Ad Infinitum: Was wurde aus dem lang erwarteten Spiel? - Reportage
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Darum mussten wir acht Jahre auf Ad Infinitum warten - und darum dürfte der Psycho-Horrortrip die Geduldsprobe wert gewesen sein, wenn er erscheint.
Um ein Spiel zu entwickeln, braucht es wenig überraschend eine Finanzierung. Kleine Indie-Spiele programmieren ambitionierte Laien durchaus auch in ihrer Freizeit, aber für größere Projekte muss in der Regel ein Investor her. Löhne müssen gezahlt werden, Arbeitsgerät angeschafft und auch Arbeitsfläche kostet Miete. Da kam es sehr gelegen, dass mit der Studiogründung 2019 auch die Computerspielförderung des Bundes an den Start ging. Mit einer ersten staatlichen Finanzierung entwickelte das junge Team einen Vertical Slice (eine Art Minilevel, der einen Einblick in das spätere Spiel geben soll) und gewannen Nacon als Publisher. Wohl aber unter der Voraussetzung, dass ein Teil der Finanzierung weiterhin von deutscher Seite übernommen wird - eigentlich kein Problem, dachte man.
Doch ein Problem
Das Geld aus der berüchtigten Förderung floss, wie auch bei anderen Projekten, aber unter teils abstrusen Bedingungen. Solange die Förderung noch nicht feststand, durften die Entwicklungen für das entsprechende Projekt nicht starten. Fing man mit seiner Arbeit auf gut Glück an, so erhielt man automatisch eine Absage vonseiten des Bundes.
Durch extreme Wartezeiten sprangen kleinen Studios so aber die Publisher ab, die ebenfalls an der Finanzierung beteiligt waren - Leerlauf ist schließlich schlecht fürs Geschäft. Ähnlich ging es bei Hekate zu, allerdings mit einem anderen Ausgang. Nacon willigte ein, die komplette Finanzierung zu übernehmen und machte die Förderung somit obsolet.
Quelle: Nacon
Ein Blick in Lukas' und Thomas' Gesichter zeigt deutlich Dankbarkeit. Und auch, dass sie auf der hauseigenen Publisher-Messe ihr Spiel vorstellen können und sich Journalisten tatsächlich für ihr Projekt interessieren, erstaunt sie anscheinend.
Die Bescheidenheit steht entgegengesetzt zum Vertrauen, dass die beiden ihrem Projekt entgegenbringen. Hinter der langandauernden Entwicklung steckt viel Mühe und Hekate hat sich herausgenommen, vieles von Hand zu erstellen, statt auf vorhandene Assets zu setzen.
So fuhren sie sogar extra in eine Fabrik 70 Kilometer vor Berlin und nahmen dort vier Tage lang Töne auf, um die richtige Atmosphäre zu treffen.
Aus ähnlichen Gründen haben es eine Gasmasken-Replika und eine Handsirene ins Entwicklerstudio geschafft. Um den maximalen Effekt aus dem Psychohorror-Setting herauszuholen, soll alles möglichst authentisch sein. Beim Design wurde ebenfalls jedes Detail bedacht und ausdiskutiert, bis hin zu den Fingernägeln der Kreaturen.
Was lange währt, wird endlich gut
Mein ausschweifendes Interview habe ich übrigens geführt, bevor ich selbst Hand an den Controller legen konnte. Meine Eindrücke habe ich also nicht komplett frisch und ohne Vorwissen gewonnen. Das hat dem Erlebnis aber nur wenig geschadet. Ich empfinde es zwar meistens als besser, ein Spiel komplett ohne Vorkenntnisse zu starten, aber trotzdem ging das Konzept auf.
Trotz des Unbehagens angesichts eines Horrorspiels wollte ich immer weitermachen. Den nächsten Brief finden, das nächste Rätsel lösen, den Telefonhörer abnehmen - gut, der Blutspur wollte ich nicht wirklich folgen, in Ermangelung einer Alternative habe ich aber auch das gemacht.
Und nicht nur, weil es mein Job ist, sondern auch, weil ich mehr sehen wollte. Die Welt ist nicht nur glaubwürdig und voller Anspielungen, die mich zum Erkunden bringen; sämtliche Texte und die immersive Welt haben etwas zu erzählen, dass es wert ist, gehört zu werden.
Seichte Kost darf man trotz Casual -Gameplay allerdings nicht erwarten. Ad Infinitum ist dafür gemacht, zum Denken anzuregen und den Spieler mit intensiven Eindrücken zurückzulassen.
Lukas und Thomas haben mir jetzt schon verraten, dass es af viele Fragen keine abschließenden Antworten geben wird. Wie viele Fragen in den rund sieben Stunden Spielzeit aufgeworfen werden, ob sich alleine durch die verschiedenen Enden ein erneutes Durchspielen lohnt und ob Ad Infinitum über die erste Stunde hinaus hält, was es verspricht, erfahrt ihr im September, wenn das Spiel voraussichtlich erscheint.
