Ancestors Legacy gespielt: Mit einem RTS aus dem Image-Loch?
Special 29,74 €
Mit einem Echtzeitstrategiespiel will das Team von Destructive Creations (IS Defense) als Spielentwickler erstmals ernstgenommen werden. Wir haben uns die Open Beta angeschaut und sagen euch, ob sie das schaffen können. Das Echtzeit-Strategiespiel soll für PC und Xbox One erscheinen.
Entwickler Destructive Creations ist vor allem dafür bekannt, wenig intelligente Spiele zu machen, die auf einer wohlkalkulierten Marketing-Welle aus stumpfsinniger Provokation und jeglicher Abwesenheit von Moral besteht. Mit seinem inzwischen indizierten Erstlingswerk bewies das polnische Studio einen erheblichen Mangel an Kreativität, zielte aber erfolgreich auf all jene Spieler, deren moralischer Kompass nicht sonderlich ausgeprägt ist und die mit pubertärer Rebellenattitüde der Welt mal so richtig zeigen wollten, welch Freigeist in ihnen steckt.
Von Geist war auch im öden Railshooter IS-Defense so gar nichts zu entdecken, weder inhaltlich noch spielerisch. Von der hirnlosen Zelebrierung sinnloser Brutalität bis hin zum klischeeverseuchten "Anti-Terror-Geballer" haben Destructive Creations bislang eigentlich nur gezeigt, dass sie abstoßende Pseudo-Kontroversen auslösen können. Nun bringen sie mit dem Echtzeitstrategiespiel Ancestors Legacy (jetzt kaufen 89,00 € / 29,74 € ) das erste Mal ein Spiel, das nicht (ausschließlich) auf stumpfsinnige Gewalt setzt. Kann sich das Studio mit einem ernstzunehmenden Titel in der Gamesbranche behaupten, oder bleibt Eindimensionalität ihr Markenzeichen? Wir haben die Multiplayer Open Beta angespielt und sagen euch, was uns erwartet.
Auf dieser Seite
Ancestors Legacy: Mit den Wikingern durchs Multiplayer-Mittelalter
Quelle: PC Games
In der Multiplayer Open-Beta können wir derzeit nur die Spielmodi Domination und Annihilation auswählen.
Ancestors Legacy versetzt uns in die Zeit, als die Wikinger sich in England an Land und Bevölkerung gütlich - oder eher gewalttätig - taten. Bis zu 40 Stunden Einzelspielerkampagne versprechen die Entwickler: Jede Fraktion soll eine eigene kleine Kampagne bekommen. Dabei orientiert man sich offensichtlich an Company of Heroes und ändert das Setting kurzerhand ins Mittelalter. Wir steuern bis zu zehn Trupps unterschiedlicher Kämpfer, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Taktisches Geschick bei der Positionierung ist ebenso wichtig, wie sinnvolle Upgrades und regelmäßige Heilung der Soldaten.
Aktuell dürfen wir in der Multiplayer Open Beta vier Fraktionen spielen: Wikinger, Angel-Sachsen, die Deutschen und die Slawen. Mit einer dieser Fraktionen ziehen wir auf drei verfügbaren Karten für zwei bis sechs Spieler in Multiplayer-Gefechte. Allerdings dauert das Matchmaking teilweise ewig, zumal der Ersteller des Spiels auf seinem Rechner hostet - was zu weiteren Problemen führt, wenn der Host einfach mal das Spiel verlässt und die Runde damit für alle beendet. Wir hoffen, dass es zu Release vernünftige Multiplayer-Server geben wird.
Wer keine Lust auf menschliche Gegenspieler hat, kann stattdessen KI-Fraktionen in die Mitspieler-Slots stecken. Die beiden verfügbaren Spielmodi sind Domination (bestimmte Punkte halten und Punkte sammeln) oder Annihilation (Vernichtung des Gegners). Zukünftig soll es wohl noch weitere Einstellungen geben, beispielsweise mit wie viel Ressourcen wir anfangen oder mit welcher Technologiestufe wir beginnen. In der Beta sind diese Einstellungen ausgegraut.
Quelle: PC Games
In brutalen Kämpfen müssen wir vor allem auf die Positionierung unserer Truppen achten, sonst erschießen unsere Fernkämpfer ihre Frontleute.
Ancestors Legacy: Kein Spiel für langsame Strategen
Wir starten in unserer Basis mit einem Trupp Soldaten. Mit dem laufen wir schnellstmöglich ins nächste Dorf und greifen die dortige Stadthalle an. Unser Trupp brennt das Gebäude mit Fackeln nieder, danach nehmen wir das Dorf ein. Die Einwohner des Dorfs schicken wir Ressourcen sammeln: Holz und Eisen sind für die Rekrutierung von neuen Einheiten zuständig, Nahrung für deren Unterhalt. Je mehr Truppen wir haben, desto mehr Nahrung brauchen sie. Gibt's nicht genug zu beißen, sinkt die Moral und damit die Kampfkraft erheblich. Allerdings lässt sich auch mit hungernden Truppen ein Krieg gewinnen, die Balance ist hier offensichtlich noch nicht final.
Nebenbei bauen wir unsere Basis aus. Das tun wir ganz simpel auf Knopfdruck im Gebäudemenü, wir dürfen Strukturen nicht selber platzieren. Wohnhäuser erhöhen das Truppenkontingent, Barracken schalten stärkere Einheiten frei. Eine Kultstätte oder Kirche bringt uns temporär einsetzbare Buffs, beispielsweise schnellere Bewegungsgeschwindigkeit.
Der Basisbau ist also nur Mittel zum Zweck, nämlich Einheiten zu bauen und zu verstärken. Zusätzlich schalten wir durch den Einsatz von Eisen neue Technologien, darunter beispielsweise verringerte Unterhaltskosten und weitere Einheitenverbesserungen, frei.
Ancestors Legacy: Brutale, aber taktisch anspruchsvolle Kämpfe
Quelle: PC Games
Damit wir unsere Veteranen nicht gleich wieder verlieren, müssen wir die Soldaten heilen bzw. die Trupps wiederauffüllen.
Mittlerweile ist selbst bei der leichtesten KI-Variante ein erster Gegnertrupp in unser Dorf eingefallen. Unsere Truppen setzen ziemlich spät zur Verteidigung an, oft sogar erst, wenn der Feind schon den ersten Hieb anbringt. Die Trupps haben keine Verhaltensweisen, die beispielsweise "Wache halten" ermöglichen, stattdessen können wir nur auf defensive Aufstellungen, Speerkreis oder leicht erhöhte Sichtweite bei Fernkämpfern umschalten.
Im Nahkampf gibt es richtig Saures. Wenn wir nicht entsprechend starke Einheiten ausgebildet haben (beispielsweise Schwert- oder Axtkämpfer), dann sehen unsere Fernkämpfer oder Speerträger gegen die KI-Soldaten schnell alt aus. Die Kämpfe können über eine cinematische Kameransicht der jeweiligen Squads aus der Nähe beobachtet werden. Das brutale Schlachten ist gut animiert und recht realistisch dargestellt. Dabei wurde nicht an Blut und wildem Geschrei gespart.
Quelle: PC Games
Unsere Basis ist nur Mittel zum Zweck: Neue Gebäude werden automatisch platziert, wir rekrutieren hier vornehmlich neue Einheiten.
Der Kinomodus ist wirklich gut gelungen, auch aufgrund der ordentlichen Grafik. Die Karten sind detailliert dargestellt, die Dörfer hübsch ausgearbeitet und unsere Kämpfer ansehnlich animiert. Aber natürlich konnten die Skandal-Macher ihre Herkunft nicht ganz verleugnen: Aufgeschreckte Zivilisten laufen in bekloppter Pose regelmäßig in unsere Truppen und werden im Vorbeigehen umgebracht.
Ancestors Legacy: Friendly Fire & KI-Probleme
Darüber hinaus spielen sich die verschiedenen Truppen angenehm unterschiedlich. Mit genug Erfahrung dürfen wir sie aufleveln, beispielsweise mit mehr Angriffskraft. Fernkämpfern können wir beibringen, unseren eigenen Truppen nicht so viel in den Rücken zu schießen - ja, Friendly Fire ist ein Thema. Das sorgt unter anderem dafür, dass wir Fernkämpfer richtig positionieren müssen. Darüber hinaus bringt das Flankieren des Gegners oder Hinterhalte in Gebüschen oder Feldern einen strategischen Vorteil.
Allerdings ist Ancestors Legacy noch nicht ausgereift. Bis zur Veröffentlichung im Mai müssen nicht nur hässliche Menüs überarbeitet werden. Die eigenen Truppen lassen sich nicht immer ganz sauber steuern, was bei strategischem Mikromanagement notwendig ist. Zusätzlich fehlen KI-Routinen, die greifen, wenn wir grade woanders zugange sind: Wache halten und Angreifer frühzeitig attackieren gehört dazu.
Quelle: PC Games
Über die cinematische Kamera können wir uns die blutigen Gefechte aus der Nähe ansehen.
Die KI an sich ist auch noch eine Baustelle. Selbst einfache KI-Gegner spammen uns schon nach wenigen Minuten derartig mit starken Einheiten voll, dass wir schnell mal in einem Teufelskreis aus Verteidigung, Truppenaufstockung und Heilung gefangen sind. Auf der anderen Seite rumpeln wir - sobald wir eine einigermaßen große Armee aufgebaut haben - locker über die Karte, hauen die Wachtürme der feindlichen Basis zu Klump und verbrennen Stadthalle und Gebäude. Das alles geht auch ganz ohne taktische Finessen: Einfach die komplette Armee aufs Ziel hetzen reicht aus.
