Im Osten was Neues: Prügelt euch als Skupelloser Edel-Gangster durch Tokios Unterwelt.
"You stupid motherfucker!"
Ganz klar: Auch wenn "Yakuza" auf die Darstellung übermäßig brutaler Gewaltorgien verzichtet, gehört die Scheibe nicht unbedingt in Kinderhände. Das hat seinen Grund vor allem in den rauen Umgangsformen: Eure kriminellen Kontrahenten werfen mit Flüchen und Beschimpfungen derart um sich, dass es jedem Sozialpädagogen die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Lob gebührt der gelungenen Lokalisation (siehe Kasten): Das knallharte Verbrechermilieu wirkt jederzeit authentisch und lebensnah.
Überhaupt zeichnet den Sega-Reißer eine bisweilen befremdliche, aber faszinierende Mixtur aus Brutalität und absurdem Humor aus. So durften wir erleben, wie ein potenziell psychopathischer Bandenchef wüste Todesdrohungen ausstieß und mitten im Satz von einem Baseball am Kopf getroffen wurde. Statt jetzt auszuflippen, lachte er mit seinen Jungs herzlich über sein eigenes Missgeschick -- nur um im nächsten Moment einen Pechvogel brutal totzuschlagen, der ins allgemeine Gelächter nicht einstimmen wollte. Auch wenn "Yakuza" spielerisch alles andere als perfekt ist, die Mörderhatz punktet in Sachen Stil und Atmosphäre.
Die Freiheit nehm' ich mir
Zufallskämpfe, Level-ups und Nebenmissionen: Der Japano-Krimi spielt sich eher wie ein waschechtes Action-Rollenspiel denn wie "GTA" und Konsorten. In den ersten Spielstunden lotst euch das Abenteuer brav von einem story-relevanten Punkt im virtuellen Tokio zum nächsten. Zudem könnt ihr nur mit speziell gekennzeichneten Charakteren interagieren.
Erst ab der zweiten Spielhälfte steht es euch größtenteils frei, welche düstere Ecke des japanischen Nachtlebens ihr als Nächstes erkunden wollt -- verdient ihr euch ein paar Tausend Yen in der Arena, oder schaut ihr lieber noch mal bei der süßen Hostess in der Nachtbar vorbei?
Unterm Strich ersteht ihr mit "Yakuza" einen toll präsentierten, mitreißenden und ambitionierten Konsolenthriller, dem spielerische Unzulänglichkeiten jedoch die Höchstwertung vermiesen. Vor allem die sperrige Prügel-Mechanik und der anfangs arg lineare Spielablauf stoßen Nachwuchs-Rabauken sauer auf. Dennoch solltet ihr mal einen verlängerten Blick auf den Sega-Klopper werfen -- eine stilvolle und willkommene Alternative zum ewigen Homie-Getue der amerikanischen Ghetto-Konkurrenz!
