E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt

Special Lukas Schmid 53,99 €
E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt
Quelle: Ubisoft 

Der dritte Teil von Ubisofts Hacker-Saga hört auf den Namen Watch Dogs Legion - und verzichtet auf eine dedizierte Hauptfigur. Warum das so ist, wie das klappt und warum Legion gerade aus diesem Grund der vielleicht vielversprechendste Titel der Reihe sein könnte, erklären wir in unserer E3-Vorschau.

Manuel Duran, 38, hat einen dritten Nippel. Mit dieser wunderbaren Feststellung leiteten wir dereinst unseren Test zum ersten Teil der Watch-Dogs-Reihe ein.
Darin übernahmen wir die Kontrolle über Aiden Pierce, seines Zeichens Profihacker, tragischer Held und ziemliche Schnarchnase. Der Nachfolger ließ uns in die schicken Converse von Vollzeithipster Marcus Holloway schlüpfen, erneut nicht gerade ein Musterbeispiel für einen gut ausgearbeiteten Protagonisten.

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Und dieser furchtbare Oberlippenbart! Im Grunde erzählten aber beide Spiele Geschichten, die sich um ihre Heroen drehten. Die Welt und vor allem die NPCs darin, deren Hintergrundgeschichten wir auf Knopfdruck "erhacken" konnten, waren bloß nettes Beiwerk.

Wer braucht schon eine Hauptfigur?

In Watch Dogs: Legion können wir uns nicht nur von Manuel Durans, 38, drittem Nippel erheitern lassen. Wir können ihn und seine drei Nippel auch direkt kontrollieren! Nun gut, vielleicht nicht die Nippel selbst, aber doch Manuel. Und Andy. Und Kirsten. Und Jessica. Und Großmütterchen Agatha. Legion verzichtet auf einen klassischen Protagonisten und erlaubt es uns stattdessen, absolut jeden NPC im Spiel in die Heldenrolle schlüpfen zu lassen. Wenn man keine anständige Hauptfigur hinbekommt, lässt man sie also einfach weg - auch eine Methode!

E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (5) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (5) Gut, das war gemein und natürlich war das nicht die Intention der Entwickler hinter dieser Designentscheidung. Also, denken wir zumindest nicht. Stattdessen wird einfach der Hackerkollektiv-Gedanke aus Watch Dogs 2 konsequent weitergesponnen. Dedsec, die computeraffine Untergrundbewegung, ist eben keine One-Man-Show. Und es geht ja auch um einiges: Im virtuellen London des Spiels ist durch den Aufstieg einer Krypto-Währung und den gleichzeitigen Verfall des britischen Pfundes das Chaos über die englische Hauptstadt hereingebrochen. Die Wirtschaft liegt am Boden, Politik und Polizei sind entmachtet und die paramilitärische Organisation Albion hat die Kontrolle über die Millionenmetropole übernommen. Da braucht es eine Gruppe, die sich diesem Wahnsinn entgegenstellt!

Permadeath mal anders

Wie das Spiel startet, ob also alle mit derselben Figur loslegen, wissen wir noch nicht. Jedenfalls machen wir es uns anschließend sofort zur Aufgabe, neue Dedsec-Mitglieder für unser bis zu 20 Personen umfassendes Team zu rekrutieren. Segnet ein Teammitglied das Zeitliche, heißt es nicht "Game Over", sondern ein anderer Untergrundkämpfer übernimmt. Der oder die Dahingeschiedene ist tatsächlich für immer perdu und die für ihn/sie erarbeiteten Skill-Updates sind ebenso dahin. E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (4) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (4)

Um einen neuen Mitstreiter für die gute Sache zu finden, hacken wir einfach einen NPC auf der Straße, der uns gefällt. Anschließend sehen wir, wie positiv er oder sie Dedsec gestimmt ist, welche Perks (etwa mehr Lebensenergie, besonderes Schusswaffen-Talent) die Figur hat und welche Nachteile (geringes Lauftempo, Anfälligkeit gegen bestimmte Attacken etc.). Je nach bereits vorhandener Dedsec-Sympathie muss mehr oder weniger Überzeugungsarbeit geleistet werden, um jemanden auf unsere Seite zu ziehen. Schlussendlich läuft dieser Vorgang aber immer darauf hinaus, dass wir eine zufällig zugeordnete Mission erledigen, etwa einen Rivalen des NPCs ausschalten oder ihm sonstwie zur Seite stehen. Nach genügend Überzeugungsarbeit findet der oder die Umworbene uns gut und ist fortan Teil des Teams.

Lass das mal die Omma machen

Interessanterweise gibt es tatsächlich keine Beschränkungen, wen wir wählen können. Sei es ein Kerl im Ganzkörper-Latexkostüm, ein Latino-Macho oder eine biedere Großmutter mit Flickenjacke und Faltenrock - sie alle können Teil der Bewegung werden! Wenig überraschend wählten wir und gefühlt sämtliche anderen Pressevertreter beim E3-Event natürlich eine rüstige Rentnerin, mit der wir dann gegen Albion vorgingen. Die Figuren sind auch in allen Zwischensequenzen zu sehen und sogar kleine Unterschiede im Verhalten soll es je nach Typ geben.

E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (9) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (9) Spannend: Die Entwickler versprechen, dass keine Figur der anderen gleichen soll. Jede habe eine eigene Hintergrundgeschichte, niemand höre sich gleich an. Hehre Worte, in der Praxis aber wohl schwer umzusetzen und auf Nachfrage war man mit Details dann auch noch etwas schwammig. So soll es wohl schon eine ganze Menge Synchronsprecher geben, welche die Stimmen einsprechen und wir nahmen bereits diverse Akzente wahr, von einem Iren bis hin zu einer Latina. Für die versprochene riesige Menge an unterschiedlichen Sprech-Varianten scheint man aber einfach auf unterschiedlich hoch und tief gepitchte Versionen der Stimmen zurückzugreifen.

Ebenso denken wir nicht, dass die angepriesenen unterschiedlichen Hintergrundgeschichten für absolut jeden NPC über die Kurz-Bios aus ihren gehackten Daten hinausgehen. Versprochen wird auch, das jede Figur einem individuellen Tagesablauf nachgehen soll - inwieweit das stimmt, konnten wir noch nicht überprüfen. Schön ist es auf jeden Fall schon, wenn wir zwischen unseren Teammitgliedern wechseln und den neu gewählten Helden bei einer alltäglichen Aktion wie dem Herumspielen am Handy überraschen. Das reicht zwar bei weitem nicht an die lustigen Situationen aus GTA 5 heran - einen herumwütenden NPC Marke Trevor haben wir noch nicht ausmachen können -, trägt aber zur Authentizität bei.

E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (8) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (8)

Was ist dran an den Versprechen?

Auch, wenn wir Ubisoft die schiere Menge an Figuren-Individualität und, dass kein NPC dem anderen gleichen soll, nicht so recht abnehmen wollen, ist das, was die Entwickler hier schaffen, trotzdem definitiv beeindruckend und neuartig. Zumal sich Figuren etwa auch merken sollen, wenn wir sie anrempeln und uns gegenüber entsprechend schlechter eingestellt sind, wenn wir sie später einmal rekrutieren wollen. E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (11) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (11)

Abseits dieses großen neuen Features erlaubt Watch Dogs Legion (jetzt kaufen 59,99 € / 53,99 € ) auch sonst ziemlich viel Vorgehen nach Lust und Laune. Jede Figur kann einer der drei Klassen Enforcer, Infiltrator und Hacker zugewiesen werden, wobei die Ausgangswerte meist eine Wahl zumindest nahelegen. Aber im Endeffekt steht uns frei, uns zu entscheiden, wie wir vorgehen wollen. Stealth oder lieber Action? Auch das liegt an uns. Unterschiedliche Routen in Gebäude, in denen wir Missionen erledigen müssen, hilfreiche Spielereien wie Krabbel- und Flugdrohnen, Meele- und Fernwaffen und mehr zeugen davon, dass die Entwickler wirklich versuchen hier keinen Spielergeschmack zu kurz kommen zu lassen. Aber das gelang ja auch beim Vorgänger schon ganz gut.

Of Missions and Maps

Maximale Freiheit soll auch für die Wahl der Aufgaben gelten, wo uns im Rahmen von fünf Storylines insgesamt knapp 60 Missionen erwarten. Wie bei vielen Aspekten des Spiels lässt sich Ubisoft Details dazu aber noch nicht wirklich aus der Nase ziehen, trotz heftiger Versuche unsererseits: Müssen wir alle Storylines erledigen? Steht uns die Abfolge der Missionen frei? Wie sieht es mit dem Aufbau der Welt aus? Fragen über Fragen. Keine Fragen stellten wir zum Online-Multiplayerpart, da man hier von Anfang an klarstellte, dass dieser erst zu einem unbekannten Zeitpunkt nach der E3 näher thematisiert werden wird - vielleicht auf der gamescom im August. Er soll auf jeden Fall auf den, was man aus den bisherigen Spielen kennt aufbauen und uns die Map gemeinsam mit drei anderen Teilnehmern erforschen lassen. E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (6) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (6)

Apropos Map: Viel von London bekamen wir noch nicht zu sehen. Die Stadt wirkt aber schön realistisch, nicht zu klinisch sauber und Wahrzeichen wie Big Ben, Piccadilly Circus und mehr sorgen für Wiedererkennungswert. Dass sie Open World können, das hat Ubisoft ja inzwischen wirklich zu Genüge bewiesen. Überraschenderweise war der Austausch mit dem Team hinter Assassin's Creed: Syndicate, welches ebenfalls in London angesiedelt ist, offenbar eher gering. Die viktorianische und die moderne Version der Metropole haben offenbar auch bezüglich der grundlegenden Stadt-Architektur nicht so viel miteinander zu tun, wie man als Laie meinen mag.

E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (10) Quelle: Ubisoft E3-Vorschau zu Watch Dogs: Legion - als Hackerkollektiv gegen die Londoner Unterwelt (10)

Das bisher beste Watch Dogs?

Nach einer einführenden Präsentation und etwa 45 Minuten Gameplay-Zeit mit der Demo können wir auf jeden Fall mit gutem Gewissen sagen, dass es uns Watch Dogs Legion wirklich angetan hat. Der "Jeder kann der Held sein"-Ansatz funktioniert klasse und das nicht nur, weil man dann als Großmutter mit Steckfrisur in bester R.E.D.-Manier mit großen Wummen gegen die bösen Buben vorgehen kann. Nein, auch sonst scheint der Titel den Freiheitsgedanken nicht nur für sich in Anspruch zu nehmen, sondern zu leben. Wir halten auf jeden Fall Ausschau, ob wir Manuel Duran, 38, irgendwann über den Weg laufen, wenn das Spiel am 6. März 2020 für PC, PS4, Xbox One und Google Stadia erscheint. Alle Macht den drei Nippeln!

Lust auf mehr E3 2019? Bei uns findet ihr die volle Ladung Infos, live von der Messe und stets topaktuell!

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