Armed Assault im Test

Test Rüdiger Steidle

Der Nachfolger von Operation Flashpoint glänzt mit ebenso gigantischen wie atmosphärischen Schlachtfeldern, macht es allerdings Einsteigern unnötig schwer.

Verfahrene Situation

Auf der anderen Seite stehen generell zu viele Einsätze als Einzelkämpfer auf dem Programm. Dabei liegt die Stärke von Armed Assault doch klar in den Massenschlachten. Außerdem wirken manche Missionen irgendwie unfertig. Skript-Sequenzen werden verzögert oder gar nicht ausgelöst, manchmal sind die Kräfteverhältnisse arg unausgegoren.

Beispiel: Einmal sollen wir einen LKW-Konvoi in den Hinterhalt locken. Also legen wir Minen, bringen Sprengsätze an, schnappen uns eine Panzerfaust, legen uns auf die Lauer und warten. Und warten. Und warten. Nichts passiert. Schließlich fassen wir uns ein Herz und machen uns auf die Suche. Wir entdecken den Konvoi einen Kilometer entfernt an einer Straßenbiegung. Offenbar ist das Führungsfahrzeug vom Weg abgekommen und kann sich nun nicht mehr befreien. Die KI mal wieder. Im zweiten Anlauf funktioniert’s dann endlich.

Bei der oben beschriebenen Flughafenverteidigung sollen wir nach dem Sieg eigentlich einen Mannschaftstransporter besteigen, doch der taucht an den angegebenen Koordinaten erst nach geschlagenen zehn Minuten auf ... und fährt dann los, obwohl die Hälfte unseres Platoons noch draußen wartet. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ein andermal gewinnen wir ein Gefecht, ohne daran teilzunehmen: Unsere Kameraden wehren einen Überfall ab, bevor wir überhaupt im Einsatzgebiet eintreffen!

Kalter Krieg

Dann wäre da noch die Sache mit den Haupt- und Nebenmissionen. Der Feldzug besteht aus zwölf Primäreinsätzen, denen jeweils zwei optionale Sekundäraufträge vorausgehen. Eigentlich sollen wir uns jeweils einen aussuchen, der uns dann Vorteile in der Entscheidungsschlacht bringt. Wenn wir etwa ein Treibstoffdepot zerstören, rücken später weniger Panzer an. Doch in der Praxis macht es kaum einen Unterschied, ob wir die Sekundärmissionen angehen.

Außerdem fehlt uns das Drumherum von Flashpoint. Damals durften wir mehrere Charaktere begleiten, die uns über Zwischensequenzen, Tagebucheinträge und Kommentare ans Herz wuchsen. Dabei gelang Operation Flashpoint das seltene Kunststück, keine Helden zu fabrizieren, sondern normale Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, mit all ihren Ängsten und Sorgen.

Jetzt schlüpfen wir in die Stiefel irgendwelcher anonymer Soldaten, zu denen wir keine Beziehung aufbauen können. Mitunter wechseln wir in den Missionen sogar die Rollen. Spielen etwa erst einen Schützen, später einen Panzerfahrer. Die Hintergrundgeschichte, die bis auf den Zeitrahmen (Jahrtausendwende statt 80er) stark der alten ähnelt, bringt uns Armed Assault in zwar gut gemachten Nachrichtenbeiträgen näher, die uns aber seltsam kalt lassen.

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