Watch Dogs Legion in der Vorschau: Der finale Check vor dem Test
Special 53,99 €
Watch Dogs Legion, Assassin's Creed Valhalla, Immortals: Fenyx Rising - Ubisoft lässt sich in den letzten paar Monaten des Jahres 2020 wahrlich nicht lumpen, was Open-World-Action-Adventures angeht! Als erstes geht am 29. Oktober das Londoner Hacking-Abenteuer Legion auf PC, PS4 und Xbox One (und später auf PS5 und Xbox Series X) an den Start und schickt uns in eine Version der britischen Metropole, in der Anarchie die Gesellschaft zum Erliegen gebracht hat - ganz ohne Boris Johnson! Wir konnten bereits viele Stunden hineinspielen und verraten kurz vor dem Test in unserer Vorschau samt Video, was Watch Dogs Legion taugen wird!
Watch Dogs, die Dritte: Nachdem die Open-World-Serie rund um das fröhliche Hacker-Leben uns in den ersten beiden Spielen nach Chicago und San Francisco geschickt hat, geht es in Watch Dogs Legion ab auf den alten Kontinent, genauer gesagt nach London. In der nahen Zukunft hat es sich dort eine bösartige Miliz namens Albion etwas zu gemütlich gemacht: Im Auftrag der korrupten Regierung hat sie die britische Hauptstadt in einen Überwachungsstaat verwandelt, samt direktem Zugriff auf das quasi allwissende Betriebssystem ctOS, welches schon in den Vorgängern für Chaos gesorgt hat.
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Das Hauptziel Albions: Wir, in Gestalt der Hacker-Gruppe DedSec! Uns wird nämlich ein verheerender Anschlag zulasten gelegt, der die Machtübernahme Albions erst ermöglichte. Jetzt gilt es, unsere Unschuld zu beweisen und den fiesen Machenschaften der Usurpatoren ein Ende zu bereiten.
Das Wir gewinnt
Quelle: PC Games
London wurde wirklich famos gestaltet. Es macht Spaß, die Stadt zu erforschen, ob zu Fuß oder aus luftigen Drohnen-Höhen.
Das unbestimmte "wir", welches wir in unseren Artikeln gerne als Anrede benutzen, war noch selten zutreffender als im Falle von Watch Dogs: Legion (jetzt kaufen 59,99 € / 53,99 € ). Denn tatsächlich gibt es in dem Abenteuer nicht den einen Helden, wie wir beim erneuten, stundenlangen Anspielen feststellen konnten. Stattdessen kann theoretisch wirklich jeder NPC in der Spielwelt von unserer Sache überzeugt werden, sodass er sich uns anschließt, ganz egal, ob geschiedener Familienvater, Bingo spielende Großmutter oder Hipster mit schlechtsitzender Hose.
How can you tell me you're lonely
Geht dieser Ansatz auf? Es ist klar: Eine starke emotionale Bindung werden wir zu unseren Helden in Watch Dogs: Legion eher nicht auf aufbauen. Erzählt wird nicht die persönliche Geschichte eines Einzelnen, sondern jene DedSecs als Kollektiv. Das ist auf jeden Fall mutig, mit Blick auf die nicht gerade vor Esprit sprühenden Protagonisten aus Teil 1 und 2 aber auch nicht unbedingt ein Verlust. Ein bisschen die Vergangenheit verklären kann man aber freilich trotzdem und die Rückkehr von Aiden Pearce aus dem ersten Watch Dogs im ersten Post-Launch-DLC als großartige Nachricht verkünden. Nun ja.
Quelle: PC Games
Immer wieder müssen wir mit unseren Tech-Gadgets vergangene Geschehnisse rekonstruieren, um Verbrechen auf die Spur zu kommen.
Die Mühe, die in dieses "Jeder ist ein Held"-Feature gesteckt wurde, ist auf jeden Fall offensichtlich. Zumindest bisher sind uns noch keine massig geklonten NPCs aufgefallen, Varianz ist also tatsächlich gegeben. Die Figuren sehen alle anders aus, sie gehen diversen Beschäftigungen nach und klingen auch unterschiedlich - einerseits einfach wegen zahlreicher unterschiedlicher Sprecher mit verschiedensten britischen Akzenten, andererseits, weil mit Stimmverzerrern gearbeitet wird, wie uns schon beim ersten Anspielen auf der E3 2019 erklärt wurde.
Inseltalente
Auch in Sachen Fähigkeiten existieren klare Unterschiede, und die wurden dank der massiven Verschiebung des Titels von Anfang 2020 auf Ende des Jahres nun noch deutlicher herausgearbeitet. Je nach Alter und Herkunft sind unsere Figuren sportlicher oder weniger agil, verfügen über unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten, Klettertalente und andere Fertigkeiten und Einschränkungen. Bei Senioren kann es sogar sein, dass sie irgendwann völlig ohne unser Zutun einfach tot umfallen, weil das Alter sie dahingerafft hat - makaber, aber interessant! Geht eine unserer Figuren über den virtuellen Jordan, greifen wir auf eine andere aus unserer Auswahl zu, bis unsere erste Wahl nach Ablauf einer gewissen Frist wieder einsetzbar ist. Wahlweise gibt's aber auch einen Permadeath-Modus, da muss man den Verlust seines NPCs dann einfach hinnehmen.
Quelle: PC Games
Seit dem ersten Watch Dogs fester Bestandteil der Spielerfahrung: Wir hacken Kamerasysteme und manipulieren von dort aus die Umgebung.
Die verschiedenen Eigenschaften der Proto-Helden sehen wir, wenn wir mittels Smartphone-Hack per simplem Knopfdruck auf die Bio der Figuren Zugriff nehmen. Auch sonst existieren Unterschiede, etwa, was die verfügbaren Waffen angeht. Pazifistische NPC-Naturen greifen zur Taserpistole, wer keine Skrupel kennt, ist auch mal mit der Schrotflinte am Start.
Zusätzlich existieren aber Perks, auf die jeder Zugriff hat, freischaltbar via in der Welt und in Missionen gesammelter entsprechender Punkte. Dann erhalten wir etwa die Möglichkeit, uns kurzzeitig unsichtbar zu machen, kleine, steuerbare Hilfsdrohnen herbeizurufen, mit Granaten zu werfen oder sonstige technische Helferlein zu aktivieren.
Wie man Freunde gewinnt
Quelle: PC Games
Wenn alle Stricke reißen – oder wenn man Lust darauf hat –, dann ist der Griff zu Schritflinte, Taser-Pistole auch ein effizientes Mittel gegen die Albion-Schergen.
Wie überzeugen wir die NPCs, sich unserer Sache anzuschließen? Haben wir uns für einen Neuzugang entschieden, dann müssen wir für ihn eine kleine Mission absolvieren. Je nachdem, wie positiv oder negativ der oder die Auserwählte uns gegenüber eingestellt ist, sind diese Aufgaben aufwendiger oder leichter. Dann muss etwa eine Zielperson ausgeschaltet werden, wir müssen einen Gegenstand entwenden oder sonst wie helfend tätig werden.
Zumindest beim Anspielen wiederholten sich diese Missionen noch nicht. Es gebietet aber die Logik, dass nicht unendlich viele Missionsarten existieren können. Wir sind gespannt, ob und falls ja wann die innovative Helden-Mechanik ins Negative umkippt und zu nerven beginnt, weil man immer wieder und wieder dasselbe erledigen muss.
Let me take you by the Handy ...
Quelle: PC Games
Wir präsentieren: Die Map! ... Joah, das war es auch schon mit dem Infogehalt. Bitte weitergehen.
Wie spielt sich Watch Dogs Legion? Nun, dass es sich um ein Ubisoft-Open-World-Spiel handelt, kann es definitiv nicht abstreiten. Wir ziehen also durch die Stadt, klappern Icons ab, erledigen Missionen, sammeln Kram auf und nehmen Bereiche für DedSec ein. Oft laufen die Aufgaben darauf hinaus, dass wir irgendwo in Areale eindringen müssen. Was dem Abenteuer gut gelingt und was es von vielen Genre-Konkurrenten abhebt, ist die sehr offene Herangehensweise in diesen Momenten: Heißt: Ewig viel Abwechslungsreichtum bezüglich der Missionen gibt es nicht, sie fühlen sich aber dennoch selten gleich an.
So steht es uns frei, ob wir einfach mit der Wumme in der Hand hineinlaufen und losballern wollen. Dann haben wir zwar innerhalb kürzester Zeit halb London an der Backe hängen und machen uns das Leben dadurch ziemlich schwer, aber möglich ist's. Oder wir gehen unentdeckt vor, schalten Feinde aus oder gehen ihnen einfach aus dem Weg.
Quelle: PC Games
Die Entwickler lieben ganz offensichtlich die Spider-Drohne, weswegen sie ständig zum Einsatz kommt. Das macht aber nichts, denn diese fast an Jump & Runs erinnernden Abschnitte machen auch tatsächlich Laune.
Der hohe Variantenreichtum wird einerseits durch unsere mitgeführten Gadgets erreicht, andererseits durch die Tatsache, dass wir unzählige Objekte hacken können. Das System wurde seit dem ersten Watch Dogs ordentlich ausgebaut und erlaubt uns simple Dinge wie das Hochfahren von Hindernissen und das Fremdlenken von Autos, aber auch das Manipulieren von feindlichen Headsets und natürlich den Blick durch die Augen der zahllosen Sicherheitskameras der Stadt. Es war im ersten Watch Dogs fast ein Spiel im Spiel, sich mittels Kameras den digitalen Weg zu einem Zielort zu verschaffen, und das gilt freilich auch in Legion noch.
Kurzum: Da Hacking ist ein tolles Feature und bereichert das Gameplay klar. Dass es wirklich sehr einfach von der Hand geht, ist ein weiteres Plus. Die wenigsten Features benötigen mehr als zwei, drei Knöpfe, und sich selbst auf dem Rücken einer riesigen Drohne über die Themse zu manövrieren, hat definitiv Stil.
... and hack you trough the streets of London
Wir haben es schon anklingen lassen: Abseits des Hackings und der sich nicht nur, aber auch dadurch ergebenden Freiheit bei der Herangehensweise an Missionen wirkt Legion bisher doch nach einer recht sicheren Bank. Das NPC-Feature ist sehr spannend, ändert aber auch nichts an diesem Umstand.
Das ist nicht schlimm und das Open-World-Gameplay macht Spaß. Die Autos steuern sich schön Arcade-lastig und mit einem roten Doppeldeckerbus durch die Gegend zu smashen, macht natürlich Laune. Man hat aber dennoch stets das Gefühl, all das schon mal gespielt zu haben. Sich besaufen, Darts spielen, sich mit neuen Klamotten ausstatten - auch die Minispiele und sonstigen Beschäftigungen sorgen für Déjà-vus.
London-Feeling in Corona-Zeiten
Quelle: PC Games
Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es allenthalben, sie wirken aber ein wenig nach Schema F gestaltet. Wir wissen nicht, wie oft wir in Spielen schon zum Dartpfeil gegriffen haben.
Da hilft es, dass sich die Macher wieder mal übertroffen haben, was die Gestaltung der Spielwelt angeht. Ubisoft gelingt es nicht immer, die Open Worlds mit dem interessantesten Kram zu füllen. Da die erschaffenen Orte aber stets wunderbar gestaltet sind, macht alleine das Erforschen schon viel Freude. Das virtuelle London ist somit ein beeindruckendes Pflaster voller unterschiedlicher Gebiete, nachvollziehbar gebaut, nicht zu sauber, wunderbar ausgeleuchtet und beeindruckend realistisch. Zwischen Backsteinmauern zu gehen, sich am London Eye herumzutreiben, die typische britische Architektur zu bewundern, all das sorgt für jede Menge Atmosphäre.
Im Laufe der Jahre wirkten die Ubi-Welten durch nachvollziehbare NPC-Routinen zudem immer mehr wie nicht nur hübsche, sondern auch belebte Orte, und da ist Watch Dogs ohnehin seit dem Erstling vorne mit dabei. Die kleinen Hintergrundgeschichten ausnahmslos aller Figuren verleihen dem virtuellen London noch einen zusätzlichen Zacken Glaubwürdigkeit.
Die altbekannten Straßen und Gassen
Quelle: PC Games
Ikonische Elemente Londons wie die roten Doppeldeckerbusse oder Telefonzellen dürfen freilich nicht fehlen, wurden aber meist mit einem leicht futuritischen Touch versehen.
Fazit: Eine Revolution für das Open-World-Genre wird Watch Dogs Legion wohl nicht werden, dafür wandert es in vielerlei Hinsicht doch arg auf ausgetretenen Pfaden. Das frische NPC-Feature und das bewährte Hacking zeichnen es aber aus und so werden Freunde des gepflegten Abklapperns hier wohl viel haben, was ihnen Spaß bereitet.
Ob es so klug ist, Legion fast zeitgleich mit der hauseigenen Open-World-Konkurrenz Assassin's Creed Valhalla (10. November) und Immortals: Fenyx Rising (3. Dezember) auf den Markt zu bringen, sei dahingestellt. Trotz sehr unterschiedlicher Settings gibt es hier natürlich viele Gemeinsamkeiten und nicht alle Spieler werden Lust oder Zeit haben, gleich drei große offene Welten innerhalb kurzer Zeit zu ihrer Spiele-Heimat zu machen.
Auch fraglich ist, wie aggressiv der Echtgeld-Shop in Legion sein wird. In der Demo hatten wir darauf noch keinen Zugriff, wir rechnen aber Ubi-typisch mit Skins, "Zeitersparern" und mehr.
Wir sind nach den Anspielen auf jeden Fall gespannt, was uns noch alles auf den Straßen Londons erwartet und natürlich auch auf die Next-Gen-Versionen des Spiels, von denen wir aber keine technischen Wunderwerke, sondern klassisches Cross-Gen-Futter erwarten. In wenigen Wochen werden wir all diese Punkte natürlich in unserem Test unter die Lupe nehmen.
Watch Dogs Legion erscheint am 29. Oktober 2020 für PC, PS4 und Xbox One. Umsetzungen für PS5 und Xbox Series X folgen kurz nach den jeweiligen Konsolenlaunches.
