Willy Morgan and the Curse of Bone Town in der Vorschau: Wie gut schlägt sich die Hommage an Monkey Island?
Special
Mit Willy Morgan and the Curse of Bone Town veröffentlichen die italienischen Entwickler Imaginarylab und VLG Publishing im Sommer ein neues Point&Click-Adventure, welches sich stark an zeitlosen Klassikern wie Monkey Island orientiert. Doch kann der ambitionierte Titel mit den Meistwerken Ron Gilberts mithalten?
In Willy Morgan and the Curse of Bone Town begeben wir uns in einer ganz besonderen Piratenwelt auf ein mysteriöses Abenteuer. Die Handlung von Willy Morgan ist nämlich nicht etwa im 17. oder 18. Jahrhundert angesiedelt, sondern im 20. Jahrhundert. Computer, Mikrowellen und Autos gibt es hier schon lange.
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Folglich fahren wir nicht mit einem Schiff oder einer Galeere auf große Fahrt und liefern uns auch keine spannenden Gefechte mit Säbel und Pistole. Willy Morgan, der titelgebende Protagonist, ist ein ganz normaler Teenager, der plötzlich in die verwobenen Ereignisse der heruntergekommenen Piratenstadt Bone Town gestürzt wird.
Missing Morgan
Quelle: PC Games
Willy Morgan and the Curse of Bone Town in der Vorschau: Wie gut schlägt sich die Hommage an Monkey Island?
Die Handlung beginnt mit unserem Protagonisten Willy, der uns erklärt, dass sein Vater auf den Tag genau heute seit zehn Jahren als vermisst gilt. Doch wie es der Zufall so will, flattert just in diesem Moment ein Brief durch den Türschlitz der Familie Morgan. Dabei handelt es sich natürlich um einen Brief unseres Vaters, Henry Morgan, der uns darum bittet, nach Bone Town zu kommen und dort in Zimmer 09 der alten Herberge einzuchecken. Doch das ist leichter gesagt als getan. Willy hat leider kein Geld für die Unterkunft und sein Fahrrad ist in Einzelteilen durch das komplette Haus verstreut worden. Jetzt ist es also an uns, die Teile des Bikes und ein bisschen Kleingeld aufzutreiben. Hier bekommen wir in einem Tutorial das grundlegende Prinzip und die Mechaniken der Rätsel erklärt.
Alte Genre-Hasen können das auch gut und gerne überspringen, denn das Prinzip dürfte altbekannt sein. Mithilfe eines Mausklicks können wir mit der Umgebung interagieren, interessante Objekte lassen sich dabei durch einen Druck der Leertaste hervorheben. Items, die wir mitnehmen können, landen in Willys Inventar. Hier können wir auch mehrere Gegenstände miteinander kombinieren, um zu neuen Hilfsmitteln zu gelangen. Auch können wir jederzeit versuchen, die Gegenstände aus unserem Inventar mit beliebigen Objekten in unserer Umgebung zu kombinieren. Als Beispiel müssen wir für das Lösen einer Schraube zunächst einen Schraubenschlüssel finden. Jedoch ist die Schraube völlig festgerostet. Also besorgen wir uns Sonnenöl als Schmiermittel. Das ist jedoch vertrocknet und muss erhitzt werden. Also kombinieren wir das Öl mit unserer heiß laufenden Schreibtischlampe, dann kombinieren wir das Öl mit der Schraube, die wir dann mit dem Schlüssel lösen können. Von Monkey Island bis Leisure Suit Larry kennt man dieses Prinzip, hier macht Willy Morgan nichts anders.
Wes Anderson trifft Disney-Animation
Quelle: PC Games
Willy Morgan and the Curse of Bone Town in der Vorschau: Wie gut schlägt sich die Hommage an Monkey Island?
Was Willy Morgan hingegen grundlegend von anderen Genre-Vertretern abhebt, sind der Stil und die optische Gestaltung. In den 3D-Umgebungen ist alles sehr bunt und auffällig, zudem wirken alle Gegenstände verzerrt und verbogen. Gerade Säulen, Türrahmen oder Tischbeine gibt es hier kaum, stattdessen ist alles ein bisschen krumm und schief, Ecken sind meist weich und abgerundet. Durch das Zusammenspiel der bunten Gestaltung und der verzerrten Umgebungen entsteht ein fast schon psychedelischer Eindruck, der nicht nur sehr erfrischend und neu wirkt, sondern auch hervorragend zu Willy Morgans mystischem Abenteuer passt.
Während der Dialoge wirkt der Titel wiederum leider etwas altbacken. Hier blicken wir meist auf statische Charaktermodelle, bei denen sich einzig der Mund bewegt. Das wirkt oft ein bisschen steif und unbeholfen, auch so richtig zeitgemäß ist das wohl nicht mehr. Doch sieht man darüber nach einiger Zeit hinweg, denn die Begegnungen mit den sehr unterschiedlichen Charakteren sind dafür allesamt interessant und humorvoll geschrieben. So begegnen wir in Bone Town etwa einem Technik-Enthusiasten, der uns stolz erzählt, er habe eine vollautomatisierte Kneipe eingerichtet. Damit meint er, dass er einen Haufen Getränkeautomaten in seine Garage gestellt hat. Wenn wir ihn fragen, was er denn sonst noch so macht, dann erklärt er uns, er arbeite mit Videospielen. Als Entwickler etwa? Aber nein, auf keinen Fall, er wolle ja schließlich auch Geld verdienen. Also spielt er einfach nur Spiele und schreibt hilfreiche Kritiken und Feedback für die Entwickler. Oh, Moment ...
Ahoi Matrosen, Verschwörung in Sicht!
Quelle: PC Games
Willy Morgan and the Curse of Bone Town in der Vorschau: Wie gut schlägt sich die Hommage an Monkey Island?
Der eine oder andere mag sich inzwischen wohl fragen, was das ganze nun mit Piraten zu tun hat. Zum einen ist die Suche nach Willys Vater wie eine Schatzsuche aufgebaut. Wir erhalten stets versteckte und kryptische Hinweise von Henry Morgan, die es durch kreativen Gebrauch der Items und der Umgebung zu verfolgen gilt. In Bone Town angekommen ist es sogar unsere Aufgabe, die Teile einer Schatzkarte zu finden und zusammenzusetzen. Zum anderen sind die meisten lustigen Charaktere, mit denen wir es in der Stadt zu tun bekommen, die Nachfahren berühmter Piraten.
So treffen wir etwa früh auf eine Bibliothekarin namens Margaret Teach, eine Nachfahrin des berüchtigten Piraten Blackbeard. Unser Onkel und der Bürgermeister der Stadt, Steve Bonnet, ist eine Anspielung an den "Gentleman-Piraten" Stede Bonnet, den einige vielleicht schon aus Assassins Creed 4: Black Flag kennen. Es finden sich jedoch nicht nur Anspielungen auf reale Piraten, sondern auch auf fiktive Freibeuter wieder. So hängen in der Stadt zum Beispiel die Steckbriefe einer berüchtigten Gang aus, zu deren Mitgliedern, so erzählt uns Willy, unter anderem "Ruffy, Nami und Zoro" gehören. Auch andere popkulturelle Referenzen verstecken sich im Detail. So finden wir im Waffenladen der Stadt etwa den Schild von Captain America.
Quelle: PC Games
Willy Morgan and the Curse of Bone Town in der Vorschau: Wie gut schlägt sich die Hommage an Monkey Island?
Allen Charaktere scheinen in eine alte Verschwörung verwickelt zu sein. Oft sehen wir Leute hektisch nach einem Telefonhörer greifen, sobald wir einen Raum verlassen. Auch geben die gelegentlich gezeigten Zwischensequenzen nach dem Fund einiger Schatzkartenteile einen Ausblick auf einen Gegenspieler, dessen wahres Gesichts aber stets verborgen bleibt. Dieser ist offenbar sehr nah an etwas dran, und will es sich dieses Mal nicht ruinieren lassen. Worum es dabei geht, was es mit der Verschwörung auf sich hat und was mit Willys Vater passiert ist, blieb zum Ende der Preview-Version natürlich offen. Genaugenommen endete diese sogar mit einem ziemlich fiesen Cliffhanger. Auf jeden Fall sind wir sehr interessiert daran, herauszufinden, wie es wohl weitergeht.
Schhh, ich höre nichts!
Quelle: PC Games
Willy Morgan and the Curse of Bone Town in der Vorschau: Wie gut schlägt sich die Hommage an Monkey Island?
Ein ziemlicher Dämpfer für den Spielspaß war indes ein seltsamer "Fehler", der sich während des Anspielens ereignete. Sobald wir nämlich unser Haus verlassen und Bone Town erreicht hatten, gab es keinerlei Sprachausgabe mehr. Auch eine Neuinstallation des Spiels oder Änderungen in den Lautstärke-Einstellungen verschafften keine Abhilfe. Interagierten wir aber mit Objekten, die wir schon im Prolog gefunden hatten, so war unser Protagonist doch wieder gesprächig. Hier ist stark davon auszugehen, dass in der gespielten Version die entsprechenden Voice-Files einfach noch nicht richtig eingepflegt wurden. Sollte dies aber auch in der finalen Version so bestehen bleiben, dann ist das für ein modernes Spiel ein relativ großes Manko.
Ebenfalls Abzüge in der B-Note gibt es für die Handhabung des Inventars. Dieses öffnen wir mit einem Druck der I-Taste, innerhalb des Inventars können wir dann etwa Briefe oder Landkarten mit einem rechten Mausklick aufrufen. Soweit so gut. Allerdings können wir die entsprechende Notiz nicht ohne Weiteres schließen. Haben wir diese geöffnet, schließt sich auch das Inventar wieder. Um die Notiz oder die Karte zu schließen, müssen wir das Inventar also wieder öffnen und erneut mit einem Rechtsklick das Objekt betätigen. Das ist unnötig umständlich, vor allem, wenn man sehr viel herumprobiert. Hier würde ein Button zum Schließen oder Weglegen eines Gegenstandes sehr viel Sinn ergeben.
