World of Lagcraft

Special

»OMG Blizzard ihr zieht so ein sau aggro!«

Auch wenn der Vorspann es vermuten lässt: Wir haben zum Jahreswechsel keinesfalls zu tief ins Glas geschaut. Das Zitat stammt nicht von uns, sondern ist eines von zahlreichen Bonmots, die stündlich in den offiziellen World of WarCraft-Foren aufschlagen. So nämlich klingt es, wenn sich die Kundschaft auf neudeutsch bei Kult-Entwickler Blizzard darüber beschwert, dass im virtuellen Azeroth seit den Weihnachtsfeiertagen der Wurm drin ist.

Viele Spieler kommen erst nach halbstündigen Wartezeiten auf die derzeit 155 europäischen Server, nur um nach dieser Odyssee gleich von Latenzen jenseits der 10.000 Millisekunden in den Wahnsinn getrieben zu werden. Allerdings nur für wenige Sekunden, denn nicht selten ist zwei Atemzüge später die Verbindung zu World of WarCraft gänzlich futsch.

Pisa-Studie

Die erste Anlaufstelle sind natürlich Blizzards offizielle Foren, in denen sich ein solch buntes Potpourri aus Hasstiraden, tatsächlich konstruktiver Kritik, Beleidigungen und Beschimpfungen über die Mitarbeiter ergießt, dass man meinen könnte, ein Großteil der deutschen Spieler kenne normale Umgangsformen nicht einmal vom Hörensagen. Blizzard benimmt sich aber ähnlich plump und schweigt zunächst tagelang, bevor in ersten Stellungsnahmen europäische Internetprovider wie T-Online für die Verbindungsprobleme verantwortlich gemacht werden. Die Provider weisen bis heute jede Schuld von sich und zeigen zusammen mit den Leidtragenden, den Spielern, auf Blizzard.

Gesucht: Sündenbock, Stufe 61 (Elite)

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Fakt ist: Die Server selbst sind womöglich ausgelastet, aber keinesfalls die Wurzel allen Übels. Da das Gros der Spieler nach wie vor mit keinen oder nur minimalen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, kann das wirkliche Problem nicht im Herzen von World of WarCraft liegen. Sondern vielmehr zwischen dem Netzwerkanschluss der Spieler und Blizzards Rechenzentrum.

Derzeit gerät der französische Provider Telia in die Kritik. Durch die Leitungen von Telia gelangt schlussendlich jeder Spieler in Blizzards Netzwerk, das in Paris untergebracht ist. Und schon bei anderen von Frankreich aus betriebenen Online-Spielen (darunter beispielsweise Diablo und Everquest) hat sich der Anbieter nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Verbindungsprobleme waren auch dort mehr Regel als Ausnahme.

Ist Blizzard lernfähig?

Selbst wenn Teile der Probleme außerhalb von Blizzards Einflussbereich liegen, ist der Imageschaden für den Kultentwickler beträchtlich. Doch man zeigt guten Willen: Bereits im Januar wechselten acht Server das Rechenzentrum, um die Datenlast besser zu verteilen. Spieler auf betroffenen Servern erhielten bis zu vier kostenlose Spieltage als Entschädigung. Im Februar soll neue Hardware für 48 Server installiert werden.

Auch die Informationspolitik macht erkennbare Fortschritte. Blizzard wird den Spielern gegenüber offener und klärt ausführlich über getroffene und geplante Maßnahmen auf. Um konkrete Aussagen die Problemursachen betreffend drückt man sich dennoch gerne und war auch gegenüber PC PowerPlay zu keiner weiteren Stellungsnahme bereit.

David Bergmann

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