Auf dieser Seite der großen Anno-Historie widmen wir uns Anno 1701 und seinen großen Umbrüchen. Außerdem schauen wir uns den Ableger für den Nintendo DS an.
In diesem Artikel
- Seite 1 Anno-Historie: Anno 1602
- Seite 2 Anno-Historie: Anno 1503
- Seite 3 Anno-Historie: Anno 1701, Anno 1701 (NDS)
- Seite 4 Anno-Historie: Anno 1404, Anno - Erschaffe eine neue Welt
- Seite 5 Anno-Historie: Anno 2070, Anno Online
- Seite 6 Anno-Historie: Anno 2205
- Seite 7 Anno-Historie: Anno 1800
- Seite 8 Anno-Historie: Anno 117: Pax Romana
- Seite 9 Bildergalerie
Anno 1701 | 26. Oktober 2006 | PC
Anno 1701 war ein großer Umbruch für die gesamte Serie. Gleichzeitig war es aber auch eine Rückkehr zu alter Stärke. Nach Anno 1503 stand Publisher Sunflowers vor einem Problem. Das alte Erfinderstudio Max Design löste sich nach den Strapazen von Anno 1503 auf. Die Marke war aber auch damals schon viel zu wertvoll, als dass man sie einfach hätte sterben lassen können. Aber welches Entwicklerstudio wäre in der Lage, den Geist und das Flair von Anno richtig einzufangen?
Die Wahl fiel auf das Studio Related Designs aus Mainz. Die hatten sich in den Jahren davor als Strategiespielstudio etabliert mit Titeln wie No Mans Land oder Castle Strike. Und sie waren bereits im Anno-Kosmos tätig.
Quelle: PC Games
Anno 1701 führte den großen Marktplatz als zentrales Element für seine Städte ein. Ohne ihn waren die Bürger automatisch unglücklich.
Publisher Sunflowers sägte den Multiplayer-Modus von Anno 1503 nämlich nicht komplett ab. Eigentlich war der Modus nämlich fast fertig, doch durch die massiv gestiegenen Kosten wollte Sunflowers das Ding nicht einfach kostenlos veröffentlichen. Also sollte kurzerhand ein eigenes Spiel daraus entstehen, um das Geld so wieder einzuspielen.
Der Echtzeitschlachten-Ansatz wurde also verworfen. Anno 1701 sollte nach den teilweise einschneidenden Änderungen des Vorgängers wieder einen großen Schritt zurück machen. Anno bleibt Anno war das Leitmotiv, das auch nach außen kommuniziert wurde. Da sich Sunflowers noch in Verhandlungen mit Max Design befand, mussten die neuen Entwickler erst mal auf eigene Faust loslegen.
Erst nach den abgeschlossenen Verhandlungen kam dann der damalige Erfinder der Serie Wilfried Reiter in beratender Funktion dazu.
Anno 1701: Einführung des Rechtsklick-Menüs
Doch Related Design bewies ein gutes Händchen und schaffte es auch größtenteils ohne Hilfe, die Stärken der Serie zu identifizieren. Der Aufbaupart wurde klar im Fokus behalten und die Produktionsketten ausgebaut. Gleichzeitig kehrte man zu bekannten Mechaniken zurück. Die Steuern wurden wieder direkt eingetrieben und der Kampfpart war zwar noch drin, aber definitiv kein Kernelement mehr. Und einen Multiplayer gabs dieses Mal von Anfang an!
Auch der Komfort für die Spieler wurde stark ausgebaut. Das beste Beispiel dafür war wohl das Rechtsklickmenü, das mit Anno 1701 Einzug hielt. Betätigte man in der Spielwelt die rechte Maustaste, bekam man eine Auswahl der nützlichsten Tools. Abreißen, Straßen bauen, Bauernhäuser hinstellen. Endlich musste man nicht mehr ständig ins Baumenü klicken!
Als neues Feature kam die Loge mit ins Spiel. Mit der konnte man seine Mitspieler ein bisschen drangsalieren und sabotieren. Aber immer dran denken, dass das in beide Richtungen geht ... Und apropos Mitspieler. Die hatten jetzt endlich mehr Charakter bekommen mit eigenen Porträts, Aufträgen und kleinen Sprüchen, die sie aufsagten. Das war übrigens auch die Geburtsstunde der Familiendynastie Jorgensen, die seitdem in jedem Anno vertreten war.
Quelle: PC Games
Die 3D-Engine kam in Anno 1701 dazu und sieht selbst heute noch überraschend gut aus.
Anno 1701: Neuer Glanz in 3D
Das Auffälligste an Anno 1701 war aber ganz eindeutig die Grafik. Related Designs wagte hier nämlich den Sprung in die 3D-Welt. Dafür zimmerte man eine komplett eigene Engine zusammen, und die konnte sich sehen lassen! Anno 1701 erstrahlte wortwörtlich mit seinen bunten und kräftigen Farben und tollen Designs. Gebäude hatten viele kleine Details und die Landschaften wirkten herrlich natürlich. Bei so einer Grafikpracht erblassten andere Strategie-Konkurrenten vor Neid.
Ein Jahr später bekam Anno 1701 noch eine Erweiterung spendiert, die vor allem für eine Sache bekannt war. Die hervorragende Kampagne! In Der Fluch des Drachen haben sich Spieler auf die Jagd nach einem geheimnisvollen, asiatischen Artefakt begeben. Obendrauf gabs noch einen Karteneditor, mit dem sich Spieler dann austoben durften und eigene Inselreiche erstellen konnten.
Alles in allem war Anno 1701 also ein Meisterstück. Aus dem Stand gelang dem neuen Entwicklerteam ein Hit, der sich blendend verkauft hat. Und schon wenige Tage nach dem Release des Hauptspiels wurde bereits bekannt gegeben, dass es einen Nachfolger geben würde. Doch bevor das so weit sein sollte, gab es noch ein kurzes Intermezzo von Anno 1701 - zum ersten Mal nicht auf dem PC.
Quelle: PC Games
Der Karteneditor in Anno 1701 ließ euch eigene Inselreiche erstellen.
Anno 1701 | 8. Juni 2007 | Nintendo DS
Mitte der 2000er befanden wir uns nämlich noch in einer Zeit, in der Ports für Handheld-Konsolen nicht einfach nur grafisch abgespeckte Versionen waren. Auf dem Game Boy, der PSP oder dem Nintendo DS war die Hardware einfach noch viel zu schwach für echtes 3D. Deswegen waren Spiele mit dem gleichen Namen nicht einfach nur Ports von Spielen, die man auf dem PC oder den großen Konsolen kannte. Solche Versionen waren meist von Grund auf neu entwickelte und auf die Hardware angepasste Titel. Und so war es auch mit Anno 1701 für den Nintendo DS.
Das wurde auch nicht von Related Designs entwickelt, sondern vom deutschen Studio Keen Games. Bei dem Namen klingelt es bei Survival-Spielern heute sicherlich. Die sind nämlich mittlerweile weltbekannt für ihre Survival-Sandbox Enshrouded.
Anno 1701 DS: 2D statt 3D
Grundsätzlich orientierte sich die DS-Version schon sehr an der PC-Version. Auch hier ging es natürlich darum, eine Inselwelt zu besiedeln, Produktionsketten aufzubauen und zu handeln. Die bekannten fünf Bevölkerungsstufen waren ebenfalls mit dabei. Der größte Unterschied bestand natürlich in der Darstellung. Anno 1701 für den DS war in einer isometrischen 2D-Grafik gehalten, die eher an eine Mischung aus den ersten beiden Teilen erinnerte. Auch die Inseln waren wesentlich kleiner. Trotzdem konnte man seine Gebäude frei an die gewünschten Stellen setzen und auch Marktkarren und Bewohner sah man immer mal wieder durch die Gassen huschen.
Der zweite Bildschirm des DS bot sich natürlich sehr gut für eine schöne Übersicht der Bevölkerung oder für das Baumenü an. Der Kampf wurde dafür ebenfalls zurückgeschraubt und automatisch ausgeführt. Trotzdem konnte sich Anno 1701 für den Nintendo DS durchaus beweisen und verkaufte sich schätzungsweise um die 130.000 mal.
Anno 1701 DS: Sunflowers in Schwierigkeiten
Währenddessen bahnten sich aber erneut Probleme in der echten Welt an. Doch diesmal war nicht das Entwicklerstudio in der Krise, sondern der Publisher Sunflowers. Der ging damals ein Risiko ein und pumpte enorme Summen in das Strategiespiel ParaWorld. Das war zwar ein ziemlich gutes Spiel, aber trotzdem floppte es hart und riss Sunflowers samt allen Marken in die Krise. Die Manager suchten monatelang einen Ausweg, bis sie ihn bei Ubisoft fanden.
Die hatten bereits einige Jahre vorher den deutschen Entwickler Blue Byte samt deren Siedler-Marke aufgekauft. Jetzt sicherte man sich Sunflowers und damit die Rechte an der Anno-Serie und auch 30% am Entwickler Related Designs. Im Gegensatz zur Siedler-Serie sollte sich diese Übernahme als wahre Goldgrube für Ubisoft erweisen. Denn nur zwei Jahre später würde die Anno-Serie zu ihrem neuen Höhepunkt aufsteigen.
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