Assassin's Creed Mirage im Test: Wie immer, nur kleiner
Test
Ist Mirage die Oase für alle, die mit den modernen Assassin's Creeds nichts anfangen können, oder ist Ubisofts Rückkehr zu den Wurzeln eine Fata Morgana?
Bissige Wüstenschlange
Die meisten Missionen schicken uns in Gebiete voller Feinde, wo wir einen Gegenstand herausholen, ein Ziel töten oder ein Zimmer nach Hinweisen durchsuchen sollen. Dabei ist es uns meist freigestellt, wie wir hineingelangen und wie viele Wachen wir auf dem Weg um die Ecke bringen. Das Gameplay ist simpel, aber effektiv: Wir nutzen die versteckte Klinge, die genauso tödlich ist wie früher, sowie eine Handvoll Gadgets und Fähigkeiten, um Feinde auszuschalten. Sonderlich sauber müssen wir dabei nicht vorgehen. Herumliegende Leichen oder kleinere Kämpfe sind kein Problem, solange nicht einer der bösen Jungs die Alarmglocken läutet und wir die ganze Basis am Hals haben.
Mit zunehmender Spieldauer werden wir durch den entschlackten, aber motivierenden Skilltree und die Verbesserungen unserer Ausrüstung immer mächtiger, denn ganz auf Fortschrittssysteme verzichten wollte Ubisoft offenbar doch nicht. Alleine mit den verbesserten Rauchbomben lassen sich problemlos ganze Gegnergruppen ausschalten, ganz zu schweigen von der einzigen wirklichen Fantasy-Fähigkeit in Basims Repertoire, über die seit dem Gameplay-Trailer heiß diskutiert wird.
Mit der Attentäter-Konzentration lassen sich bis zu fünf Ziele in unserem Sichtfeld markieren und automatisch töten. Mit dem entsprechenden Skill füllt sich die dafür benötigte Leiste so schnell, dass wir uns wie eine Ein-Mann-Armee aus dem Hinterhalt durch die Gegner pflügen. Wenn das ausnahmsweise nicht klappt, sind Rauchbomben und Betäubungsfallen die Lösung aller Probleme.
Das macht durchaus Spaß, ein anspruchsvolles Schleichspiel ist Mirage in der zweiten Hälfte aber nur noch, wenn wir freiwillig auf unsere Tools und Fähigkeiten verzichten. Wer die eigene Motivation mitbringt, heimlich zu spielen, kommt also zusätzlich auf seine Kosten.
Auch der offene Kampf verliert schnell an Gefährlichkeit. Basims Aktionen sind an eine knapp bemessene Ausdauerleiste gebunden, zudem kann er nicht einfach blocken, sondern muss Angriffe mit einem großzügigen Zeitfenster parieren. Die Gegner leuchten zwar beim Zuschlagen auf, sie kämpfen aber recht flott und scheren sich nicht darum, ob wir gerade noch mit einem ihrer Kollegen beschäftigt sind. Viele Moves haben die Wachen allerdings nicht auf Lager, außerdem gibt es nur ein paar verschiedene Typen, wodurch wir sie schnell durchschaut haben.
Guter Assassine, aber kein Hit, Man.
Die spielerischen Highlights sind die großen Attentatsmissionen am Ende jedes Erzählstrangs, denn hier eröffnet uns Ubisoft die meisten Optionen, wie wir vorgehen wollen. Jedes Ordensmitglied auf unserer Abschussliste hat sich eines bestimmten Verbrechens schuldig gemacht und treibt sich in einer thematisch passenden und meist schwer bewachten Anlage herum.
Mal müssen wir einen großen Basar infiltrieren, indem wir uns als Teilnehmer einer Auktion ausgeben, mal spielen wir den Gelehrten, der den abgründigen Forschungen eines Weisen auf die Schliche kommen muss. Effektiv beschränkt sich das auf Dialoge ohne Entscheidungsfreiheit und die Auswahl aus zwei oder drei verschiedenen Zugangsrouten. Die Tiefe eines Dishonored oder Hitman erreicht Mirage damit zwar nicht, aber trotzdem vermitteln diese Missionen das gelungene Gefühl, einen listigen Attentäter zu spielen.
Wie ihr sicherlich schon gemerkt habt, kommen die meisten unserer Pluspunkte in Mirage mit einem "aber" daher, weil sich Ubisoft zwar durchaus auf die alten Kernelemente der Reihe fokussiert, das geschieht aber oft auf eine unspektakuläre und zaghafte Weise. Mirage lässt nie das Gefühl aufkommen, ein von Grund auf neu entwickeltes Spiel mit neu geschaffenen Systemen zu erleben. Wirklich neue Features lässt es ohnehin völlig vermissen. Effektiv spielen wir einen großen DLC für Origins, Odyssey oder Valhalla, bei dem so lange Content und Systeme herausgeschnitten wurden, bis nur noch ungefähr das alte Grundgerüst von Assassin's Creed übrig bleibt.
Das hat auf jeden Fall seine Vorteile - alleine schon, dass sich Mirage auf das Wesentliche konzentriert und die Laufzeit der Story nicht durch Levelgating gestreckt wird, ist ein Segen für alle, die keine 100 Stunden für ein Assassin's Creed: Valhalla übrig haben. Die Rückkehr zum heimlicheren Gameplay gelingt auch ganz ordentlich.
Trotzdem ist immer noch reichlich modernes Ubisoft-Design an Bord. Wir markieren Gegner und Ziele mit dem Adler aus der Luft, sammeln ein paar Ausrüstungsteile, die mit Ressourcen verbessert werden, füllen einen Skilltree und können im Animus-Shop gegen Echtgeld ein Drachenpferd erwerben.
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Auch der Aufbau der Story ist, wie wir eingangs schon beschrieben haben, durch und durch modernes Ubisoft. Wer damit kein Problem hat, der bekommt mit Mirage einen fokussierten, kleinen Happen von genau diesem Futter. Wer von solchen Dingen aber mittlerweile die Nase voll hat, dem dürfte es kaum helfen, dass es in Mirage nun einfach nur weniger davon gibt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet hebt sich das Spiel gar nicht mehr so sehr von seinen Action-RPG-Kollegen ab - und die Oase, die wir in der Content-Wüste noch zu erkennen glaubten, löst sich doch recht schnell wieder in Luft auf.
