spaß hätte das wegen der kaum vorhandenen Stealth-Features aber ohnehin nicht gemacht. Von der Sniper-Elite-Expertise der Entwickler ist beim Schleichen in Atomfall jedenfalls nix zu spüren.
Dafür stehen die Bösen im offenen Kampf gerne auch mal doof in der Gegend rum, bis wir ihnen den wohlverdienten Volltreffer verpassen, und sie laufen meistens brav im Gänsemarsch in unsere Schusslinie. Trotzdem besitzt der Shooter-Part eine Prise Anspruch, denn sowohl ihre Köpfe als auch unsere Waffen wackeln ganz schön, aber wie in einem Resident Evil fühlt es sich dadurch auch immer wieder gut an, wenn sich Fadenkreuz und Gegnerrübe dann doch endlich mal näherkommen.
Weil man bei Treffern sehr schnell ins Gras beißt und es keine Rüstungen gibt, sind wir außerdem ständig auf der Jagd nach Items, die uns noch mehr Vorteile verschaffen, etwa Sprengsätze oder Tinkturen gegen Schaden und Statuseffekte. Die Spielwelt bietet reichlich Gelegenheit, den Charakter zu verbessern, sei es durch Schätze, Tauschhändler mit wertvollen Items oder Skill-Bücher, die den kleinen Fertigkeitsbildschirm erweitern.
Der wurde bei mir bis zum Schluss nicht voll und bedient irgendwann jeden möglichen Spielstil, allerdings findet sich dort auch einiges an Mist, den sich Atomfall teuer bezahlen lässt. Liebe Entwickler, wenn ihr schon meine Zeit verschwendet, indem ihr mich für jede Interaktion mehrere Sekunden lang einen Knopf drücken lasst, dann steht doch wenigstens dazu und baut nicht auch noch Skills ein, die das beschleunigen.
Das wirkt dann nämlich, als müsste ich einen Fehler beheben, den ihr im Designprozess gemacht habt. Ich weiß, es soll für eine gewisse Dringlichkeit sorgen, wenn ich im Kampf einen Gegner looten oder etwas craften will und das weder schnell geht noch das Spiel pausiert.
Aber Atomfall ist auch kein The Last of Us, wo das auf höheren Schwierigkeitsgraden überhaupt während eines Gefechts nötig wäre. Das hier ist ein Spiel, in dem Feinde immer wieder einfach stehenbleiben und auf ihren Tod warten.
Für knallhartes Survival-Gameplay ist Atomfall also nicht gemacht, es bringt mit seinem knappen Inventar und dem Fokus aufs Crafting nur einen Hauch davon in einen ansonsten sehr simplen Shooter. Es gibt eine Handvoll Waffen, ein paar Gegnertypen und wenige, übersichtliche Systeme, die im Hintergrund werkeln.
Licht im Schatten von Tschernobyl
Ein Stalker "Light" quasi, und dazu noch eines, das um Lichtjahre polierter und bugfreier daherkommt als sein großes Vorbild. Weil Rebellion auf seine hauseigene Engine setzt und grafisch kleine Brötchen backt, sollte das Spiel außerdem tadellos auf jeder Gurke laufen - heutzutage hat so etwas Seltenheitswert und damit besonderes Lob verdient.
Da will ich mich dann auch gar nicht weiter über die altbackene Inszenierung beschweren, dieses Spiel glänzt sowieso eher zwischen den Dialogzeilen. Und apropos Dialogzeilen: Um die verschiedenen Enden zu erreichen gilt es, während des Durchgangs immer wieder kleine Entscheidungen zu treffen, im Vergleich zu einem Fallout ist das allerdings nicht mit dem Charakterfortschritt verknüpft.
Mit einem Rollenspiel hat Atomfall nix zu tun. Trotzdem ist es möglich, sich auf eine von vielen Seiten zu schlagen und der Spielwelt so ein Stück weit seinen Stempel aufzudrücken. Dabei noch ein spannendes Detail: Atomfall erlaubt es uns tatsächlich, jeden einzelnen NPC zu erledigen, egal, wie wichtig er ist. Es existiert nämlich ein Pfad zum Ende, der ganz ohne Mitmenschen funktioniert. Zumindest ohne lebendige!
Zuflucht vor den Umfangsmonstern
Atomfall ist ein netter Postapokalypse-Happen, der sich problemlos an einem Wochenende beenden lässt, dabei mit seiner Erzählstruktur und der Charakterprogression ordentlich unterhält und jede Menge Geheimnisse für alle bereithält, die gerne kompakte Welten abgrasen.
Bodenständige Hausmannskost, hier und da mit einem innovativen Touch, aber nicht so kompliziert und fordernd, als dass es abschreckend wäre. Und wenn ihr viel spielt, vor allem Aktuelles und Aufwändiges, dann wisst ihr vermutlich genauso gut wie ich, dass sowas ab und zu genau das Richtige ist.
Atomfall erscheint in seiner regulären Edition am 27. März 2025 für PC, PS5, PS4, Xbox One und Xbox Series. Bezahlt ihr einen Aufpreis von 20 Euro, dürft ihr bereits am 24. März im Advanced Access starten, darin enthalten ist außerdem eine Story-Erweiterung, die irgendwann erscheinen soll. Auf PC und Xbox ist das Spiel im Game Pass enthalten. Auf dem Steam Deck besitzt Atomfall das grüne Verifizierungssiegel von Valve. Transparenzhinweis: Für diesen Test wurde uns das Spiel durch Rebellion/Marchsreiter zur Verfügung gestellt.
