World of Warships: Content Creator verlassen das Schiff - Glücksspiel & toxische Devs
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World of Warships kreuzt derzeit durch unruhige Gewässer und bekommt zusehends Schlagseite. In den vergangenen Tagen haben sich reihenweise Spieler aus dem Community Contributor Programm verabschiedet. Die Content Creator, die World of Warships auf Twitch und YouTube groß gemacht haben, kehren Wargaming den Rücken - aber warum eigentlich?
In den folgenden Tagen und Wochen nach unserem Artikel hat sich noch so einiges zugetragen rund um Wargaming und das Verhältnis zu ihren Spielern. Wir haben den Artikel daher am Ende um einige Abschnitte ergänzt. Siehe hier.
Originalmeldung: Obwohl World of Warships nie an den gewaltigen Erfolg von World of Tanks heranreichte, konnte man das Spiel doch als Erfolg bezeichnen. Viele Millionen Spieler waren jahrelang auf den Weltmeeren unterwegs, kämpfen in den Zufallsgefechten und gaben dabei einiges an Geld für diverse Premium-Schiffe aus. Letzteres ist ein Grund, warum es in den vergangenen Tagen heiß hergeht bei World of Warships und in der Community. Aber warum genau? Immerhin gehören Premium-Produkte, die man sich für Echtgeld kaufen kann, doch seit vielen Jahren fest in den Shop eines jeden Free2Play-Titels. Bei Wargaming geht man aber seit einiger Zeit in eine andere Richtung - sehr zum Missfallen der Spieler und eben auch der Content Creator aus dem Community Contributor Programms.
Auf dieser Seite
- 1 Community Contributor Programm - die Vorzeige-Spieler
- 2 Aggressive Monetarisierung und Lootbox-Glücksspiel
- 3 Toxisches Verhalten der Entwickler?
- 4 Wargaming reagiert - und macht alles noch schlimmer!
- 5 Wargaming beleidigt Streamer
- 6 Offener Brief an die Community!
- 7 Ehemalige Mitarbeiter schießen gegen Wargaming
Community Contributor Programm - die Vorzeige-Spieler
Erstmal müssen wir erklären, was eigentlich das Community Contributor Programm ist. Kurz gesagt handelt es sich dabei um ausgewählte Spieler, die vorrangig World of Warships spielen und dazu Content erstellen - sei es in Form von YouTube-Video oder Live-Streams auf Twitch. Im Gegenzug erhalten sie hin und wieder kleinere Goodies von Wargaming. Beispielsweise vorzeitigen Zugriff auf neue Schiffe oder Giveaways für ihre jeweiligen Communitys. Im Prinzip das, was man heute als Influencer kennt.
Bei Wargaming und ihrem CCTP genannten Programm geht es aber noch einen Schritt weiter. Die Contributoren stehen im Gespräch mit den Entwicklern, geben ihnen erstes Feedback und tragen die Meinungen und Stimmungen aus der Community an die Entwickler weiter. Sie agieren also als Influencer und Community-Manager gleichermaßen. Da sie selber ebenfalls davon profitieren ist das Ganze eine Win-Win-Situation für alle Seiten - zumindest in der Theorie.
Jetzt haben aber gleich 22 der Community Distributoren das Schiff Wargaming verlassen. Aber warum?
Aggressive Monetarisierung und Lootbox-Glücksspiel
Wargaming ist seit jeher nicht besonders zimperlich, wenn es um die Preise für neue Premium-Schiffe geht. Diese können gut und gerne mal 60 Euro oder mehr kosten. Das ist aber keine neue Entwicklung, sondern schon immer so. Da kein Spieler dazu gezwungen ist, diese Schiffe zu kaufen (Premium-Schiffe sind nicht besser als andere Schiffe, gelten aber als Sammelobjekte), wurden die hohen Preise zwar oft kritisch gesehen, aber toleriert. In der jüngeren Vergangenheit hat sich das aber etwas gewandelt.
Konnte man sich früher ein neues Premium-Schiff einfach im Shop kaufen und wusste genau, was man für sein Geld bekommt, ist das heute zunehmend anders. Immer öfter sind neue Schiffe nicht direkt zu kaufen, sondern nur über Zufallspakete zu haben. Diese wiederum müssen die Spieler im Spiel mit Dublonen kaufen, welche per Echtgeld erworben werden. Das führt zu zwei Problemen.
Quelle: Wargaming
Ob man sie Lootboxen oder Super-Container nennt - Glücksspiel bleibt Glücksspiel.
Zum einen sind diese Zufallspakete, nun ja, eben zufällig. Ein gezieltes Kaufen des Schiffes ist nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Wer das neue Schiff also unbedingt haben will, ist auf viel Glück in der Lootbox-Lotterie angewiesen.
Zum anderen verschwimmt die Wahrnehmung der Spieler, wie viel Geld sie eigentlich ausgeben. Denn statt einfach X Euro im Shop zu sehen, müssten die Spieler erst Dublonen in Euro umrechnen und dann noch schauen, wie teuer ist eine Kiste und wie viele Kisten brauche ich, um das Schiff zu bekommen. Die eher niedrigen Preise einzelner Kisten locken dann dazu, noch ein paar mehr zu kaufen, ohne dass einem sofort klar ist, wie viel Geld man bereits ausgegeben hat. Das ist auch bei der Rückkehr der USS Missouri ins Spiel der Fall. Einem sehr beliebten Schiff, an dem viele Spieler Interesse haben.
Die Community Contributoren sehen das bereits seit geraumer Zeit als sehr kritisch. Eine solche Monetarisierung-Strategie sei bei einem Spiel, welches als Zielgruppe auch Kinder hat (die internationale Altersfreigabe ist PEGI 7, die USK stuft WoWS als ab 12 ein) nicht zu tolerieren. Offenbar haben viele der Contributoren diese Art von Feedback bereits seit längerem an die Entwickler gemeldet, womit wir zum nächsten Punkt kommen.
Toxisches Verhalten der Entwickler?
Einige der Contributoren klagen über eine zunehmend toxische Beziehung zu den Entwicklern. Wo die Kommunikation früher in zwei Richtungen ging, sei es nun eine Einbahnstraße geworden. Feedback werde ignoriert oder mit schnippischen und rüden Kommentaren abgetan. Man wiss die Contributoren nicht mehr zu schätzen, sondern sehe sie nur noch als Werkzeuge, um die eigene Meinung zu verkaufen und mehr oder weniger kostenlose Werbung für World of Warships (jetzt kaufen ) zu bekommen. Die Zeiten, in denen die Entwickler Wert auf die Meinung der Contributoren und deren Community gelegt hätten, seien seit einigen Jahren vorbei.
Natürlich lässt sich dieser Punkt nicht validieren, da wir keinerlei Einblick in die Beziehung zwischen Wargaming und den Contributoren haben. Allerdings kamen ähnliche Vorwürfe in der Vergangenheit schon öfter auf.
Quelle: Wargaming
World of Warships bewegt sich derzeit in unruhigen Fahrwassern.
Im Falle der Spielerin AprilWhiteMouse mangelte es hingegen scheinbar an interner Kommunikation. Sie sollte für Wargaming ein Schiff zum Canada Day designen und steckte viel Zeit und Arbeit hinein. Doch dann wusste man an den zuständigen Stellen offensichtlich nichts mehr davon und das daraufhin angekündigte Schiffe hatte kaum mehr etwas mit dem Entwurf der Streamerin zu tun.
Wargaming reagiert - und macht alles noch schlimmer!
Nachdem zuerst der bekannte Warships-Streamer TheMightyJingles, der immerhin sogar als Kapitän im Spiel verewigt ist, aus dem Programm zurücktrat, folgten noch viele weitere. Insgesamt sollen mittlerweile 22 der 74 Contributoren das Programm verlassen haben. Auf der offiziellen Webseite von Wargaming werden sie übrigens alle noch als aktiv geführt.
Einige Tage später sah sich Wargaming dann scheinbar dazu gezwungen, im offiziellen Forum Stellung zu beziehen. Das goss aber eher noch mehr Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Zwar sprach man das aktuelle Problem mit der USS Missouri an, vermied es aber, sich grundsätzlich zu den Vorwürfen des Lootbox-Glücksspiels zu äußern. Zudem wurde nur vermeldet, man werde das Schiff bald auch auf anderem Wege bekommen - ohne Details zu verraten.
Hello everyone,
We are awfully sorry that AprilWhiteMouse and other CCs are no longer a part of our Community Contributors Program, and we'd like them to know they will be missed. We respect their decision and want to thank them for their contributions, devotion, and passion for the game and program over several years. We wish all of them best of luck and hope that they will stay in touch with us nevertheless, we will always be here to talk.
We understand that there are several causes that have led us to this situation and that we have upset and disappointed many of our CCs and players. While some of these causes are self-explanatory, and our commitment to fix them remains, there are a few specific points we'd like to comment on:
- We appreciate the community feedback about Missouri being obtainable via Random Bundles exclusively in 0.10.7. We've been discussing this since last week and decided to add an alternative way to purchase the ship. We will provide details on our Devblog soon.
- On the topic of Missouri, we know that there is an open question whether her earnings are on par with the pre-update version, especially considering signal flags and camouflage bonuses. We're carefully analyzing her adjusted earnings following the update, and will share our decision whether any adjustments to the mission are to be made.
- Regardless of AprilWhiteMouse's CC membership status, we will stay true to our commitment to release HMCS Huron in 2022. She's been added to our production plans and is scheduled to arrive around late Summer 2022.
Best regards,
WoWS Team
Wirklich erzürnt ist die Community aber darüber, dass in der Stellungnahme kein einziges Wort der Entschuldigung zu finden ist. Immerhin haben mehrere Contributoren schwere Vorwürfe erhoben. Stattdessen brauchte man seitens der Entwickler mehrere Tage für eine trockene Stellungnahme. Seitens Wargaming ist man sich offenbar keiner Schuld bewusst und hält den Kurs bei.
Die folgenden Abschnitte wurden am 16.09.2021 hinzugefügt:
Wargaming beleidigt Streamer
Es wurde auch in den Tagen nach der ersten Stellungnahme nicht ruhig bei Wargaming. Ganz im Gegenteil! Es dann noch zu einem unschönen Vorfall. Von Wargaming werden regelmäßig Bonuscodes unters Volk gebracht, mit denen ihr ein paar kleine Goodies im Spiel bekommen könnt. Und einer der letzten davon enthielt eine nicht sonderlich gut versteckte Beleidigung gegenüber einem der ehemaligen Community Contributor (Code-Name: W0LAXU5FKUTURY5). Wargaming entschuldigte sich umgehend dafür, suspendierte den verantwortlichen Mitarbeiter und brachte einen Bonuscode namens TURRYWEARESORRY unters Volk.
Offener Brief an die Community!
Das war dann wohl endgültig zu viel und so sah man sich bei Wargaming dazu gezwungen, mit einem großen Rundumschlag Stellung zu beziehen und so meldete sich die Führungsetage von Wargaming zu Wort.
Mit einem sehr ausführlichen, offenen Briefs an die Community entschuldigten sie sich bei allen Beteiligten und räumten selbstverständlich Besserung ein. Man wolle künftig mehr Transparenz bei allen Entscheidungen an den Tag legen und das Feedback der Spieler wieder höher gewichten.
Die Monetarisierung hingegen wird sich wohl kaum ändern. Wargaming betonte, sich auf jedem Markt an die geltenden Gesetze zu halten. Es wird künftig aber vermehrt alternative Wege geben, um auch ohne Lootboxen an neue Schiffe zu kommen. Apropos Lootboxen: Wargaming kündigte in der Stellungnahme auch an, demnächst die Drop-raten sämtlicher Lootboxen und Zufallspakete öffentlich zu machen.
Ehemalige Mitarbeiter schießen gegen Wargaming
Damit war es dann letztlich aber noch nicht getan, denn der Ärger ging immer weiter. Neben den Community Contributoren schossen nun auch ehemalige Mitarbeiter gegen Wargaming. Zachary "CabMech" Doig, gab wenige Tage nach der großen Stellungnahme nach mehr als fünf Jahren sein Ausscheiden bei Wargaming bekannt und zog direkt über den ehemaligen Arbeitgeber vom Leder. Man würde dort Mitarbeiter der unteren Etagen opfern, um über eigenes Fehlverhalten hinwegzutäuschen. Zudem sprach er von einer generellen toxischen Unternehmenskultur, die seit mindestens vier Jahren bei Wargaming vorherrschen würde. In einem späteren Abschieds-Stream fand er dann zwar ein wenig versöhnlichere Worte, nahm die Anschuldigungen per se aber nicht zurück. Eine offizielle Stellungnahme seitens Wargaming zum Ausscheiden von CabMech steht derweil noch aus.
Ob man die all die Anschuldigungen nun für überzogen oder gerechtfertigt hält, ob man die Inhalte der ersten Stellungnahmen als reines PR-Gewäsch abstempelt, oder man Wargaming Glauben schenkt: Es brodelt in der Community von World of Warships und World of Tanks. Und Wargaming hat erkannt, dass man solche Probleme künftig wohl nicht mehr totschweigen kann, sondern reagieren muss - wie auch immer die Reaktion letztlich im Detail aussieht.
Quelle: massivelyOP, massivelyOP, mein-mmo, pcgames
