Das Phänomen iRacing - Darum ist die teure Renn-Simulation so erfolgreich!

Special Michael Grünwald
Das Phänomen iRacing - Darum ist die teure Renn-Simulation so erfolgreich!
Quelle: iRacing

iRacing ist die erfolgreichste Simracing-Online-Plattform der Welt, und das trotz horrender kosten für Fans. Warum ist iRacing also so ein großer Erfolg?

Hier begegnet man in den höheren Klassen auch gerne mal realen Rennfahrerinnen und Rennfahrern, wenn Sie ihre Teams im virtuellen Motorsport vertreten. In den niedrigeren Lizenzklassen wiederum ist es nicht ungewöhnlich, mehr oder weniger-talentierte Möchtegern-Schumis zu finden, welche ihren Boliden im Eifer des Gefechts auch gerne mal aus der Kontrolle verlieren. Das Spiel zählt jede Kollision penibel mit.
Je nachdem, wie schwer die Kollision ist, erhaltet ihr Strafpunkte. Bei zu vielen Strafpunkten in einem Rennen werdet ihr disqualifiziert. Diese Strafpunkte werden nach jedem Rennen mit eurem Safety Rating verrechnet. Je weniger Strafpunkte, umso besser euer Safety-Rating. Dabei ist es iRacing egal, ob ihr für eine Kollision mit einem Kontrahenten verantwortlich seid oder nicht. Frustrierend zweifelsohne, da man nur mit wenigen Kollisionen im Rennen sein Safety Rating verbessern kann.

iRacing begründet diese oft kritisierte Mechanik damit, dass neue Pilotinnen und Piloten lernen sollen, anbahnenden Kollisionen auszuweichen. Zynisch könnte man auch davon sprechen, dass iRacing nicht in der Lage ist, ein komplexeres und somit teureres System zur Bewertung von Unfällen zu implementieren.

Im realen Motorsport sitzen für solche Einordnungen schließlich mehrere Personen in der Rennleitung, um gegebenenfalls Strafen auszusprechen. Bei der hohen Frequenz an iRacing-Veranstaltungen gestaltet sich das aber schwierig.

Ein Königreich für einen Streamer...oder Influencer

i Renommierte Marken wie BMW, Mercedes, Audi oder Ferrari sind in iRacing mit an Bord. Auch das ist in der Rennspiel-Welt nicht ungewöhnlich, jedoch hilft es drastisch, den eigenen Realitätsanspruch zu untermauern. Quelle: PC Games Renommierte Marken wie BMW, Mercedes, Audi oder Ferrari sind in iRacing mit an Bord. Auch das ist in der Rennspiel-Welt nicht ungewöhnlich, jedoch hilft es drastisch, den eigenen Realitätsanspruch zu untermauern. Racing bietet der User-Base im halbstündigen Takt nämlich eine Vielzahl an Multiplayer-Rennen an:
Formel 1, Tourenwagen, Le-Mans-Prototypen, NASCAR, Drift-Fahrzeuge - alles vorhanden für den großen Geldbeutel. Perfekt also für Streamer, Influencer und Co., welche relativ simpel viele Rennen in ihrem Broadcast bestreiten wollen.

Somit ist es praktisch immer möglich, einen unterhaltsamen Stream zu gestalten. Keine andere Rennsimulationen bietet diese Möglichkeit in solch einer Bandbreite wie iRacing, sowohl konzeptionell als auch in puncto Player-Base.
Streamer wie Jimmy Broadbent erreichen Quoten von bis zu 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauern gleichzeitig pro Stream, mit Abstand die besten Zahlen im Genre. Wer mit SimRacing im Streaming Erfolg haben möchte, wird früher oder später in irgendeiner Form damit arbeiten müssen.

Das Versagen der Konkurrenz

iRacing ist in puncto Realismus kein Einzelgänger. Sowohl rFactor 2 als auch Assetto Corsa Competizione können in dieser Hinsicht mithalten, doch sind aus verschiedenen Gründen nicht ansatzweise so erfolgreich. ACC fokussiert sich ausschließlich auf GT-Rennsport und spricht dementsprechend eine kleinere Zielgruppe an. Für GT-Fans sicherlich eine kostengünstigere Option, für alle anderen Sparten nicht. Trotzdem ist die Simulation aus dem Hause Kunoz keineswegs ein Flop.

rFactor 2 ist dagegen ein bizarrer Fall. Die Physik und das Fahrgefühl werden immer wieder in höchsten Tönen gelobt, doch die Nutzung der Software ist seit dem Release vor nun fast 9 Jahren sehr unintuitiv. Inzwischen werkeln die Entwickler am dritten User Interface! Das UI, die Stabilität der Server und verschiedene weitere technische Probleme haben rFactor 2 in den letzten Jahren keineswegs geholfen.

Zudem gab es bis 2020 nicht ansatzweise ein mit iRacing vergleichbares Online-System, welches regelmäßige Online-Rennen im halbstündigen Rhythmus ermöglichen würde. Diese Anzahl an Problemen ist in iRacing nicht vorhanden. rFactor 2 ist also ein guter Simulator, aber eine sehr fehleranfällige und nutzerunfreundliche Software.

Der Erfolg zusammengefasst

iRacing hat über viele Jahre eine ganz klar definierbare Nische gefüllt und aufgebaut: Regelmäßige Online-Rennen mit maximalem Realismus auf und neben der Rennstrecke. In eben dieser Nische stellt iRacing praktisch ein Monopol dar, was ihre extrem teure Preispolitik kurz zusammenfasst.

Wieso Autos und Strecken günstiger machen, wenn die Kundschaft sich zwar über die Preise beschwert, sie jedoch trotzdem zahlt? Es gibt in der Breite schlichtweg kein vergleichbares Produkt auf den Markt. Und ein vergleichbares Produkt in eben dieser Nische zu etablieren wäre sehr riskant.
Da macht es mehr Sinn, eine eigene Nische zu finden. Sei es Simcade-Racing, GT-Racing oder Rally-Sport. Und somit bleibt das teure Gut der zentrale Knotenpunkt zwischen realem und virtuellem Motorsport, zumindest für die absehbare Zukunft.

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