Fans von World of Warcraft äußern heftige Kritik an der aktuellen Story-Entwicklung im Online-Rollenspiel, das derzeit auf die Veröffentlichung seiner siebten Erweiterung Battle for Azeroth zusteuert. Die Spieler werfen den Entwicklern schlechtes Writing und eine einseitige Schwarz-Weiß-Erzählung zulasten der Horde vor, die durch die Aktionen von Kriegshäuptling Sylvanas Windrunner als das ultimative Böse dargestellt werden.
In nicht einmal zwei Wochen erscheint mit Battle for Azeroth die bereits siebte Erweiterung für World of Warcraft (jetzt kaufen ). So kurz vor Release sehen sich die Entwickler Blizzard allerdings einem gewaltigen Shitstorm der eigenen Fans ausgesetzt. Grund dafür sind die aktuellen Story-Entwicklungen, die auf die Geschichte des Add-ons vorbereiten. Auf den Live-Servern des Online-Rollenspiels findet derzeit der sogenannte Krieg der Dornen statt. Ein Angriff der Horde auf das Gebiet der Nachtelfen in Darkshore sowie die Weltenbaum Teldrassil und der darauf liegenden Hauptstadt Darnassus. Das es im Zuge dieses Konfliktes zur Zerstörung von Teldrassil kommen wird, war den Fans seit Monaten klar. Bisher war jedoch ein Geheimnis, wie es dazu kommen konnte.
Achtung: Spoiler für die aktuellen Ereignisse in World of Warcraft
Viel Spekulationen rankten sich um die Gründe für die Zerstörung Teldrassils. Auf den Test-Servern für Battle of Azeroth konnte die Krieg der Dornen Quest-Reihe bereits durchgespielt werden, ohne jedoch die finale Zwischensequenz. Spieler bekamen daher den Eindruck, dass das Niederbrennen des Weltenbaumes eher ein unglücklicher Unfall war. Theorien reichten von Brandstiftung der Allianz, die die Horde zum Sündenbock machen wollte, bis zum Einfluss einer dritten Fraktion. Als diese Woche jedoch das zweite Kapitel von Krieg der Dornen auf die Live-Server gespielt und das dazu gehörige Cinematic-Video "Warbringers: Sylvanas" veröffentlicht wurde, zerfielen alle Vorstellungen der Fans. Kein intelligenter Twist, keine klug konstruierte Begründung führen zur Zerstörung von Teldrassil. Stattdessen wird ein Bild von Sylvanas Windrunner gezeichnet, das die Anführerin der Horde als abgrundtief bösen Charakter zeigt, die allein durch die Provokation durch eines sterbenden Nachtelfen dazu hingerissen wird, eine ganze Stadt voller unschuldiger Zivilisten und Kinder nieder zu brennen.
In Foren, auf Reddit und in sozialen Netzwerken zeigen sich seitdem zahlreiche Spieler enttäuscht oder gar wütend über diese Entwicklung. Besonders Horde-Spieler kritisieren die Darstellung ihrer Fraktion, die so gar nicht den im Vorfeld von den Entwicklern häufig versprochenen "moralischen Grautönen" entspricht. Mit Schlagworten wie "Not my warchief" machen die Anhänger der Horde ihren Unmut darüber deutlich, dass sie keine Lust haben einem bösen Kriegsverbrecher in die Schlacht zu folgen, der nicht davor zurückschreckt Kinder abzuschlachten. Einige stellen in Frage, ob sie unter diesen Umständen überhaupt als Horde-Charakter am neuen Add-on teilnehmen wollen. Auch zu massenhaften Stornierungen von Abonnements wird aufgerufen.
Im Fokus der Kritik steht dabei nicht nur die offensichtlich radikale Charakterzeichnung von Sylvanas. Auch allgemein wird das Story-Telling angeprangert. So verhalten sich wichtige Charaktere völlig unverständlich. Als Beispiel wird Tyrande Whisperwind genannt, die als Anführerin der Nachtelfen während der gesamten Belagerung ihres Volkes nur ein einziges Mal in Erscheinung tritt, um den verletzten Malfurion Stormrage zu retten und sich danach nach Sturmwind zurück zu ziehen und ihr Volk im Stich zu lassen. Auch die anderen Anführer der Horde wie Saurfang und Baine Bloodhoof, die eigentlich als ehrbare Charaktere gelten, lassen die Ereignisse in Teldrassil einfach geschehen. Für viele Spieler wirkt das nicht sonderlich glaubwürdig.
Eine große Sorge der Fans ist auch, dass Blizzard hier schlicht die Geschichte von Garrosh Hellscream wiederholt. Dieser war zu Zeiten von Mists of Pandaria der Kriegshäuptling der Horde und galt als tyrannisches Monster. Er entwickelte sich schließlich zum finalen Endboss der Erweiterung und wurde so durch Kräfte der Horde und Allianz beseitigt. In den bisher spielbaren Inhalten von Battle for Azeroth zeichnet sich bisher wohl auch nichts ab, das die Ereignisse von Teldrassil in ein anderes Licht rücken würde. Eine Reaktion von Blizzard auf die massive Kritik gibt es bisher nicht.
Quelle: PC Gamer
