Assassin's Creed hat verloren, was es vor Jahren mal gut gemacht hatte

Kolumne Antonia Dreßler
Assassin's Creed hat verloren, was es vor Jahren mal gut gemacht hatte
Quelle: Ubsioft / Edit by: PC Games

Ich würde alles dafür tun, mich noch einmal wie beim ersten Assassin's Creed zu fühlen

Inzwischen ein alter Hut

Die Geschichte rund um den Animus ist komplett ausgelutscht. So sehr, dass es mir manchmal schwerfällt, mich daran zu erinnern, warum ich sie früher mal cool fand. Die Klettermechaniken, die mich einmal fasziniert haben, fühlen sich mechanisch an und haben in der Entwicklung seit langem keinen Schritt nach vorn gemacht. Zumindest gefühlt. Ja, selbst die Kämpfe holen mich nicht mehr ab, obwohl sie mit dem Reboot der Serie seit Origins komplett neu gedacht wurden.

Mit AC: Origins im alten Ägypten selbst hatte ich eigentlich auch wieder Spaß: Das Setting war spannend, die Welt lebendig und die Reihe hat sich mal wieder frisch angefühlt. Aber selbst da hatte ich Anflüge von Langeweile und wenig Spaß daran, die Fragezeichen auf der Karte abzuackern.

Assassin's Creed Origins Quelle: Ubisoft Assassin's Creed Origins hatte ein cooles Setting, mich aber vom Spielprinzip her schnell gelangweilt.

Mit den Spielen danach wurde es nicht besser, obwohl auch sie neue Ansätze mit sich brachten. Wie bei Valhalla, das wirklich gar nichts mehr mit Assassinen zu tun hatte, außer dem Namen nach. Und vielleicht liegt genau da der Hase im Pfeffer. Statt einer neuen Marke oder einer neuen Idee Raum zu geben, saugt Assassin's Creed alles Kreative, was bei Ubisoft stattfindet, in sich auf und presst es in eine vorgefertigte Form. Heraus kommen Spiele, die interessante Ansätze haben, aber nicht so richtig in einen Rahmen passen, der bereits vor 18 Jahren geschnitzt wurde. Jetzt wird das olle Ding immer wieder aus dem Keller geholt und um der guten alten Zeiten willen als Schablone missbraucht.

Gerne würde ich zu den Entscheidern bei Ubisoft in Frankreich gehen und sagen: "Ja, Opa, du hast damals die Industrie mit deiner Idee revolutioniert und die Leute sprechen immer noch darüber."

Assassin's Creed Valhalla Quelle: Ubisoft Valhalla hatte gute Ideen, war aber kein Assassin's Creed.

Ein Herz für Assassine

Aus Marketingsicht kann ich Ubisofts Ansatz natürlich absolut nachvollziehen: Warum das Risiko eingehen, mit einer neuen Marke niemanden zu begeistern, wenn Assassin's Creed nach wie vor als Zugpferd funktioniert? Aber wer Entscheidungen mit dem Geldbeutel trifft, trifft sie nicht mit dem Herzen. Und ohne kitschig sein zu wollen, aber etwas Liebe wäre das, was Assassin's Creed jetzt gebrauchen könnte.

Wir Spieler bekommen doch mit, dass es nicht mehr nur um den Spielspaß geht, wenn wir einen neuen Trailer sehen und dass mehr als eine Entscheidung bei der Entwicklung aus Gründen der Monetarisierung gefällt wird. Wie gesagt: Ich kann das nachvollziehen und irgendwo muss ein Unternehmen wirtschaftlich arbeiten, aber manchmal fühlt es sich an, als ob im Falle von Assassin's Creed ein totes Pferd geritten wird. Es ist professionell ausgestopft und riecht auch nur ein kleines bisschen streng, aber eigentlich hätte man es vor Jahren in Würde begraben sollen.

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