Der Acer Predator Helios 700 im Test: ein echter Sternenzerstörer unter den Gaming-Laptops

Test Maximilian Schwind Maria Beyer-Fistrich
Der Acer Predator Helios 700 im Test: ein echter Sternenzerstörer unter den Gaming-Laptops
Quelle: Acer

Acer hatte für das Design des Predator Helios 700 anscheinend die imperialen Sternenzerstörer aus Star Wars vor Augen. Beide sind nämlich massig, wuchtig und extrem respekteinflößend! Das gilt nicht nur für die Optik, sondern auch für die Komponenten. Wir verraten euch im Test, ob der Gaming-Laptop von Acer etwas taugt.

Gaming-Laptops und -Notebooks wurden eigentlich dazu konzipiert, damit Zocker unterwegs nicht auf ihre Lieblingsgames verzichten müssen. Verabschiedet euch von dieser Vorstellung beim Acer Predator Helios 700. Wenn wir in der Überschrift von einem Zerstörer sprechen, dann meinen wir das auch so: Der Rechengigant bringt satte 4,5 Kilo auf die Waage. Dick im Geschäft ist der Koloss jedoch nicht nur wegen seines Kampfgewichts, sondern auch aufgrund seiner Technik - und die mutet auf dem Datenblatt viel mehr wie ein Fullbody-PC an. Zu allem Überfluss packen die Taiwaner ein komplexes Kühlsystem ins Gehäuse inklusive verschiebbarer Tastatur sowie der Möglichkeit, die CPU und GPU mit einem Mausklick (oder Knopfdruck) zu übertakten. Wir lügen nicht, wenn wir behaupten, dass der Acer Predator Helios 700 den beste Gaming-Laptop ist, den wir bisher auf dem Schreibtisch hatten.

Acer Predator Helios 700 Produkt-Shot6 Quelle: Acer Acer Predator Helios 700 Produkt-Shot6

Robustes Schwergewicht

Bevor wir uns den inneren Werten widmen, checken wir das Äußere ab. Das Chassis des Boliden besteht rundum aus Kunststoff, der haptisch einen wertigen Eindruck macht. Auch beim Aufklappen des Bildschirms verzieht sich nichts. Nach einem verräterischen Knarzen werdet ihr vergebens lauschen. Links, rechts und an der Rückseite sitzen neben den blau eingefärbten Kühlrippen, die dem Schoß-Rechner einen coolen wie futuristischen Look verleihen, allerlei Anschlüsse. Hier hat der Hersteller an so gut wie nichts gespart. Rechter Hand findet ihr jeweils einen Thunderbolt- und USB-C-Eingang sowie eine USB-3.0-Buchse. Linker Hand gesellen sich noch mal zwei USB-3.0-Anschlüsse hinzu sowie jeweils ein Audioein- und -ausgang. Ein Slot für den LAN-Stecker komplettiert die Riege. Die Rückseite offeriert neben HDMI und einem vollwertigen Display-Port auch die Stromzufuhr. Aber Obacht: Der AC-Adapter ist fett und wiegt über ein Kilo! Das Anschlussraster ist nahezu perfekt. Um wirklich ausnahmslos alles Wichtige bedienen zu können, fehlt lediglich ein SD-Kartenleser. Letzteres ist jedoch verschmerzbar.
Zusätzliche Tastenkappen für einen niedrigeren Hub. Quelle: SFT Zusätzliche Tastenkappen für einen niedrigeren Hub.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal findet sich übrigens nur in aufgeklapptem Zustand. Die Tastatur - natürlich inklusive RGB-Beleuchtung - kommt nicht nur mit Numpad, sondern einem exklusiven Schiebemechanismus. Dieser erlaubt es, das Tastenfeld zu sich zu ziehen, was wiede­rum ein zusätzliches Lüfter-Duo enthüllt. Außerdem wechselt der Rechner automatisch in den Overclocking-Modus. Kurz gesagt: Mit einem Handgriff bekommt ihr einen Kraftschub, falls dieser im Spiel spontan nötig sein sollte. Alles Weitere zum Rutsch-Keyboard haben wir im Kasten unten zusammengefasst. Die Anschläge der Tasten selbst haben einen hohen Hub und sind damit sowohl zum Zocken als auch zum Tippen längerer Texte bestens geeignet. Für zusätzliche Präzision legt Acer außerdem ein Mäppchen ins Paket, das fünf "Magforce" getaufte Schalter (W, A, S, D und eine Zusatztaste) sowie ein Tool zum Auswechseln beherbergt. Die blauen Plättchen haben an der Unterseite eine kleine Feder montiert, die beim Drücken einen stärkeren Widerstand haben, was zielgenaueres Laufen und Navigieren möglich macht. Für Zocker reaktionsintensiver Shooter ist das ein Segen. Zudem besitzen die Magforce-Schalterchen einen weicheren Druckpunkt.

Bitte ziehen!

Das cleverste Feature steckt in und unter der Tastatur. Durch leichtes Ziehen lässt sich das Bedienfeld nämlich bewegen, wodurch zusätzliche Kühleinheiten ins Spiel kommen. Diese saugen Luft an, um die Technik im Innern zu kühlen. Bei Office-Nutzung brauchen Sie diese freilich nicht, aber gerade bei leistungsfressenden Spielen lohnt sich das Zuschalten der Ventilation und das Umschalten in den Overclocking-Modus. Der Gleitmechanismus des Keyboards läuft butterweich, und obwohl es keinen großen Kraftakt braucht, um die Tastatur zu ziehen, klinkt sich das Feld auch bei angeregtem Zocken nicht aus. Das Tracking-Pad lässt sich zudem weiterhin benutzen, auch wenn die Abwinkelung Geschmackssache ist. Wir haben das entgegenkommende Tastenbrett außerdem als recht angenehm empfunden, da man so die Ellbogen beim Daddeln auf den Stuhllehnen ruhen lassen kann.

Am oberen linken Ende des Keyboards befinden sich außerdem eine Profiltaste, mit der ihr euch durch drei von euch vorkonfigurierte Einstellungen hangeln, drei Makrotasten sowie ein Turbo-Button. Mit diesem gibt der Helios 700 Vollgas und treibt die Technik bis zum Anschlag. Der Unterschied zum herkömmlichen Overclocking-Modus: Dieser lässt sich individualisieren, indem man künstliche Obergrenzen bei der Taktung einstellt. Im Turbomodus jedoch gehen CPU und GPU bis zum Maximum. Alle Übertaktungsmöglichkeiten finden sich in der mitgelieferten Applikation PredatorSense. Die Software erlaubt aber noch weitere Spielereien. Wir sind begeistert von der Möglichkeit des Overclockings und der Tatsache, dass Acer Neulingen ein Tool an die Hand gibt. Somit läuft kein Nutzer Gefahr, der Technik auf Dauer Schaden zuzufügen, und man kommt dennoch in den Genuss der Übertaktung, vorausgesetzt man interessiert sich dafür. Überraschend: Selbst mit der Frequenznadel im Anschlag wird der Helios 700 lediglich moderat laut. Man hört die Lüfter zwar deutlich (logisch, schließlich wird die Technik ans Limit getrieben), wer jedoch mit Kopfhörer zockt, bekommt davon nichts mit. Das beweist auch, dass die drei Kühlrippen-Leisten und die beiden zusätzlichen Kühler unterhalb der Tastatur sowie das dicke Gehäuse nicht nur reine Deko sind. Uns jedenfalls kamen die Ventilatoren nicht zu laut vor.

Bildergalerie

Schlachtschiff auch im Herzen

"Kleider machen Leute", wenn man nach dieser Faustregel geht, dann macht das Chassis die Technologie - zumindest bei Acers Flaggschiff stimmt das. Ausgerüstet ist der Klapp-PC mit einem 144-Hertz-IPS-Panel, das in Full HD (1.920x1.080 Bildpunkte) auflöst und mit einer Bildschirmdiagonale von 17,3 Zoll zu den größeren Vertretern seiner Art gehört, jedenfalls im Portable-Segment. Die Reaktionszeit beträgt drei Millisekunden. Der Bildschirm strahlt mit rund 300 Candela pro Quadratmeter (Nits) und bringt so starke Kontraste und realistische Farben aufs Tableau. Wer sich zwischendurch gerne die eine oder andere Folge seiner Lieblingsserie auf Netflix gönnt, darf beruhigt den Play-Button drücken. Entsprechende Presets finden sich im Übrigen in der mitgelieferten Software. Interessanter noch als das Display sind CPU und GPU. Auf dem Motherboard gibt ein brandaktueller Intel Core i9-9980HK den Takt an. Der Achtkerner hat eine Basisfrequenz von 2,40 GHz und kann im Turbomodus auf bis zu 5 GHz getrieben werden. 32 GByte Arbeitsspeicher unterstützen den Prozessor. Der Cinebench spuckt uns ein Ergebnis von erstaunlichen 1.640 Zählern aus. Zum Vergleich: Der Intel Core i9-8950HK, die nächstniedrigere Version, schafft es im Acer Predator Helios 500 "nur" auf 1.378 Punkte. Des Weiteren ist eine 1-TB-SSD verbaut.

Als Grafikeinheit arbeitet eine Nvidia Geforce RTX 2070 mit acht GByte Tastaturbeleuchtung in Predator Sense. Diese lässt sich für jede Taste wählen. Quelle: SFT Tastaturbeleuchtung in Predator Sense. Diese lässt sich für jede Taste wählen. GDDR6 VRAM in Acers Sternenzerstörer. Das bedeutet: Raytracing ist mit an Bord! Gsync sucht ihr jedoch vergebens. Wer gerne noch mehr Grafikpower möchte, kann den Helios 700 auch mit einer Nvidia Geforce RTX 2080 haben. Hier ruft der Fabrikant noch mal zusätzlich 500 Euro auf. Ihr braucht jedoch nicht zwingend die teurere Variante, um erstaunliche Ergebnisse bei den Benchmarks zu erzielen. Im 3D Mark mit dem Benchmark Sky Diver sprengt das Schlachtschiff mit 45.173 Punkten unsere bisherige Skala für Gaming-Laptops. Im Fire Strike schafft die Technik bockstarke 17.777 Einheiten. Beide Ergebnisse wurden im normalen Modus erzielt. Bei voller Übertaktung überflügelt der Helios 700 diese freilich nochmals. Es gibt jedoch eine Disziplin, in der der Rechner relativ schlecht abschneidet, was wenig verwunderlich ist. Die Akkulaufzeit beläuft sich laut unserer Überprüfung mit Power Mark Battery Bench auf gerade mal eine Stunde und 41 Minuten. Überraschend ist das nicht. Gaming-Laptops und -Notebooks sind regelrechte Stromfresser - das Helios 700 noch mehr.

Einmal Ultra mit allem

Tasten färben und
Technik triezen


Mit der Predator-Begleitsoftware dürfen Sie den Rechenprotz nach persönlichem Gusto einrichten.
Viel Gaming-Peripherie kommt mittlerweile mit Software. Das auf dem Helios 700 vorinstallierte PredatorSense-Programm erlaubt es Ihnen, den Gaming-Bomber auf Ihre Bedürfnisse einzustellen. Das beginnt bei der Beleuchtung. So lassen sich nicht nur diverse Effekte einstellen, sondern Sie können jeder einzelnen Taste eine eigene Farbe zuweisen und diese Layouts in mehreren Profilen abspeichern. Drei davon lassen sich in den Kurzwahltasten auf der Tastatur ablegen. Der zweite wichtige Reiter ist das „Übertakten“. Wie der Name schon sagt, lässt sich der Helios in diesem Menü auf Knopfdruck overclocken. Abgesehen davon lassen sich auch die Lüfter manuell steuern. PredatorSense dient außerdem als Überwachungs- und Analyse-Software, mit der Sie das technische Gebaren gezielt ausmachen können. In Verbindung mit der gleichnamigen Smartphone-App klappt das sogar während ausgedehnter Daddel-Sessions.

Der spaßige Teil der Testphase beginnt dann, wenn man mit Boliden endlich daddeln darf - und das haben wir ausgiebig getan. Das Action-Adventure Shadow of the Tomb Raider läuft im normalen Modus und mit maximalen Details inklusive Raytracing durchgängig mit rund 80 Bildern pro Sekunde, selbst wenn es hektisch wird. Somit genießen wir einen angenehm flüssigen Bildlauf, der ohne zu laute Lüftergeräusche seitens des Helios 700 begleitet wird - ein Kinderspiel für das Flaggschiff. Auch bei mannstarken Kämpfen auf den Schlachtfeldern von Battlefield 5 kam der Rechen-Behemoth nicht ins Schwitzen. Nicht mal gelegentliche Framedrops gibt es zu beanstanden. Allerdings muss die Kühlung noch ein paar Schippen drauflegen, wenn sich viele Spieler auf dem Bildschirm tummeln. Raytracing, das Spiegelungen auf Wasser und Feuerbewegungen in Echtzeit berechnet, führt während keiner unserer Testszenarios zu Rucklern. An dieser Stelle zeigt sich erneut das hocheffiziente Kühlersystem. Richtig heiß wird unser Gerät nie und das bei einer vergleichsweise leisen Lüfterlautstärke. Selbst wenn es grafisch mal hoch hergeht, hat man immer die Möglichkeit, die Tastatur auszufahren oder gar den Turbo anzuschmeißen. Bis es so weit kommt, dürftet ihr allerdings eine ganze Weile zocken.

Meinung

+ Bockstarke Technik
+ Verschiebbare Tastatur für zusätzliche Lüfter
+ Kinderleichtes Overclocking
+ Sehr effektives Kühlsystem
- Schwache Akkulaufzeit
Unsere Wertung Quelle: SFT Unsere Wertung

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