Assassin's Creed Valhalla in der Vorschau: Letzter Wikinger-Check vor dem Test
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Es ist ein wenig bekannter historischer Fakt, dass die Wikinger in ihren Reihen Mitglieder einer uralten, geheimen Bruderschaft beschäftigten, die gegen eine verfeindete, ebenso geheime Organisation um goldene Äpfel kämpften, die Adam und Eva dereinst in Atlantis anfertigten - oder so ähnlich. Hier ist auf jeden Fall unsere finale Hands-on-Vorschau inklusive Video zu Assassin's Creed Valhalla vor dem Test!
Ich weiß noch, wie ich das erste Mal Assassin's Creed gespielt habe. Tatsächlich stieg ich mit dem ersten Teil ein, allerdings nicht zum Release, sondern erst einige Jahre später. Da schenkte mir meine Freundin den Erstling, Assassin's Creed 2, Brotherhood und Revelations zusammen zum Geburtstag. Nachdem mich das erste Abenteuer eher ernüchtert zurückließ, zog mich die direkte Fortsetzung sofort in ihren Bann und den folgenden Spielen gelang das ähnlich konsequent.
In diesem Artikel
Nur wenige Monate später, es war 2012, kaufte ich mir Assassin's Creed 3, spielte es, blieb ziemlich enttäuscht zurück und dachte mir "das ist nicht mehr das Assassin's Creed, das ich so zu schätzen gelernt habe".
Nun, viele Jahre und mindestens ebenso viele Assassin's-Creed-Spiele später, mag ich kaum noch glauben, dass ich damals schon die Abkehr der Serie von ihren Wurzeln bemäkelte. Die Open-World-Action-RPGs Origins und vor allem Odyssey hatten kaum noch etwas mit den ersten paar Titeln gemein. Allerdings mag ich beide wirklich sehr - habe ich mich geändert oder haben sich die Spiele inzwischen eine andere, hochwertige Identität angeeignet? Ich weiß es nicht sicher, mit Blick auf den großen Erfolg beider genannten Abenteuer scheinen die Entwickler auf jeden Fall etwas richtig zu machen.
The best of all worlds
Quelle: PC Games
Nach und nach baut man im Spiel seine Heimatgemeinde mittels Ressourcen immer weiter aus.
Nun kommt Valhalla, und nach allem, was geplant ist, scheint ihm die Gefahr zu drohen, wie dereinst Teil 3 in eine Identitätskrise zu schlittern: Die neu etablierten Elemente aus Origins und Odyssey soll es bieten, auch zahlreiche Features der alten Spiele, idealerweise frische Ideen mit sich bringen - ein wildes Sammelsurium, prädestiniert dafür, schlussendlich als Hans Dampf in allen Gassen niemanden zufriedenzustellen.
Nach meiner bereits zweiten Anspielsession mit Valhalla jedoch, in der ich mich diesmal satte acht Stunden als Wikinger in Nordengland verlustieren durfte, blieb ich erneut sehr gut unterhalten und positiv gestimmt zurück. Ich rücke zwar nicht ab von meiner Theorie, dass Assassin's Creed unter einer Identitätskrise leidet, wie ich auch vor einiger Zeit in meiner Kolumne erörtert habe. Entgegen jeder Logik funktioniert der wilde Mix aus Alt und Neu aber und das Gesamtkonstrukt fühlt sich schlüssig an.
Did you just assume my Wikinger?
Quelle: PC Games
Das Aussehen Eivors kann man durch Klamotten, Tatoos, die Frisur und andere Dinge anpassen und zusätzlich natürlich das Geschlecht bestimmen.
Dabei ging ich tatsächlich dreifach skeptisch an meine Anspielsession ran: Erstens, weil ich satte 195 Stunden in Odyssey versenkt und mich in den Gameplay-Loop und vor allem das Griechenland-Setting verliebt habe. Der Gedanke, hier jetzt mit neuer Figur auf einer anderen Map unterwegs zu sein, widerstrebte mir subjektiv. Zweitens wegen der gerade geäußerten Bedenken. Und drittens, da ich beim letzten Mal Spielen für meine erste Vorschau irritiert feststellte, dass Stealth im Vergleich zur Action einen deutlich geringeren Stellenwert einnahm.
Aber worum geht es eigentlich? Diesmal verschlägt es uns im Jahre 873 in Gestalt des Wikinger-Clanführers Eivor nach Nordengland. Ob Eivor weiblich oder männlich ist, entscheidet der Spieler. Tatsächlich kann das Geschlecht sogar jederzeit per Auswahl im Menü geändert werden
Erklärt wird das im Begleittext dadurch, dass in den Daten des Animus, der Maschine, mit der die genetischen Erinnerungen der Assassin's-Creed-Helden zum Leben erweckt werden, zwei Stränge gefunden wurden, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten stärker oder schwächer ausgeprägt sind. Wahlweise kann man auch das Spiel das Geschlecht entscheiden lassen, dann wechselt es offenbar immer wieder mal. Klingt bescheuert, aber das ist man von den Assassin's-Creed-Storys ja gewohnt!
Lebe lieber leise
Quelle: PC Games
Einige Stealth-Elemente aus den alten Serienteilen kehren zurück, etwa die Möglichkeit, zwischen anderen Menschen unterzutauchen.
Aus Norwegen kommend, mussten Eivor und ihre Mannen - der Einfachheit halber bleibe ich fortan bei der weiblichen Ansprache - fliehen und suchen nun in Nordengland nach Land für den Aufbau einer neuen Existenz. Tatsächlich wird sich auch in Norwegen ein spielbares Areal befinden, doch das dient primär als Tutorial. Dort werden wir die verschiedenen Spielmechaniken kennenlernen, die ersten Missionen bestreiten und das Kampfsystem ausprobieren. Hier beziehe ich mich aber auf Erläuterungen der Entwickler, selbst erforschen durfte ich den Norwegen-Abschnitt nicht. Stattdessen stand mir in der Demo das Gebiet Mercien zur Verfügung, nachdem ich das letzte Mal in Ostanglien auf Erkundungstour ging. Neben der gesamten Haupt-Questline dieses Bereiches, die einige Stunden nach dem Start des Spiels angesiedelt ist, absolvierte ich auch einen Großteil der Nebenmissionen und Minispiele.
Erfreut stellte ich fest, dass mein Eindruck aus der ersten Demo offenbar auf einen etwas ungeschickt ausgewählten Part des Abenteuers zurückzuführen war, beziehungsweise viele Elemente damals offenbar ganz bewusst noch nicht gezeigt wurden: Stealth ist nach wie vor ein wichtiger Faktor und fühlt sich befriedigend an. Während ich durch die Lande strich, ergaben sich in diversen Lagern und an anderen Stellen immer wieder Möglichkeiten, ungesehen murksend meine Aufgaben zu erfüllen. Auf Hausdächer und Gerüsten balancierend, versteckt im hohen Gras oder sonstwie verborgen, ging ich an Widersachern einfach vorbei oder erledigte sie lautlos mit meiner versteckten Assassinen-Klinge. Pfeifen, um Feinde herbeizulocken, geht natürlich auch, und mit Pfeil und Bogen sind die bösen Buben auch aus der Ferne ausgeschaltet, bevor sie um Hilfe rufen können.
1,5 Meter Abstand sind das nicht
Quelle: PC Games
Eivors Rabe dient dazu, die Gegend auszukundschaften und Objekte und Feinde zu markieren.
So weit, so bekannt, so schön, dass die actionreichen Schlachten nicht immer das Mittel zum Zweck sind. Noch spannender fand ich aber, dass ich endlich auch das Feature "Social Stealth" ausprobieren durfte. Angepriesen als große Neuerung, handelt es sich dabei in Wahrheit einfach um die Rückkehr von Elementen aus den ganz frühen Assassin's Creed-Teilen. Ist Eivor in Gemeinden voller NPCs unterwegs, in denen sich auch Wachen befinden, welche nicht gut auf sie zu sprechen sind, gibt es diverse Möglichkeiten, unauffällig zwischen den Leuten zu verschwinden. Dafür zieht sich Eivor einen Mantel über und wandert etwa inmitten einer Traube Menschen unbemerkt an Wachen vorbei, setzt sich auf eine Bank, damit Feinde aufhören, nach ihr zu suchen, oder tarnt sich als Schmied, der gedankenverloren an seinem Metallwerk arbeitet. Zusätzlich können wir Bettler an unsere Seite rufen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und uns Zeit geben, zu verschwinden.
So schön ich diese zusätzlichen Methoden finde, bin ich mir noch nicht sicher, wie sinnvoll sie im Kontext des Abenteuers wirklich sein werden. Eine Wanted-Anzeige wie in manchen frühen Serienteilen gibt es nicht und im Zweifelsfall ist der Kampf immer ein adäquates Mittel, um voranzukommen. Social Stealth muss also noch beweisen, dass es integraler Bestandteil der Spielerfahrung ist und nicht nur ein Goodie für diejenigen, die seit Jahren nach einem solchen System schreien.
You have my axe, and a hammer
Quelle: PC Games
Sind wir wirklich die Guten? Als Wikinger haben es Eivor und Co. vor allem auf feindliche Übernahmen abgesehen.
Faszinierenderweise sind die oft angepriesenen Raubzüge, also die passend zu unserer Wikinger-Natur feindlichen Übernahmen von Stellungen, tatsächlich optional. Wer will, nimmt diese Lager genauso gut still und heimlich aus. Oder aber man stößt ins Horn, worauf die Wikinger-Gesellen angestürmt kommen und man offensiv um die Vorherrschaft kämpft. In den besonders großen, meist Story-gebundenen Eroberungsschlachten hat man diese Wahl nicht, dafür geht es hier mit Rammbock, mehreren Arealen, die eingenommen werden müssen und generell einer fein actionreichen Inszenierung noch beeindruckender zu Werke.
Gekämpft wird ähnlich wie in den beiden Vorgängern: Mit den Schultertasten greift man an, jetzt allerdings kann man nicht nur ein- sondern sogar zweihändig und mit unterschiedlichen Waffen pro Hand oder auch mit einem Schild in die Schlachten ziehen. Dann nutzt man etwa ein Schwert oder eine kleine Axt für schnelle Attacken, während man mit dem Hammer in der anderen Hand langsame, aber dafür vernichtende Schläge verteilt.
Zusätzlich kehren auch die diversen Spezialattacken zurück, von denen man stets vier auf einmal ausrüsten kann, plus vier weitere für den Bogen. Dann wirft man etwa mit Äxten nach den Widersachern im direkten Umfeld, führt einen Sprungangriff aus oder greift kurzzeitig mit einer vergifteten Klinge an.
