A Total War Saga: Troy im Test - Echtzeit-Strategie mit Mythologie-Einschlag unter der Lupe

Test Antonia Dreßler Lukas Schmid 7,76 €
A Total War Saga: Troy im Test - Echtzeit-Strategie mit Mythologie-Einschlag unter der Lupe
Quelle: Sega

Als Abschluss der Total-War-Saga fasst Creative Assembly mit Troy nichts Geringeres als die Abbildung des Trojanischen Krieges ins Auge. Griechen gegen Trojaner, legendäre Helden, göttlicher Einfluss und mythische Wesen machen diesen Teil der Reihe zu einem nicht ganz so historisch-korrekten Echtzeit-Strategie-Spiel, wie man es von Total War gewohnt ist. Wer sich auf die neuen Mechaniken einlässt, wird trotzdem seinen Spaß haben, denn viele verschiedene Kampagnen mit eigenen Spielmechaniken sorgen nicht nur für gute Unterhaltung, sondern auch für einen hohen Wiederspielwert.

Als dritter Teil der Total-War-Saga-Reihe entführt uns Troy in die Welt der antiken Mythologie. Paris, Sohn des trojanischen Herrschers Priamos, verführt die schöne Helena, Ehefrau des spartanischen Herschers Menelaos. Was heutzutage als Stoff für eine Soap Opera herhalten würde, sorgt in dieser Geschichte für einen zehn Jahre andauernden Krieg zwischen den Griechen und Trojanern.

Die Legende um das Trojanische Pferd, mit dem die Griechen schließlich durch die uneinnehmbaren Mauern Trojas dringen, ist den meisten Menschen wohl bekannt, die genauen Inhalte der griechische Mythenschrift "Ilias" von Homer eher weniger. Doch auf genau dieser Erzählung baut Total War Saga: Troy sein Fundament. So ist fast jeder Held, dem wir begegnen, aus der Ilias entsprungen und kann nicht im Kampf sterben, sondern wird nur verwundet. Auch die Kampagnen orientieren sich an der griechischen Sagenwelt. So hat jeder Held ein Schicksal, das es im Laufe eines Szenarios zu erfüllen gilt, möchte man den Homerischen Sieg davontragen.

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Kampagnen und Götter

Insgesamt gibt es acht Starthelden und -Kampagnen, mit denen man ins Spiel starten kann und die sich in die Fraktionen Danaer (Griechen) und Trojaner aufteilen. Entscheidet man sich für die Danaer, die im Spiel meistens Archäer genannt werden, so ist das ultimative Spielziel die Vernichtung der Trojaner und damit die Rache an Paris. Andersherum muss man in den trojanischen Kampagnen der Bedrohung aus dem Westen ein Ende bereiten. Jeder einzelne Held hat aber natürlich noch eigene Ziele, die es abseits vom großen Krieg zu erfüllen gilt, eigene Gegner, die ihm sein Land streitig machen und ganz persönliche Charaktermechaniken, die nur ihm zur Verfügung stehen.

Die schöne Helena verlässt ihren spartanischen Gatten Menelaos für Paris, den Sohn des trojanischen Königs und löst damit den Trojanischen Krieg aus, der zehn Jahre andauern sollte. Quelle: ,PC Games Die schöne Helena verlässt ihren spartanischen Gatten Menelaos für Paris, den Sohn des trojanischen Königs und löst damit den Trojanischen Krieg aus, der zehn Jahre andauern sollte. Während Paris mit seinem Bruder Hektor um die Gunst seines Vaters kämpft, die ihm letztendlich die Herrschaft über ganz Troja einbringen kann, ist Äneas in der Lage, mit den Toten zu kommunizieren, um große Boni zu erhalten. Sarpedon erringt den Homerischen Sieg über Handel, wohingegen Achilles seine Rivalen schlagen muss, um erneut zur lebenden Legende emporsteigen zu können. Deutlich verschwimmen hier Fiktion und Realität, eigentlich untypisch für die sonst so historiengetreue Total-War-Franchise. Während man in Three Kingdoms zwischen historischem und einem semi-geschichtstreuen Setting wählen konnte, entschied sich Creative Assembly bei Troy gegen eine Teilung. Generäle sind immer übermenschlich stark, aber Wesen der griechischen Mythologie wie Zentauren, Minotauren oder Gorgonen gibt es nur dem Namen nach. Bei ihnen handelt es sich um einfache, menschliche Streitkräfte, die mit Kostümen und besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind.

Um sie zu rekrutieren, muss die Gunst der Götter verdient werden, was für Total-War-Verhältnisse sehr an Fantasterei erinnert. Das umfangreiche Religionssystem ist allgegenwärtig und eine Vielzahl von Missionen verlangt von uns, die Götter positiv zu stimmen, was mit einigen sehr großen Boni einhergeht. So können wir Tempel bauen, Opfergaben darbringen oder einfache Gebete gen Olymp schicken, um dies zu erreichen. Bauen wir einen Tempel, schalten wir die Priesterin frei. Sie stellt mit dem Spion und dem Gesandten die drei Agententypen dar, die, wie in anderen Total-War-Titel auch, eigenständig oder innerhalb der Armee verschiedene Aufgaben übernehmen können.
Ohne die Gunst der Götter, wird man in Troy nicht weit kommen. Zu ihren Ehren opfern wir Nahrung, Gold und alles, was wir sonst noch entbehren können. Quelle: PC Games Ohne die Gunst der Götter, wird man in Troy nicht weit kommen. Zu ihren Ehren opfern wir Nahrung, Gold und alles, was wir sonst noch entbehren können.

Einheiten und Helden

Wer sich auf Zentauren, Minotauren und derlei sagenumwobene Kreaturen freut, wird enttäuscht. Troy versucht die Wahrheit hinter dem Mythos abzubilden und setzt auf spezielle, aber dennoch menschliche Einheiten. Quelle: PC Games Wer sich auf Zentauren, Minotauren und derlei sagenumwobene Kreaturen freut, wird enttäuscht. Troy versucht die Wahrheit hinter dem Mythos abzubilden und setzt auf spezielle, aber dennoch menschliche Einheiten. Natürlich unterscheiden sich nicht nur die Aufgaben der Starthelden voneinander, sondern auch die zur Verfügung stehenden Truppen. Bereits im Auswahlbildschirm nimmt uns das Spiel an die Hand und verrät uns, was für Truppen und Spielweisen zum jeweiligen Charakter gehören. Während der Archäer Agamemnon über sehr ausgeglichene Streitkräfte verfügt, führt Odysseus vor allem schnelle Truppen an, mit denen man vorsichtig und sehr taktisch agieren muss. Die meisten Helden verfügen auch nicht per se über eine Kavallerie, da die Pferde zur Bronzezeit hauptsächlich zum Ziehen von Streitwagen genutzt wurden, die für die meisten Helden erst recht spät im Spiel freischaltbar sind.

Besonders in schweren Szenarien und Gefechten müssen wir taktisch gut planen und Schlachten auch mal wiederholen: Die intelligente KI versucht uns stets einzukreisen und unsere Truppen auseinanderzureißen. Die Folge sind sehr chaotisch wirkende Schlachtfelder, mit weit auseinandergezogenen Truppen. Das klassische Schere-Stein-Papier-Prinzip wirkt natürlich dennoch, wenn auch abgeschwächt. Die über weite Strecken und in vielen Kampagnen fehlende Kavallerie wird ersetzt durch eine große Vielfalt an Infanterie, die mit mehr Geschick gelenkt werden will als Reiter, die von hinten auf ihre Gegner einstürmen.

Reicht eine Armee von maximal 20 Einheiten nicht mehr aus oder kämpfen wir an mehreren Fronten gleichzeitig, muss natürlich eine neue Armee her. Bei der Rekrutierung eines neuen Helden, der als General jedem Kampftrupp vorstehen muss, entscheiden wir zwischen Bogenschütze, Verteidiger, Kriegsheer und Kämpfer. Zudem haben die Helden jeweils eine Persönlichkeit, die bestimmt, wie deren Motivation steigt oder sinkt. Davon abhängig sind sowohl Moralboni und -Strafen der Begleitarmee, sowie die Zuverlässigkeit und Treue des Generals.

Fallen die spielbaren Helden im Kampf, werden sie nur verwundet und erholen sich nach einiger Zeit wieder. Auf dem Schlachtfeld können sie Scharen an Streitkräften in Schach halten und den entscheidenden Vorteil bringen. Quelle: PC Games Fallen die spielbaren Helden im Kampf, werden sie nur verwundet und erholen sich nach einiger Zeit wieder. Auf dem Schlachtfeld können sie Scharen an Streitkräften in Schach halten und den entscheidenden Vorteil bringen. Außerdem gibt die Persönlichkeit eines Helden vor, in welche Richtung er sich spezialisiert. So kann er entweder sich selbst oder die umgebenden Einheiten stärken. Die überaus mächtigen Männer können ganze Massen an Streitkräften bezwingen und erscheinen extra groß auf dem Schlachtfeld. Zweikämpfe mit den gegnerischen Helden mit besonderer Inszenierung gibt es aber nicht. Treffen in der Schlacht Helden aufeinander, kann man sich deren Animationen natürlich genauso anschauen wie die der anderen Einheiten auch, das ist aber kaum der Rede wert.

Erfolgreiche Schlachten und Belagerungen bringen den teilnehmenden Helden Bonuseffekte. Manchmal werden wir für Missionen mit Ausrüstungsgegenständen belohnt, die wir unter unseren Heerführern verteilen können. Theoretisch kann ein Held fest in einer Garnison stationiert werden und für dauerhafte positive Effekte innerhalb einer Provinz sorgen, allerdings sind des Heroen Unterhaltskosten nicht ganz unerheblich.

Handel und Diplomatie

Um unseren Widersachern zuvor zu kommen, müssen wir uns in den Schlachten intelligent positionieren. Hohe Felsen, schlammige Böden und dichte Wälder bieten uns die Chance, einen Vorteil zu erringen. Quelle: PC Games Um unseren Widersachern zuvor zu kommen, müssen wir uns in den Schlachten intelligent positionieren. Hohe Felsen, schlammige Böden und dichte Wälder bieten uns die Chance, einen Vorteil zu erringen. Prinzipiell ist jede einzelne Einheit zwar erschwinglich, wer in Troy aber angemessen Krieg führen will, sollte vorsorglich für genügend Nahrungsquellen sorgen. Hiermit werden alle Truppen und Helden ständig versorgt. Zu den weiteren Spielressourcen gehören Holz, Stein, Bronze und Gold. Jedes dieser Güter kann durch königliche Erlasse gewonnen, oder in entsprechenden Siedlungen abgebaut werden. Stein und Holz ist vor allem für den Stadtausbau bestimmt, Bronze für schwerere Truppen und Gold für Elitekämpfer. Auch die Rituale an die Götter verbrauchen Ressourcen und so muss man intelligent haushalten. Wer seinen Einfluss ausweiten will und dafür Rekruten aushebt, sollte darauf achten, möglichst erst die Stellungen einzunehmen, in welchen auch Nahrung angebaut werden kann, bevor seine Armeen Hunger leiden. Alternativ funktioniert es natürlich auch, in feindlichen Gebieten zu plündern oder zu handeln.

Das Handelssystem ist in gängiger Total-War-Manier an das Diplomatiesystem angebunden und funktioniert entweder als einmaliger Tausch oder Tauschabkommen, welche über mehrere Runden hinweg bestehen. Die eingesetzten Güter können in der Regel nicht eins-zu-eins gehandelt werden, Gold beispielsweise ist wesentlich mehr wert als Nahrung. Wer es schafft, Gold in Massen anzuhäufen, kann selbst zu Anfang, wenn die Ressource noch keinen Nutzen hat, großen Gewinn daraus ziehen, sie gegen große Mengen an alternativen Gütern zu handeln. Der jeweilige Wechselkurs ist zudem abhängig davon, ob es einer Fraktion an der Ware mangelt oder sie diese im Überfluss besitzt.

Jeglicher Handel erfolgt über das Diplomatiesystem. So können wir auch Waren eintauschen, um bestimmte Forderungen durchzubringen. Quelle: PC Games Jeglicher Handel erfolgt über das Diplomatiesystem. So können wir auch Waren eintauschen, um bestimmte Forderungen durchzubringen. Natürlich geht das Diplomatiesystem über den Handelsverkehr hinaus und beinhaltet neben verschiedenen Abkommen auch die Möglichkeit, Forderungen zu stellen. Nichtangriffspakte und militärische Bündnisse gehören ebenso an den Verhandlungstisch, wie die Forderung nach der Auflösung eines Pakts mit einer fremden Fraktion. Wer solche Ansprüche geltend machen will, sollte mit seinem Gesprächspartner nicht nur gut gestellt sein und eine Menge Ressourcen in der Tasche haben, sondern auch erhebliche Macht mit sich bringen - ein stets starkes Argumentationsmittel. Schließlich existieren auch Forderungen, die einzig und allein mit Macht und Stärke durchsetzbar sind. Wer eine andere Fraktion zum Vasall machen will oder seiner Konföderation einverleiben, kann entweder ein Ultimatum stellen, das in den meisten Fällen wohl zum Krieg führt, oder direkt den Krieg erklären.

Wer nicht gerade Agamemnon spielt, sollte allerdings gänzlich auf die Option verzichten, sich andere Völker zu Vasallen zu machen. Denn es ist eine ihm exklusive Spielmechanik, Abgaben zu verlangen und einen Nutzen aus untergebenen Fraktionen zu ziehen. Andere Kampagnenhelden würden durch diese Mechanik nur die Möglichkeit verlieren, ohne Vertrauensverlust die entsprechende Region einzunehmen und bekommen nichts als Dank. Hier hat Creative Assembly Mechaniken begrenzt, die zum Beispiel in Three Kingdoms gängig waren.

Ein genereller Rückschritt ist Total War Saga: Troy aber nicht. Die verschiedenen Mechaniken, die man lernen und Homerischen Siege, die es zu erringen gilt, laden zu etlichen Stunden des Taktierens ein. Die Animationen und die Atmosphäre des Spiels sind ebenfalls gelungen und die Geschichte hinter dem Trojanischen Krieg ist spannend. Wer sich das Spiel nicht schon in den ersten 24 Stunden nach Release kostenlos geholt hat, wird als Fan der griechischen Mythologie oder Echtzeit-Strategie auch für den Vollpreis gut unterhalten. Auch soll bis Ende des Jahres noch einen Multiplayer-Modus hinzugefügt werden. Ein guter und wichtiger Schritt, denn die kompetitiven Schlachten gehören immerhin zu den beliebteren Features der Total-War-Reihe. Je nachdem, wo man sich auf der Welt befindet, unterscheiden sich die Landschaften sehr voneinander, was sowohl zur Atmosphäre als auch zu neuen taktischen Möglichkeiten beiträgt. Quelle: PC Games Je nachdem, wo man sich auf der Welt befindet, unterscheiden sich die Landschaften sehr voneinander, was sowohl zur Atmosphäre als auch zu neuen taktischen Möglichkeiten beiträgt.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu A Total War Saga: Troy (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Viele verschiedene KampagnenInteressantes SettingKomplexes HeldensystemRessourcen-Management funktioniert gutStrategisch herausfordernde Echtzeitkämpfe
Vasallensystem auf einen Charakter begrenztRückschritte in der Spielmechanik(Noch) fehlender Multiplayer
Fazit

Wer sich für griechische Mythologie interessiert, wird hier definitiv nicht enttäuscht. Troy wirft einen interessanten Blick auf die Wahrheit hinter der Fiktion und schafft ein spannendes Setting, das viele Spielstunden zu unterhalten weiß.

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