Ys: The Ark of Napishtim

Test

Bei Ys sind Helden noch Helden und Schurken noch Schurken: Konamis neues Action-Adventure erinnert an goldene 16-Bit-Zeiten.

A dol Christin, rot gekleideter Schwertkämpfer mit einem Faible für Entrechtete, Arme, Schwache, Witwen und Waisen, blickt auf eine beachtliche Karriere als Held zurück: Schon lange vor den Tagen der PlayStation hat er es auf den damals gängigen 8-Bit-Systemen mit fiesen Monstern aufgenommen -- die erste Episode erschien gar in Deutschland. Doch danach wurde es still um den Rotschopf mit dem ausdauernden Schwertarm. Dank Konami ändert sich das nun: Die mittlerweile sechste Episode der illustren Rollenspiel-Serie erscheint in Deutschland mit dem mysteriösen Namenszusatz "The Ark of Napishtim" (Die Arche des Napishtim).

Vorkenntnisse sind zum Glück nicht erforderlich. Die einzelnen "Ys"-Episoden (der Titel spricht sich übrigens "Ihs") hängen eher lose zusammen. Dieses Mal verschlägt es Held Adol auf den Vortex von Canaan, eine Inselgruppe, die man auf Grund mächtiger Wasserströmungen normalerweise weder erreichen noch verlassen kann. Dort siedeln zwei Volksgruppen: Der Stamm der Rehdaner lebte schon immer auf einer der Inseln -- das exotische, naturverbundene Volk mit den buschigen Schwänzen und spitzen Ohren hat oft Ärger mit den menschlichen Siedlern.

Diese wiederum sind eigentlich allesamt gestrandet, haben sich aber mit ihrer Lage arrangiert und eine blühende kleine Stadt errichtet. So beäugen sich beide Fraktionen voller Misstrauen, und immer wenn etwas schief geht, wird die andere Seite beschuldigt. In diese "harmonische" Zweisamkeit wird Adol nun geworfen -- und von den Rehdanern gefunden...

Schräge Spielperspektive

Gleich nach Adols Genesung wetzt ihr los und erkundet die Dschungel-Umgebung des Rehdaner-Dorfes. Ihr seht Adol und seine Gegner meistens von schräg oben: Die Umgebung mag dreidimensional sein, spielerisch präsentiert sich "Ys" dagegen wie ein klassisches 2D-Abenteuer. Wie ein Wirbelwind räumt ihr innerhalb der bissigen Tier- und Pflanzenwelt auf. Mit flotten Dreier-Kombos, dynamischen Sprungdrehern oder entschlossenen Stichen aus der Luft wehrt sich Adol seiner Haut und freut sich anschließend über die Beute. Besiegte Gegner bringen ihm nämlich Erfahrungspunkte. Ist die entsprechende Leiste voll, steigt er einen Level auf und bekommt mehr Lebensenergie. Findet euer Held Geld, kann er davon Rüstungen oder Heilmittel kaufen. Gelegentlich spucken Gegner auch blaue Steine aus: Mit ihnen kann Adol später sein Schwert aufrüsten.

FleiSSiger Waffensammler

Insgesamt drei Schwerter wollen unterwegs gefunden werden. Dabei ist jedem ein anderes Element zugeordnet. Das Windschwert erlaubt besonders lange Kombos, das Feuerschwert lässt sich aufladen und mit dem Blitzschwert gelingen sehr schnelle Stöße nach vorne. Für jeden noch so knackigen Gegner findet sich die richtige Strategie.

Die Reduktion auf das Wesentliche ist ohnehin die größte Stärke des Spiels: Weder müsst ihr unzählige Items und Waffen verwalten, noch ein komplexes Auflevel-System begreifen. Da es nur zwei Dörfer gibt, konnte Entwickler Falcom mehr Zeit auf die Gestaltung der Inselbewohner verwenden: Jeder von ihnen hat ordentlich viel zu erzählen und eine eigene Persönlichkeit.

Dank treibender Musik, bunter, ruckelfreier Grafik und blitzschneller Spielbarkeit vereint die jüngste "Ys"-Episode die spielerischen Qualitäten eines 16-Bit-Spektakels mit moderner Grafik: Wichtige Ereignisse bewundert ihr als aufwändige Render-Videos, die mächtigen Bosse beeindrucken durch ihre schiere Größe. Mit etwa 20 Stunden ist der Umfang sehr angenehm ausgefallen. Begeisterte Entdecker sitzen aber noch länger auf Canaan fest, denn auch abseits der Wege finden sich oft tolle Gegenstände und Hilfsmittel. ?TN

Wertung zu Ys: The Ark of Napishtim (PS2)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Bunte, detaillierte undflüssige GrafikAstreine SteuerungDie Musik rocktSympathische FigurenTolle Bosskämpfe
Extrem schlechte englische SprecherManchmal knifflige Sprünge
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