Bewegt sich der neueste Teil der Colin-McRae-Reihe auf Spitzenniveau? Was die Anforderungen an Ihren PC angeht, auf jeden Fall!
Danger!
Frontschürze und Kotflügel abgerissen, Scheibe rausgebrochen. Egal. Hauptsache, der Wagen rollt noch.
An die Gefahren des Rallye-Alltags sollten Sie sich schnell gewöhnen. Das ist notwendig, denn sonst kommt Frust auf. Wenn Sie mit dem Vorderrad in eine Senke auf der Innenseite einer Haarnadelkurve geraten, droht die Tieferlegung durch Achsbruch. Dann sollten Sie lieber das Heck des Wagens durch übermäßigen Einsatz der Handbremse an eine Leitplanke schmeißen. Das reduziert wegen der heraus brechenden Scheiben auch das Fahrzeuggewicht ...
Insbesondere auf australischen Rallye-Abschnitten gilt es, umsichtig zu fahren: Die dicht gestaffelten Wälder am Streckenrand sind nicht zu unterschätzen. Wer bei Tempo 180 eine Bodenwelle ungünstig erwischt oder vor einer scharfen Kurve zu spät in die Eisen geht, der wickelt sich schnell um einen Eukalyptusbaum.
Schadensregulierung
Aus der Cockpit-Perspektive kommt die Action wesentlich deutlicher zur Geltung. Auch das Geschwindigkeitsgefühl ist in der Innenansicht einen Tick besser.
Das aufwändige Schadensmodell darf sich dabei sehen lassen. Die komplett deformierbare Außenhaut der Autos kann nicht nur kalt verformt, sondern auch vollständig weggerissen werden. Die daraus häufig resultierenden Totalschäden sind aber gleichzeitig ein kleiner Kritikpunkt. Denn erst wenn sich ein Rad widerwillig von Achse und Aufhängung trennt, scheidet der Spieler unwiderruflich aus. Daher reißt es uns bei heftigen Crashs praktisch immer ein Rad weg, um den Totalschaden »sicherzustellen«.
Solche fatalen Crashs sehen erschreckend realistisch aus (oder erfreulich, je nach Sichtweise). Speziell in der Cockpit-Perspektive laufen einem Schauer über den Rücken, wenn man bei einem Abflug von der Piste um Haaresbreite an gewiss nicht weichen Eichen vorbeisegelt. Überhaupt sorgen die beiden Innenansichten für die beste Atmosphäre. Das liegt auch daran, dass der Weichzeichner dann nicht so stark durchschlägt. Wenn man die Dinge von außen betrachtet, ist der Lady Chatterley-Look doch ziemlich aufdringlich.
Licht und Schatten
Colin-Veteranen kennen das Phänomen. Während einige Konkurrenten hoffnungslos zu langsam sind, entpuppt sich mindestens ein Rivale als harte Nuss.
Im Gegensatz dazu sind die hübschen, in Echtzeit berechneten Licht- und Schatteneffekten gelungen. Leider stören mitunter stark flimmernde Schatten das Auge des Betrachters. Und das ist kein Hitzeflimmern! Erfreulich hingegen, dass die Elemente intensiv mit einbezogen werden. Der Wind beispielsweise beeinflusst nicht nur die Büsche. Egal ob Rauch aus dem kaputten Motorblock eines Konkurrenten, lose Holzstöckchen, Blätter oder kleine Kiesel -- alles wird bei schneller Vorbeifahrt mitgesogen. Das benötigt allerdings reichlich Performance. Wer keinen High-End-Rechner zuhause hat, muss sich mit (mehr oder weniger) dezenten Ruckel-Rallyes anfreunden.
Sound-Check
In vielen Fällen sind zu den Rennen nur zwei verschiedene Fahrzeuge zugelassen. Lediglich durch die alternativen Lackierungen kommt Abwechslung ins Spiel.
Der Sound passt jedenfalls wie die Faust in einen Zylinderkopf. Das satte Röhren der Motoren, das charakteristische Pfeifen des Abgasturboladers und das dumpfe Knallen des Auspuffs bei Zündaussetzern. Da kommt echtes Rallye-Feeling auf. Dazu gehören natürlich auch die lebenswichtigen Ansagen des Beifahrers (siehe Kasten: das Gebetsbuch). Der Online-Modus legt den Schwerpunkt eher auf Mit- statt auf Beifahrer. Beim Hill Climb gehen sage und schreibe bis zu 100 Spieler auf die Piste.
Leider waren zum Testzeitpunkt mangels Mitspielern noch keine aussagekräftigen Online-Tests möglich. Zudem zeigte sich unser Colin im Testalltag mitunter zickig (Hardware-Support) und sehr anspruchsvoll (Performance). Sobald wir die finale Verkaufsversion unter die Lupe genommen haben, finden Sie auf unserer Website cynamite.de nicht nur einen ordentlichen Test des Netzwerkmodus, sondern auch einen ausführlichen Technik-Check.
