Auf dieser Seite der großen Anno-Historie widmen wir uns Anno 1503 und wie das ursprüngliche Entwicklerstudio versucht hat, die Erfolgsformel zu optimieren.
In diesem Artikel
- Seite 1 Anno-Historie: Anno 1602
- Seite 2 Anno-Historie: Anno 1503
- Seite 3 Anno-Historie: Anno 1701, Anno 1701 (NDS)
- Seite 4 Anno-Historie: Anno 1404, Anno - Erschaffe eine neue Welt
- Seite 5 Anno-Historie: Anno 2070, Anno Online
- Seite 6 Anno-Historie: Anno 2205
- Seite 7 Anno-Historie: Anno 1800
- Seite 8 Anno-Historie: Anno 117: Pax Romana
- Seite 9 Bildergalerie
Anno 1503: Aufbruch in eine neue Welt | 25. Oktober 2002 | PC
Hat man einen Spielehit abgeliefert, dann ist das natürlich erst mal hervorragend. Doch nach der ersten Euphorie, stehen Spieleentwickler dann sehr schnell vor der Frage: Wie zur Hölle setzt man da jetzt noch einen drauf? Die Entwickler von Max Design beantworteten diese Frage mit: höher, schneller, anders.
Anno 1503 war aber erst mal vor allem eins: sehr viel später. Nachdem es eigentlich für das Frühjahr 2001 angekündigt war, verzögerte sich die Entwicklung immer weiter. Erst Ende 2002 und damit 1,5 Jahre nach dem angepeilten Releasetermin kam Anno 1503 auf den Markt.
Quelle: PC Games
Anno 1503 hatte einen wunderschönen 2D-Look mit zahlreichen kleinen Details.
Anno 1503: Mehr Details, dank 2D
Was sofort ins Auge fiel, war die massiv aufgepeppte Grafik. Die setzte bewusst nicht auf die damals neue und angesagte 3D-Optik, sondern auf einen 2D-Look. Und das war die richtige Entscheidung! Während frühe 3D-Strategiespiele sich damals noch mit kruden Modellen und wenig Polygonen zufriedenstellen mussten, verlor sich Anno 1503 in Details.
Im Gegensatz zum Vorgänger waren Häuser weitaus detaillierter. Jetzt konnte man jeden Stützbalken, jedes Fenster und sogar jede Dachschindel einzeln zählen. Damit man dafür aber keine Lupe benötigte, bot Anno 1503 auch gleich größere Bauten. Doch wo größere Häuser waren, da mussten auch größere Inseln her. Und wo größere Inseln waren, da mussten auch gleich viel größere Inselreiche her! Die Welten in Anno 1503 waren um einiges ausladender und es dauerte eine ganze Weile, ein Schiff von einem Ende zum anderen zu schicken.
Dafür waren die Inseln selbst ebenfalls abwechslungsreicher, denn anstatt einfach immer nur die gleichen grünen Inseln bloß mit anderen Fruchtbarkeiten zu haben, konnte man den Inseln jetzt ansehen, was wohl auf ihnen wächst. Fuhr man in den Süden, dann wurde das Klima wärmer und trockener und man konnte davon ausgehen, dass hier wohl eher Tabakfelder oder Zuckerrohr wuchsen. Reiste man dagegen in den Norden, wurde es immer kälter, bis Schnee und Eis dominierten.
Auch die Siedlungen der Eingeborenen orientierten sich an den geografischen Gegebenheiten. Die Inuit etwa waren im ewigen Eis zu Hause. Für die Spieler war der Klimazonenwechsel damals aber noch eher grafischer Natur. Besiedelte man eine der tropischen Inseln, baute man dort größtenteils die gleichen Häuser - bis auf die speziellen Produktionsgebäude für Fruchtbarkeiten und Bodenschätze.
Quelle: PC Games
Bei einer voll ausgebauten Stadt konnte die Übersicht flöten gehen.
Anno 1503: Neues Steuersystem bringt Ärger
So hübsch das Spiel mit seinem 2D-Look sogar heute noch ist, so seltsam waren allerdings manch spielerische Ideen. Stellvertretend dafür stand natürlich das umgebaute Steuersystem. Anstatt die Kohle direkt von den glücklichen Bürgern abzuknöpfen und im Notfall die Steuerschraube ein wenig anzuziehen, bekam man in Anno 1503 die wertvollen Taler nur indirekt. Denn man verkaufte die produzierten Waren hier an kleineren Marktständen innerhalb der Stadt.
Das führte zwar zu einem realistischeren Stadtbild, brachte aber eine Menge Probleme mit sich, die alle darauf hinausliefen, dass das Steuersystem unnötig umständlich wurde. Wer mehr Steuern wollte, musste nämlich nicht nur mehr Bürger ansiedeln, sondern auch immer darauf achten, dass die neuen Wohngebäude auch Marktstände in Reichweite hatten.
Das abzusichern wurde aber gerade in größeren Städten zur Sisyphusarbeit, denn die Marktstände waren winzig und gingen im Gewusel schnell unter. Doch selbst dann war das Spiel manchmal verbuggt und die vermaledeiten Heinis latschten trotzdem nicht zum Marktstand. Und mal eben schnell die Preise für die Produkte erhöhen oder senken, war gleich gar nicht möglich.
Quelle: PC Games
Die Inseln in Anno 1503 boten mehrere Klimazonen, an denen sich auch die Fruchtbarkeiten orientierten.
Auch der Scout war eine unnötig umständliche Idee. Anstatt einfach direkt vom Schiff die Insel zu erkunden, wie im Vorgänger, musste man jetzt einen Scout über die Insel schicken, um herauszufinden, welche Bodenschätze es dort gab. Das kostete alles wertvolle Zeit, in der die Computergegner sich schon ausbreiteten. Die scherten sich nämlich nicht um den Scout.
Anno 1503: Der verschollene Multiplayer
Zusätzlich fokussierte man sich von allen Dingen in einem Anno ausgerechnet auch noch auf den Kampf. So gab es jetzt viele verschiedene Arten von Einheiten, die alle einen bestimmten Gegenpart hatten, sonst aber relativ nutzlos blieben. Ein Großteil des Forschungsbaums der Schule ging ebenfalls für das Militär drauf. Dumm nur, dass sich der Kampf dann nicht sonderlich gut spielte, da es ein Krampf war, alle Einheiten unter Kontrolle zu behalten.
Tja, und dann war da natürlich noch die Geschichte mit dem Multiplayer. Anno 1503 sollte eigentlich mit einem Multiplayer-Modus ausgeliefert werden. Der wurde aber nicht pünktlich zum Release fertig. Der Knopf im Hauptmenü blieb ausgegraut und ein Patch sollte das Ganze richten. Der kam zwar, fügte aber keinen Multiplayer hinzu, sondern entfernte einfach nur den Knopf im Hauptmenü. Das Entwicklerstudio werkelte und werkelte noch lange nach Release vor sich hin, um den Multiplayer irgendwie zum Laufen zu bekommen. Doch irgendwann zog der Publisher den Stecker, weil die Kosten explodiert waren.
Quelle: PC Games
Anno 1503 baute den militärischen Part stärker aus. Leider ließen sich die Einheiten nicht optimal steuern.
Erst mit der History Edition von 2020 hatte es der Multiplayer dann endlich ins Spiel geschafft. Nichtsdestotrotz verkaufte sich Anno 1503 blendend und konnte im ersten Jahr um die 800.000 Stück absetzen. Damit übertraf man sogar den Vorgänger. Auch eine Brettspielumsetzung vom Siedler-von-Catan-Erfinder höchstselbst kam auf den Markt.
Man könnte also meinen, dass alles heiter weiterging. Max Design arbeitete am nächsten Teil, Publisher Sunflowers freute sich ... aber nein. Die Entwicklung von Anno 1503 verlangte dem kleinen Entwicklerteam aus Österreich zu viel ab und die Entwickler einigten sich darauf, das Studio zu schließen. Anno stand damit augenscheinlich vor dem Aus.
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