007 First Light liebt James Bond, verschenkt aber Potenzial mit Klischees, Sponsoring und zu wenig spielerischem Mut.
So sind wir nun also beim Ende unseres Tests angekommen ... nein, reingelegt. So wie ein guter Bond-Schurke haben wir auch dann doch noch etwas zu erzählen, wenn vermeintlich schon alles gesagt wurde. Etwas weiter vorn im Text sprachen wir ominös die Autos im Spiel an - jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sie mal ganz genau mit der Agentenlupe zu betrachten.
In diesem Artikel
Goldfinger im Spiel
Produktplatzierungen sind in der Film- und inzwischen auch der Spielwelt keine Seltenheit. Das kann man ablehnen oder blöd finden, ändert aber nichts an der allgegenwärtigen Praxis. Zumal James Bond seit jeher als Werbefläche genutzt wird. Allerdings: Produktplatzierungen gibt es in mehreren Intensitätsstufen. Sie alle sind im Spiel vertreten. Im besten Fall fällt die Schleichwerbung nicht störend auf, wie eine Softdrink-Dose auf dem Tisch.
Quelle: PC Games
Dank der Q-Abteilung nutzt Bond allerlei Gadgets. Wir können diesen Soldaten mit einer Injektion ablenken, um ihn zu bestehlen.
Auffällig und nah an Grenze zum Augenrollen, aber immerhin zur Erzählung passend ist die edel inszenierte Gadget-Uhr von einer bekannten Marke (die wir natürlich kaufen können, nur ohne die Gadgets und den Körper-Scan).
Und dann gibt es da noch die Stufe "schamlos". Die Schuldigen sind alle im Spiel vertretenen Automarken. Sie werden aufdringlich an den unpassendsten Stellen präsentiert. Ganze Fahrabschnitte dienen offensichtlich nur der Bewerbung eines Geländefahrzeugs und erfüllen sonst keinerlei Sinn. Nebencharaktere unterhalten sich über die Qualitäten der Karre.
Ein Sportwagen steht prachtvoll inszeniert zwischen den Schätzen eines Piratenkönigs, damit Bond und Co. ihn bewundern können. Offensichtlich wurde vertraglich zugesichert, die Markennamen der Sponsoren so oft wie möglich zu nennen, was zu grotesken Situationen führt. Während einer Ballerei bekommen wir einen Funkspruch unseres Begleiters rein: "Schlechte Nachrichten, Bond. Der (setzt hier eine Automarke ein) wurde zerstört!"
Quelle: PC Games
Bond absolviert regelmäßig Kletterpassagen. Auf Ausdauer achten muss man dabei nicht.
Tragischerweise gehören diese absolut peinlichen Produktplatzierungen zu den authentischsten Bond-Parts von First Light. Anders kennen wir es schließlich auch nicht aus dem Kino. James trinkt Bier statt Wodka, wenn die Kohle stimmt. Nur, dass auf der Leinwand zuletzt zumindest ansatzweise versucht wurde, das Sponsoring nicht ganz so plump umzusetzen.
Ein Quantum Trost
Zurück zum Spiel. Es gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Die Leidenschaft von IO für das Ausgangsmaterial ist deutlich spürbar. Dass die Dänen den Weg aus der Komfortzone genommen haben, war die richtige Entscheidung. Um den großen Konkurrenten auf Augenhöhe zu begegnen, hätte es aber mehr Mut gebraucht. Mut, auf Klischees zu verzichten, Mut, Spieler zu fordern, ihnen mehr zuzutrauen, Mut, dem Spiele-Bond Ecken und Kanten zu verpassen und nicht zuletzt Mut, den Sponsoren zu sagen "Vergesst es, wir bauen doch keine Unterhaltung in das Spiel ein, in der von einem Auto geschwärmt wird".
Meinung
007 First Light (jetzt kaufen ) hat somit einiges mit dem jungen James Bond gemein. Man erkennt das Potenzial, es ist ehrgeizig, aber noch ein gutes Stück entfernt von der Bestform.
Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde die Review-Fassung von 007 First Light von IO Interactive gestellt.
