Assassin's Creed Nexus: Das beste Assassin's Creed des Jahres ist nicht Mirage!

Special Lukas Schmid
Assassin's Creed Nexus: Das beste Assassin's Creed des Jahres ist nicht Mirage!
Quelle: Ubisoft

Heimlich, still und leise erscheint 2023 neben Assassin's Creed Mirage mit Assassin's Creed Nexus VR noch ein weiteres Meuchelmörderspiel - und kann sich sehen lassen!

Die versteckte Klinge saust herab, trifft den Hals meines nichts ahnenden Feindes. Er schreit kurz auf, fällt dann leblos zu Boden. Und ich muss kurz schlucken. Denn in Assassin's Creed Nexus VR ist der hinterhältige Mord nicht mit einem Knopfdruck erledigt. Nein, ich habe mich herangeschlichen, ich habe meine Klinge gezogen und ich war es, der dann physisch zugestochen hat. Diese Szenen, in denen man heimlich, still und leise vorgeht, sind die besten Momente in Assassin's Creed Nexus VR, und beim ersten Mal habe ich mich durch diese physische Brutalität tatsächlich etwas unwohl gefühlt. Es fließt kein Blut, es wird kein besonderer Fokus auf die Hinterfotzigkeit meiner Tat gelegt. Aber ja, es ist intensiv, so nahe an eine*n Feind*in heranzugehen, um ihn*sie zu erledigen. Das habe ich in dieser Art in den vielen anderen VR-Action-Spielen aus der Ego-Perspektive, die ich in den vergangenen Jahren gespielt habe, bisher nicht erlebt.

Ihr habt es durch den Zusatz "VR" vielleicht schon erraten: AC Nexus ist exklusiv für VR-Brillen erhältlich, genauer für jene der Meta-Quest-Familie minus der ersten Generation. Ihr könnt also auf Meta Quest 2, Meta Quest Pro und (so wie wir) auf der jüngst erschienenen Meta Quest 3 loslegen. Da dürfte Facebook ein schönes Sümmchen locker gemacht haben!

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Das hat zwei Nachteile: Erstens bleiben Besitzer anderer VR-Systeme außen vor. Zweitens handelt es sich bei den Quest-Brillen bekanntlich um VR-Geräte, die ohne PC oder Konsole auskommen, die gesamte Technik steckt also in der jeweiligen Brille selbst.

Questen? Nur mit Quest!

Gerade bei der in die Jahre gekommenen Quest 2 dürfte hier nicht mit einer überragenden Performance zu rechnen sein, aber auch auf der Quest 3 blickte ich auf verwaschene Texturen und leblose Figurenmodelle - da ist man von High-Class-Geräten natürlich mehr gewohnt, und zumindest die Option, die Spiele in deutlich besserer Auflösung auf anderen Brillen zu erleben, wäre fein gewesen.

Im wahrsten Sinne des Wortes am irritierendsten fand ich beim Spielen aber die regelmäßigen, harten Ruckler, gepaart mit einer generell nicht konstant hohen Framerate, was bei schnellen VR-Spielen eigentlich Pflicht ist. Das sorgt dafür, dass das Erlebnis für Leute mit schwächeren Mägen schnell zu viel des Guten sein dürfte, und auch ich als jemand mit viel VR-Erfahrung brauchte zwei Sessions, um mich nicht mehr unwohl zu fühlen.

Dazu sei gesagt, dass ich im Sinne der maximalen Immersion sämtliche der üblichen Hilfsfunktionen deaktiviert habe, die gegen Übelkeit helfen können, also etwa die Steuerung via Teleport und eine zuschaltbare Vignette um den Sichtbereich, wenn man sich vorwärts bewegt. Es ist also nicht so, als ob an sich sein Spielerlebnis nicht etwas kreislaufverträglicher zusammenstöpseln kann.

Klettern am Sims Quelle: Ubisoft Jetzt aber zum Spiel selbst, und das ist zwar der Selbstbeschreibung im Werbematerial zum Trotz kein "vollumfängliches Assassin's Creed in VR", bringt das Assassin's-Creed-Gefühl aber dennoch sehr kompetent in die virtuelle Realität.

Zurück in die Gegenwart

Ein starker Fokus liegt diesmal auf der Gegenwartsstory, in der wir als Spieler als eine Art VR-Hacker offiziell für das böse Templer-Unternehmen Abstergo, in Wahrheit aber für die guten, alten Assassinen arbeiten.

VR wird auf smarte Art und Weise in die Story integriert, indem die Brille als der Zugang zum Animus und zu virtuellen Meetingräumen dient, in denen man mit Abstergo-Managerin Dominika Wilk und den beiden Serien-Urgesteinen Sean und Rebecca spricht. Natürlich nicht gleichzeitig, sonst wäre mein Leben als Undercover-Agent recht schnell vorbei.

Altbekannte Meuchelmörder

Von dort aus geht es dann nicht in Gestalt nur einer*eines Assassin*in in die Vergangenheit, sondern von gleich dreien: Fan-Favorit Ezio aus Assassin's Creed 2, Brotherhood und Revelations ist ebenso spielbar wie Kassandra aus Assassin's Creed Odyssey und Connor aus Assassin's Creed 3.

Nacheinander erlebt man mit den dreien mehrere Missionen, die sie Ereignisse abseits der Geschichten ihrer jeweiligen Hauptspiele schicken, und wie immer ist das Ziel der Assassinen- und Templer-Kabbelei ein uraltes Artefakt - muss ja.

Schön: Dem Open-World-Ursprung der Hauptserie wird insofern Rechnung getragen, als es uns nicht nur in lineare Levels verschlägt. Jede*r der drei Held*innen erledigt ebenso Aufträge in zwar kleinen, aber tatsächlich frei erforschbaren Gebieten, zu Beginn etwa Monteriggioni, Athen und Boston.

Und was die Steuerung angeht, fühlt sich das schon sehr nach Assassin's Creed an: Ich darf rennen, schleichen, wenn ich in die Knie gehe (oder einen Knopf drücke), physisch an Häuserwänden emporklettern, in dem ich mich an allerlei hervorstehenden Kanten und Simsen festhalte, natürlich den Leap of Faith von Dächern in Strohhaufen hinab vollführen, mich in ebendiesen verstecken und, und, und.

Funktioniert soweit alles gut und die Assassinen-spezifischen Elemente sind natürlich sehr fein, im Grunde kennt man das aber schon so oder ähnlich aus vielen anderen VR-Spielen. Playstation-VR-2-Besitzer mit Horizon: Call of the Mountain auf der Festplatte etwa dürften das ein oder andere Gameplay-Déjà-vu erleben.

Bildergalerie

Das ist nicht schlimm, auch in VR haben sich halt inzwischen Genres und Standards etabliert, Assassin's Creed Nexus VR hätte es aber gutgetan, bei der Missionsgestaltung etwas mehr Kreativität walten zu lassen. Meist geht es darum, einen Eingang zu finden, einen bestimmten Feind auszuschalten oder NPCs zu befreien. Gelegentlich gilt es, simple Umgebungsrätsel zu lösen, die beschäftigen aber auch nie länger als ein paar Minuten. Na ja.

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