AMD Ryzen Threadripper: Leistung, Fazit und Mainboard-Marktübersicht

Special Antonio Funes
AMD Ryzen Threadripper 1950X
Quelle: AMD

Nachdem die Threadripper-CPUs nun seit einigen Wochen auf dem Markt sind, haben wir diverse Tests unter die Lupe genommen, um die Leistung der Enthusiasten-Prozessoren zu beurteilen. Im Fokus sind der Threadripper 1920X und 1920X, aber auch der 1900X ist mit dabei.

Threadripper: Leistung

Wir haben uns mehrere Tests von verschiedenen Websites und Magazinen genau angesehen und statistisch zusammengefasst, um eine Aussage zu der Leistung der AMD Threadripper-CPUs treffen zu können. Auch Tests unserer Kollegen der PC Games Hardware sowie auch von Golem sind mit bei unserer Analyse dabei gewesen und hatten beide den AMD Ryzen Threadripper 1950X sowie 1920X im Fokus.

Diese beiden CPUs waren bei den meisten Tests ebenfalls im Blickfeld - der AMD Ryzen Threadripper 1900X wurde hingegen eher selten getestet, unter anderem da er auch etwas später erst auf den Markt kam. Wir blicken daher vor allem auf den Threadripper 1920X und 1950X MSI X399 Gaming Pro Carbon AC (ab 345 Euro) Quelle: MSI MSI X399 Gaming Pro Carbon AC (ab 345 Euro)

  • Der Threadripper 1950X sowie auch der 1920X liegen in Spielen bei Full-HD (1920 mal 1080 Pixel) in etwa auf einem Level mit dem AMD Ryzen 5 1600X oder Ryzen 7 1800X sowie auch dem Intel Core i7-7900X. CPUs wie der Core i7-7700K (ab 350 Euro) sind allerdings 10 bis 13 Prozent schneller. Dies zeigt, dass die so genannten Enthusiasten-CPUs nicht unbedingt für reine Spieler geeignet sind.
  • Die genaue Leistung hängt aber - wie so oft bei Prozessoren und Grafikkarten - vom jeweiligen Spiel ab. So sind die Threadripper-CPUs beispielsweise im Test unserer Kollegen der PC Games Hardware (Auflösung: 1280 mal 720 Pixel) bei F1 2015 klar vor dem Ryzen 7 1800X, bei Crysis 3 gewinnt wiederum der Sockel AM4-Achtkerner, und in den Spielen Witcher 3 sowie Assassin's Creed: Syndicate liegen alle drei CPUs nur ein bis zwei Prozent voneinander entfernt.
  • Unter UHD (3830 mal 2160 Pixel) verkürzt sich der Abstand, da die Grafikkartenleistung relevanter wird. So liegt beispielsweise der Core i7-7700K in unserer Analyse nur noch etwa fünf Prozent vor den Threadripper-CPUs und nicht - wie unter Full-HD - 10 Prozent oder mehr.
  • Bei Anwendungen können die beiden Threadripper-CPUs aber punkten. Den älteren Core i7-CPUs von Intel für den Sockel 2011-3 sind beide AMD-CPUs um etwa 10 Prozent und mehr überlegen. Der Abstand zu einem Core i7-7700K beträgt sogar 30 Prozent und mehr. Den Preis-Leistungs-Sieger bei den Sockel AM4-Modellen, den Ryzen 7 1700X (325 Euro), überholen der Threadripper 1920X und 1950X um 25 bis 35 Prozent.
  • Natürlich hängt es bei Anwendungen enorm davon ab, von welchem Programm die Rede ist. So zeigt ein Test bei WinZip einen Vorsprung des Threadripper 1920X und 1950X von 15 bis 25 Prozent im Vergleich zu einem Intel Core i7-7900X. Beim Umwandeln von Bildern per Photoshop ist hingegen ein Core i7-7700K schneller als beide Threadripper und auch schneller als die Intel-Brüder für die Sockel 2011-3 und 2066.
  • Auch der Effekt von Quadchannel hängt von der Anwendung ab. In manchen Programmen zeigt sich ein Unterschied von nur ein bis zwei Prozent im Vergleich zu Dualchannel, beim Verschlüsselungstool True Crypt zeigte sich in einem der Test, dass über 70 Prozent mehr Megabyte pro Sekunde verschlüsselt werden konnten.
  • Die Leistung des Threadripper 1900X liegt in Spielen auf dem Level seiner beiden direkten Verwandten, in Anwendungen fällt er aber erwartungsgemäß ein wenig zurück. Enttäuschend ist aber, dass er kaum mehr Leistung zeigt als der 100 Euro günstigere Ryzen 7 1800X, für den es zudem auch günstige Mainboards unter 100 Euro gibt - für den AMD Sockel TR4 sind mindestens 300 Euro fällig. Das Thema Mainboard wird übrigens in unserem gleich folgenden Fazit auch eine wichtige Rolle spielen.
  • Ein kurzes Wort noch zum Thema Strombedarf: die beiden Threadripper 1920X und 1950X liegen bei voller last ein wenig unterhalb eines Intel Core i7-7900X, benötigen aber etwa 90 Watt mehr Strom als ein Ryzen 7 1800X, beinahe 130 Watt mehr Strom als ein Ryzen 1700X und etwa 120 Watt mehr als ein Intel Core i7-7770K. Dies aber, wie erwähnt, bei voller Last aller Kerne. Für jede Stunde Volllast pro Tag könnt ihr von etwa 11 Euro Mehrkosten pro Jahr ausgehen, wenn der Strombedarf eines PCs um 100 Watt höher als der eines anderen PCs ist.

Fazit: gute CPUs für Anwender, für Gamer wenig empfehlenswert

Wer oft und intensiv mit bestimmten Anwendungen arbeitet und auch häufiger mehrere Programme parallel betreibt, dabei auch mehr als acht Kerne benötigt, der findet mit dem AMD Ryzen Threadripper 1920X und 1950X zwei sehr gute CPUs, die in Sachen Preis-Leistungsverhältnis Intel schlagen können.

ASRock X399 Taichi (ab 340 Euro) Quelle: ASRock ASRock X399 Taichi (ab 340 Euro) Und dies auch trotz der Mainboardpreise, die weitere 100 Euro über denen für Intels Sockel 2066 liegen. Für Spieler, die nur einige alltägliche Anwendungen nutzen, sind die Threadripper-CPUs aber angesichts der Preise nicht zu empfehlen, was für Intels Enthusiasten-Prozessoren ohnehin schon vorher ebenso galt. Freilich kann zwar das hohe Angebot an Kernen und Threads in einzelnen Fällen helfen, wenn man beispielsweise spielt und gleichzeitig die Gamingaction aufnimmt oder streamt. Aber selbst dann ist es selbst für die, die sich etwas Luxus gönnen wollen, sehr fraglich, ob der Aufpreis im Vergleich zu einem AMD Ryzen 7 1700X oder 1800X, die ja beide acht Kerne bieten und 16 Threads verwalten können, in Ordnung ist. Denn zusammen mit einem passenden Mainboard sind selbst beim Threadripper 1920X mindestens 1100 Euro fällig. Einen AMD Ryzen 7 1700X inklusive einer ordentlichen Hauptplatine bekommt ihr schon für 400 Euro, mit einem guten Übertaktermainboard für 450 Euro. Vor allem der Threadripper 1900X entpuppt sich bei dem Blick auf den Sockel AM4 eher als Flop, außer man ist aus irgendwelchen Gründen zwingend auf die Features angewiesen, die der Threadripper 1900X bietet wie beispielsweise Quadchannel und ein paar mehr PCIe-Lanes. Ansonsten wäre eher der Griff zum Sockel AM4 oder einem Intel Core i7-7820X angebracht - oder man wartet auf die für Oktober erwarteten neuen Intel-CPUs der Coffee Lake-Familie und schaut, ob man nicht hier am besten bedient wird.

Mainboards für den Sockel TR4

Zum Abschluss wollen wir noch eine Marktübersicht zu den Mainboards anbieten, die den Sockel TR4 und somit die drei bisher erhältlichen Threadripper-CPUs unterstützen. Da es sich derzeit um nur sieben Modelle handelt, ist unsere Tabelle naturgemäß sehr übersichtlich. Wie schon zuvor erwähnten sind die hohen Preise für die Hauptplatinen ein Faktor, den ihr unbedingt einplanen müsst, wenn ihr den Kauf einer Threadripper-CPU in Erwägung zieht und es euch auch um das Preis-Leistungs-Verhältnis geht.

Modell Formfaktor PCIe 2.0 x4 PCIe 2.0 x1 USB extern SATA3 Lüfter Preis ab
Asus Prime X399-A E-ATX 1 1 2x 3.1 / 8x 3.0 6 6 310 Euro
MSI X399 Gaming Pro Carbon AC ATX 0 2 2x 3.1 / 8x 3.0 / 2x 2.0 8 4 345 Euro
ASRock X399 Taichi ATX 0 1 2x 3.1 / 8x 3.0 8 3 345 Euro
Gigabyte X399 Aorus Gaming 7 ATX 1 0 2x 3.1 / 8x 3.0 8 6 355 Euro
Asus ROG Strix X399-E Gaming E-ATX 1 1 2x 3.1 / 10x 3.0 6 5 395 Euro
ASRock Fatal1ty X399 Professional Gaming ATX 0 1 2x 3.1 / 8x 3.0 8 3 420 Euro
Asus ROG Zenith Extreme E-ATX 1 1 2x 3.1 / 8x 3.0 6 4 530 Euro

Übrigens: alle sieben gelisteten Mainboards arbeiten mit dem X399-Chipsatz, bieten acht RAM-Slots (bis DDR4-3600), vier PCIe-Slots im x16-Format, von denen zwei auch x16-Speed bieten. SLI und Crossfire sind ebenfalls möglich, eine LED-Beleuchtung ist ebenfalls bei allen sieben Modellen vorhanden. Achtet auf den Formfaktor, denn drei der sieben Modelle benötigen ein PC-Gehäuse mit E-ATX-Standard. Die weitaus meisten typischen Gamer-Gehäuse bieten allerdings nur Mainboards bis ATX genügend Raum.

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