Atomfall im Test: Das Stalker für alle, denen Stalker zu anstrengend ist - oder zu kaputt!

Test Stefan Wilhelm
Atomfall im Test: Das Stalker für alle, denen Stalker zu anstrengend ist - oder zu kaputt!
Quelle: Rebellion

Kann ein Spielename noch generischer sein? Wohl kaum. Aber die Fassade trügt: Atomfall zieht mit innovativem Quest- und Story-Design los, um Endzeit-Fans solide zu unterhalten. Und zwar in angenehm kompakter Größe!

Geheimnisse, die im Geheimen spannender waren

Die Erzählung an sich, wenn man von der frischen Struktur mal absieht, gewinnt aber leider keine Preise für Originalität. Wer schon mal ein Stalker, Fallout oder Metro gespielt hat, der wird sehr schnell wissen, was in Windscale abläuft, egal, wie mysteriös das Ganze präsentiert wird. Zumindest meine Vermutungen haben sich schnell bestätigt und das lahme Finale, das ich bekommen habe, hatte auch keine Überraschungen mehr in petto.

Immerhin: Es gibt offenbar sechs verschiedene Enden, je nachdem, mit welchen NPCs wir zusammenarbeiten. Wenn mein Ende ein Maßstab für den Rest ist, dann mündet aber letztlich alles in faden Standbildsequenzen, die einen recht unbefriedigend aus dem Spiel entlassen.

Ein New Game+ gibt's auch nicht, obwohl ich bei dem Setting durchaus das Potenzial gesehen hätte, eine Zeitschleifen-Story Marke Deathloop zu erzählen oder die mysteriöse Erzählweise noch in anderer Form zu verarbeiten. So bleibt Atomfall am Schluss eine unspektakuläre Postapokalypse-Story, die nur mit ihrer fragmentierten Struktur heraussticht.

Bodenständig und unaufgeregt ist auch das Setting. Vor allem landschaftlich gefallen die vier großen Gebiete, auch, wenn es keinen Tag-Nacht-Wechsel, kein Wetter und auch sonst keine dynamischen Elemente gibt. Es herrscht also immer sonnige Stimmung, wenn man überirdisch unterwegs ist, und abseits der markanteren Orte wartet die überall recht ähnlich anmutende britische Provinz.

Bild aus Atomfall Quelle: Rebellion

W.A.N.K.E.R.: Shadow of Windscale

Die Regionen sind aber auch voller atmosphärischer Bunker und darüber hinaus durch clevere Tunnels und Abkürzungen miteinander verknüpft. Da stellt sich nach ein paar Stunden das wohlige Gefühl ein, die Spielwelt wie seine Westentasche zu kennen, und wir dürfen uns immer wieder schlau fühlen, wenn wir kryptische Ortshinweise bekommen und durch unsere Erfahrung sofort wissen, was gemeint ist.

Ein solches Feeling kann sich überhaupt nur bei Open Worlds mit kleinerem Maßstab einstellen, und Atomfall ist für mich ein weiterer Beweis dafür, dass Spielwelten nicht besser werden, nur weil sie mehr Fläche einnehmen. Hier hat sich Entwickler Rebellion auf eine sinnvolle Größe beschränkt und damit alles richtig gemacht.

Die Aufmachung pendelt sich irgendwo zwischen Fallout-Kitsch und Stalker-Tristesse ein und ist weder sonderlich klischeehaft noch allzu düster. Klar, die NPCs sprechen alle very british und die ikonischen roten Telefonzellen stehen auch an jeder Ecke, aber wir sehen hier keine Wachen vom Buckingham Palace oder Bobby-Polizisten durch die Gegend staksen.

Einer der Retro-Roboter. Quelle: Rebellion Durch die rotzige Vertonung kommt trotzdem ordentlich Flair auf, das Spiel hat allerdings auch nur englische Sprecher mit deutschen Untertiteln im Angebot.

Im Gameplay-Kern wartet bei Atomfall, wie eingangs erwähnt, größtenteils die Stalker-Formel, aber deutlich seichter - auch wenn ein ganzes Sammelsurium an Optionen existiert, um sich das Spiel leichter oder schwerer zu machen.

Schleichen, Kämpfen, Ressourcensammeln, beinahe alles spielerisch Relevante in Atomfall lässt sich verstellen. Wem das größte Alleinstellungsmerkmal im Spiel, nämlich das Entschlüsseln von Hinweisen, auf die Nerven geht, der kann selbst das eindampfen. Hardcore-Shooter-Puristen dürfen auch einstellen, dass beim Nachladen die Kugeln verloren gehen, die noch im Magazin waren, wenn ein neues eingeschoben wird - nett!

Ich wollte eine Erfahrung im Sinne der Entwickler und habe deswegen den vorgeschlagenen, zweithöchsten Schwierigkeitsgrad gewählt, würde aber jedem empfehlen, sich zusätzlich noch unendlich langes Sprinten "einzuschalten". Mangels Schnellreise latscht man in Atomfall nämlich ganz ordentlich durch die malerische Pampa.

Zum Glück gibt's an jeder Ecke Loot einzusacken, Punkte für das Skillmenü und Crafting-Rezepte zu sammeln. All das unterstützt einen spartanisch-funktionalen Shooter-Kern, der nun beim besten Willen keine Bäume ausreißt, aber auch schnell nicht mehr stört. Anfangs schlagen wir uns nämlich vor allem mit hakeligen Einzelschusswaffen und trägem Nahkampf durch, der kaum Freude bereitet. Weil die meisten Feinde aber schon nach einem Kopfschuss umkippen, gestaltet sich alles deutlich angenehmer, sobald wir mal richtige Schießeisen finden.

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