Age of Empires: Definitive Edition im Test: Zwischen Tradition und Moderne

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Age of Empires: Definitive Edition im Test: Zwischen Tradition und Moderne
Quelle: Microsoft

Mehr als 20 Jahre nach dem Original kehrt Age of Empires als Definitive Edition zurück. Wir klären im Test, ob der Klassiker auch heute noch begeistern kann, welche Neuerungen die Entwickler vorgenommen haben und an welchen Stellen sich das Spiel kaum verändert hat. Eines ist sicher: Die zweidimensionale Antike hat noch nie so schick ausgesehen.

In den 90er Jahren gab es Echtzeit-Strategiespiele wie Sand am Meer. Mit großen Namen wie Command & Conquer und Warcraft dominierten vor allem Science-Fiction- und Fantasy-Szenarien das Genre. Das von Microsoft 1997 veröffentlichte Age of Empires unterschied sich da bereits durch die Wahl des Settings deutlich von der Konkurrenz. In der Menschheitsgeschichte zwischen Steinzeit und Christi Geburt setzte das Spiel auf Axtkämpfer und Steinwerfer, statt auf Laserpanzer oder Magier. Mit seinem klassischen RTS-Spielaufbau und dem historischen Flair eines Civilization etablierte sich Age of Empires als eine der herausragenden Marken der ruhmreichen Zeit der Echtzeit-Strategie.

Auch wenn es nach dem dritten Serienteil lange Zeit ruhig um die Reihe wurde, hat sich die Faszination stets gehalten. Das ist auch dem Team von Microsoft nicht entgangen, das sich endlich wieder auf eine seiner beliebtesten Marken besinnt. Mit etwas Verspätung nach dem zwanzigsten Jubiläum im vergangenen Herbst ist mit Age of Empires: Definitive Edition (jetzt kaufen / 17,99 € ) nun ein Remaster des Klassikers erschienen, das den Auftakt zu einem zweiten Frühling für die Reihe sein soll. Aber ob das 20 Jahre alte Spielkonzept auch heute noch funktioniert, musste das Spiel in unserem Test nun noch einmal unter Beweis stellen.

So schön können 2D-Sprites sein

Der größte Unterschied zum Original, der jedem sofort ins Auge springt, ist die unglaublich hübsche Grafik. Besonders erstaunlich dabei ist, dass im Hintergrund noch immer die gleiche Engine werkelt, die vor 20 Jahren gerade einmal zu Auflösungen von 1.024x786 Pixeln in der Lage war. Heute Die hübsche neue Grafik überzeugt auf ganzer Linie. Quelle: PC Games Die hübsche neue Grafik überzeugt auf ganzer Linie. zaubert das Spiel eine optische Pracht in bis zu 4k und drei verschiedenen Zoomstufen auf den Bildschirm. Möglich wurde das, weil die Entwickler wirklich jedes Grafikelement neu entworfen haben. Entstanden ist ein Look, der klar als Age of Empires zu erkennen ist, aber dennoch zum schönsten zählt, was es im Bereich der 2D-Grafik heute zu finden gibt. War das Wasser im Original lediglich eine blaue Textur mit leicht angedeuteten Wellen, sieht es jetzt viel eher nach einer sich bewegenden Flüssigkeit aus, auf der sich sogar das Sonnenlicht zu spiegeln scheint.

Besonders bei den Gebäuden haben sich die Grafiker viel Mühe gegeben. Wenn ein Bauwerk zerstört wird, zerfällt dieses in einen wunderschönen Haufen seiner Einzelteile. Besonders bei Weltwundern kommt das richtig gut zur Geltung. Die Einheiten haben neben neuen Grafiken auch Verbesserungen bei den Animationen erhalten. So können sich die Figuren nun nicht mehr nur in acht Richtungen drehen, sondern haben ganze 32 Animationsphasen. Dadurch wirken die Bewegungen flüssiger. Optisch ist die Age of Empires: Definitive Edition auf jeden Fall eines der beeindruckendsten Remaster.

Antike hautnah erleben

Altbekannt geht es dafür bei den Inhalten zu. Wie es sich für Spiele der damaligen Zeit gehörte, bietet Age of Empires eine ganze Reihe von Kampagnen. Ganze zehn Stück stehen euch in der Definitive Edition zur Verfügung. Das Spiel enthält nämlich neben den Inhalten des ursprünglichen Hauptspiels auch alle Kampagnen und Völker aus der später erschienenen Erweiterung Rise of Rome. Jeder Feldzug besteht aus mehreren Die Einführungstexte der Kampagnen sind jetzt vertont. Dafür wurden die Rendervideos ersatzlos gestrichen. Quelle: PC Games Die Einführungstexte der Kampagnen sind jetzt vertont. Dafür wurden die Rendervideos ersatzlos gestrichen. Missionen und ist an einen historischen Konflikt der Antike angelehnt. Ihr erlebt den Aufstieg Griechenlands und die Eroberungen Alexander des Großen, errichtet mit den Yamato das erste Reich in Japan oder erobert mit den Römern den Mittelmeerraum. Als sehr umfangreiches Tutorial mit einer schrittweisen Einführung in alle Spielmechaniken dient die Kampagne rund um den Aufstieg Ägyptens zur ersten großen Zivilisation der Menschheit.

Vor jeder Mission setzt ein kurzer Text die kommende Aufgabe in einen entsprechenden historischen Kontext. Diesmal sind diese Einführungen sogar vertont. Allerdings wirkt der deutsche Sprecher hier an manchen Stellen etwas gehetzt. Etwas mehr Sorgfalt bei der Vertonung hätte da durchaus gut getan. Zumal die ursprünglichen Render-Videos ersatzlos gestrichen wurden. Ansonsten bleibt beim grundlegenden Aufbau der Kampagnen alles beim Alten. Die Entwickler haben lediglich hier und da ein paar Feinheiten angepasst, um die Missionen beziehungsweise die Missionsziele zu optimieren. Aber grundsätzlich geht es nach wie vor darum eine Basis zu errichten, Truppen zu rekrutieren und den Feind zu besiegen. Gelegentlich müssen ein Artefakt gestohlen oder eine bestimmte Zahl an Rohstoffen herangeschafft werden. Der Technologiebaum ist für alle Völker gleich, aber nicht jede Zivilisation hat Zugang zu allen Forschungen. Quelle: PC Games Der Technologiebaum ist für alle Völker gleich, aber nicht jede Zivilisation hat Zugang zu allen Forschungen.

Technologischer Fortschritt

Zur besonderen Faszination eines Age of Empires gehören das zielstrebige Entwickeln immer neuer Technologien und der Fortschritt zur nächsten Entwicklungsstufe. Beginnend in der Steinzeit verbessert ihr Einheiten und Produktionsmethoden und steigt so nach und nach bis zur vierten Stufe auf, der Eisenzeit. Der auf verschiedene Gebäude verteilte Forschungsbaum umfasst diverse militärische und zivile Entdeckungen, mit denen zum Beispiel Einheiten gestärkt und ganz neue Truppentypen freigeschaltet werden. Grundlegend sind die Technologien für alle Völker die gleichen. Ob ihr Römer oder Perser spielt, führt lediglich zu Unterschieden im Detail. So können die Römer keine schwere Kavallerie und berittene Bogenschützen erforschen, während die Perser auf fortschrittliches Kriegsgerät wie schwere Katapulte verzichten müssen.

Über mangelnde Auswahl an verschiedenen Einheiten muss sich aber keines der Völker Sorgen machen. Von verschiedenen Infanterieeinheiten mit Schwertern und Speeren, über Schützen, die zu Fuß oder beritten unterwegs sind, bis hin zu mächtigen Einheiten wie Kriegselefanten, Katapulten und Kriegsschiffen wird allerhand geboten. Dabei setzt das Spiel auf ein klassisches Stein-Schere-Papier-Prinzip. Fernkämpfer sind im Vorteil gegen langsame Infanterie, Reiter überrumpeln Bogenschützen und Belagerungsmaschinen sind vor allem gegen Gebäude sinnvoll. In diese Spielmechaniken wurde für das Remaster nicht eingegriffen.

Komfortzone

Getan hat sich dagegen einiges bei Bedienung und Interface. Die starre Benutzeroberfläche des Originals wurde gegen ein modernes und schlankeres UI ersetzt. So werden die Bereiche für Informationen, Baumenü beziehungsweise Befehle nur noch eingeblendet, wenn entsprechende Einheiten und Gebäude ausgewählt sind. Die nützlichste Neuerung in der Bedienung ist ein Button neben der Ressourcenanzeige, mit dem sich untätige Dorfbewohner aufspüren lassen. Das ist heute in vielen Strategiespielen völlig normal, im Original war so eine Funktion noch nicht zu finden.

Felder sind jetzt keine starren Hindernisse mehr und lassen sich einfach per Rechtsklick erneuern. Quelle: PC Games Felder sind jetzt keine starren Hindernisse mehr und lassen sich einfach per Rechtsklick erneuern. Allerdings haben die Entwickler nicht auf Teufel komm raus jede Komfortfunktion, an die sich Spieler in den letzten zwei Jahrzehnten gewöhnt haben, in das Remaster übernommen. Stattdessen ist ihnen eine ganz gute Balance an verbesserter Bedienbarkeit, bei gleichzeitiger Beibehaltung des ursprünglichen Spielgefühls gelungen. Per Rechtsklick erneuerbare Felder, ein Bereichsangriff für Einheiten und die Anhebung der maximal gruppierbaren Einheiten von 25 auf 36 sind willkommene Erleichterungen. Verzichtet haben die Entwickler dagegen auf die Einführung von Formationen, sich automatisch anpassende Geschwindigkeiten oder Patrouillen-Befehle. So werden die grundlegenden Eigenheiten des Gameplays beibehalten und dem Spieler dennoch ein paar Verbesserungen geboten.

Bei der Suche nach der perfekten Balance wurde aber auch an der falschen Stelle gespart. Wirklich nicht mehr zeitgemäß und schlichtweg nervig ist die Wegfindung in Age of Empires. Gepaart mit der Tatsache, dass freundliche Einheiten nicht durch sich hindurch gehen können und sehr weitreichende Hitboxen haben, wird es teilweise zu einer Qual, jede größere Armee durch das Gelände zu navigieren. Besonders an Engstellen, die vor allem auf den speziell designten Kampagnenkarten gerne vorkommen, kann das zum echten Problem werden. Hier hätte man durchaus etwas mehr mit der Zeit gehen können.

Zeitgemäß erneuert wurde dagegen die Soundkulisse des Spiels. Der ikonische Soundtrack wurde mit einem Orchester komplett neu aufgenommen und bietet wieder je nach Volk unterschiedlichste Klänge. Mit etwas mehr als einer Stunde Spielzeit fällt der offizielle Soundtrack auch fast doppelt so umfangreich aus als noch im Original. Damals mussten die Entwickler noch auf den stark beschränkten Platz einer CD-ROM Rücksicht nehmen. Heute ist das kein Problem mehr, weshalb auch die Geräusche und sonstige Soundeffekte in einer klareren Qualität daher kommen.

Community-Werkzeuge

Erfreulich ist, dass der Szenario-Editor des Vorgängers wieder seinen Weg ins Spiel gefunden hat. Mit dem umfangreichen Tool erstellt ihr eigene Karten, legt Besonderheiten für die Völker fest und fügt mehrere Einsätze sogar zu ganzen Kampagnen zusammen. Selbst nach dem Durchspielen der Für Modernisierungen im Editor, besonders beim UI, hat die Zeit offenbar nicht mehr gereicht. Quelle: PC Games Für Modernisierungen im Editor, besonders beim UI, hat die Zeit offenbar nicht mehr gereicht. zehn mitgelieferten Kampagnen dürfte die Community also für jede Menge Nachschub sorgen. Etwas verwunderlich ist lediglich, dass nicht alle Neuerungen beim Editor angekommen sind. Denn statt des schicken neuen Interface nutzt dieser noch die alte Benutzeroberfläche.

Modern ist dagegen die Anbindung an Xbox Live. Microsoft nutzt seine Plattform, um alle Online-Features des Strategiespiels abzuwickeln. Neben der Verwaltung von Erfolgen und der Verbreitung von Neuigkeiten gehört dazu natürlich auch der Mehrspieler-Modus. Bis zu acht Spieler können gegeneinander antreten. Dabei sind die gleichen Einstellungen wie in normalen Skirmish-Partien möglich. Außerdem werden über Xbox Live sehr bequem und automatisch alle eure Einstellungen und Savegames synchronisiert. Da Internet vor 20 Jahren noch kaum verbreitet war, trafen sich die Spieler damals noch im LAN für Mehrspieler-Partien. Das ist auch mit dem Remaster wieder möglich. Heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Tradition gegen Moderne

Mit der Definitive Edition ist es Microsoft in jedem Fall recht eindrucksvoll gelungen, dem Klassiker wieder neues Leben einzuhauchen. Gerade optisch zeigt das Spiel welchen Charme komplett auf 2D-Sprites basierende Spiele auch heute noch haben können. Vieles am Gameplay von Age of Empires wirkt heute aber altbacken und wird kaum einen neuen Spieler begeistern. Entsprechend werden die Anpassungen an moderne Genre-Standards selbst für den einen oder anderen Fan nicht weit genug gehen. Auf der anderen Seite werden sich einige Puristen bereits an den vorgenommenen Veränderungen stören. Optional hinzuschaltbare Komfortfunktionen wären hier eine Möglichkeit gewesen, für beide Seiten ein gutes Spielgefühl zu liefern.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Spielprinzip noch immer Spaß macht. Die Entwickler haben sich für eine Balance zwischen Traditionswahrung und Moderne entschieden, die durchaus funktioniert. Herausgekommen ist ein Spiel, das so aussieht und sich so anfühlt, wie man es sich in seiner verklärten Erinnerung bewahrt hat.

Metacritic bewertet das Spiel mit 69%.

Meinung

Wertung zu Age of Empires: Definitive Edition (PC)

Wertung:

8.2 /10
Pro & Contra
Wunderhübsche 2D-GrafikZehn KampagnenGesprochene KampagnentexteNeu intonierter SoundtrackSzenario-Editor …Neue Komfortfunktionenaufgeräumtes InterfaceMultiplayer über Internet und LAN
Wegfindung mit deutlichen SchwächenMehr (optionale) moderne Anpassungen währen wünschenswert gewesenKI gelegentlich mit AussetzernKampagnenvideos gestrichen… dessen Interface aber nicht an das neue Design angepasst wurde

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