Watch Dogs 2 im Test: Spielwelt, Atmosphäre und PC-Update

Test Christian Dörre 44,99 €
Watch Dogs 2 im Test: Spielwelt, Atmosphäre und PC-Update
Quelle: Ubisoft

Im zweiten Teil unseres Tests zu Watch Dogs 2 erklären wir, wo der Titel unnötig Potenzial liegen lässt, ob die Spielwelt atmosphärisch ist, und welche Beschäftigungen euch in der offenen Welt des Hacker-Abenteuers von Ubisoft erwarten.Zudem gehen wir auf die PC-Version ein.

Watch Dogs 2 im Test: Das war's schon?

Dennoch lässt Watch Dogs 2 in vielen Missionen haufenweise Potenzial und Spielspaß liegen. So bekommt Ubisoft Montreal es beispielsweise hin, dass ein Kartrennen keinen Spaß macht. Der Missionsaufbau ist hier nämlich folgender: Wir nehmen an einem Rennen teil, dass wir nicht gewinnen können, müssen es aber erst komplett fahren. Danach sollen wir ein neues Teil finden, um unser Kart schneller zu machen und dafür müssen wir einmal quer durch die Stadt und wieder zurück. Das zweite Rennen können wir aber auch nicht gewinnen. Vor dem dritten Wettkampf müssen wir noch ein Teil am anderen Ende der City besorgen. Das dritte Rennen kann man dann endlich siegreich beenden. Das ist nervige Spielzeitstreckung und schlechtes Missionsdesign.

Bei anderen Aufträgen merkt man, dass das Entwicklerteam eine gute Idee hatte, aber die Kreativität fehlte, um diese cool umzusetzen. So soll man einen fiesen Firmenchef bei seinem Fitnesstraining filmen und ihn per Hacks lächerlich machen. Was man da lles machen könnte ... Letztendlich stellt man nur sein Laufband immer schneller bis er schließlich hinfällt. An anderer Stelle klauen wir aus einem Filmstudio ein futuristisches sprechendes Auto, das an KITT aus Knight Rider erinnert, um es umzubauen und damit Chaos zu stiften. Coole Idee! Und was machen die Entwickler dann daraus, wenn man am Boliden rumgeschraubt hat? Ein schnarchiges Checkpoint-Rennen, das man so schon tausendmal in anderen Spielen gesehen hat.

Auf Missionen die richtig Spaß machen folgen immer wieder Aufträge, wo man sich fragt: " Das war es jetzt schon?" Wie auch Teil 1 schafft es Watch Dogs 2 aufgrund seiner inkonsequenten Missionsabläufe einfach nicht, das durchaus vorhandene Potenzial zu nutzen. Schlimmer noch: Die oftmals zusammenhanglose Story gepaart mit den nicht ausgeschriebenen Charakteren und den unkreativen Missionen auf Basis einer vielversprechenden Idee sorgen dafür, dass die verschiedenen Elemente zusammengewürfelt wirken.
Highlights wie unser Eindruch beim FBI sind etwas rar gesät in der Kampagne. Die Missionen ähneln sich in ihrem Ablauf stark. Dank der Hacking-Fähigkeiten machen sie dennoch meistens Spaß. Quelle: PC Games Highlights wie unser Eindruch beim FBI sind etwas rar gesät in der Kampagne. Die Missionen ähneln sich in ihrem Ablauf stark. Dank der Hacking-Fähigkeiten machen sie dennoch meistens Spaß.

Watch Dogs 2 im Test: Wohlfühlatmosphäre

Bei der Auswahl des Schauplatzes ihres Spiels hat Ubisoft jedoch alles richtig gemacht. Die kalifornische Bay Area ist mit San Francisco, Oakland und Umland hervorragend eingefangen. Zwar nahmen sich die Entwickler an einigen Stellen etwas kreative Freiheit heraus, doch das ganz eigene Flair der Region wurde toll eingefangen. Wer schon mal in San Francisco war, erkennt überall markante Ecken wieder und auch bekannte Sehenswürdigkeiten wie Fisherman's Wharf, der Pier 39 und sogar die ehmalige Gefängnisinsel Alcatraz können besichtigt werden. Überhaupt kein Vergleich zum tristen, überall gleich aussehenden Chicago im ersten Watch Dogs.

Technisch hat sich allerdinsg nicht viel getan, man könnte sogar sagen, dass man immer noch auf dem grafischen Niveau des Vorgängers liegt. Zudem hat der Titel bei der Schattenberechnung große Probleme. Oftmals wirft die Spielfigur gar keinen Schatten und beobachtet man die Umgebung, fällt oft auf, dass die Schatten von Gebäuden nervös hin und her zucken. Optisch ist Watch Dogs 2 aufgrund der knalligen Farben dennoch ansprechender als der erste Teil. Ärgerlich ist allerdings, dass man das Umland nicht frei erkunden kann. Wer ein wenig im Unterholz herumstreift, bekommt schon bald einen Countdown angezeigt, der besagt, dass man schleunigst ins Spielgebiet zurückkehren soll. Dadurch wirkt Watch Dogs 2 im Vergleich zu anderen Open-World-Spielen etwas eingeschränkt.

Zudem hat die Spielwelt das Problem, dass sie kaum mehr als eine Kulisse ist. Nebenbeschäftigungen sind in Watch Dogs 2 rar gesät. So dürft ihr beispielsweise über die Driver-San-Francisco-App Taxi-MIssionen übernehmen oder an bestimmten Stellen in der Spielwelt Selfies machen. Dafür gibt es dann ein paar Follower. Außerdem lassen sich einzelne Forschungspunkte in der Welt finden, für die ihr meist ein kleines Umgebungsrätsel lösen müsst. Überall in der Welt verteilt lassen sich zudem Knotenpunkte freischalten, die bislang gesperrte Fähigkeiten in den Talentbäumen aufdecken. Das ist alles ganz okay, aber eben auch wenig einfallsreich. Für diese paar Nebenbeschäftigungshäppchen ist die Bay Area eigentlich viel zu groß, wodurch der Eindruck verstärkt wird, dass die Spielwelt lediglich eine tolle Kulisse ist. Selbst die aus dem Vorgänger bekannten Spiele wie Spider-Tank fehlen. In Watch Dogs bissen sie sich mit der düsteren Atmosphäre, aber bei den überdrehten Hackern in Teil 2 hätte das doch hervorragend gepasst.

Grafisch hat sich seit dem ersten Watch Dogs nicht viel getan, dennoch wirkt Teil 2 aufgrund der knalligen Farben des Settings ansehnlicher. Quelle: PC Games Grafisch hat sich seit dem ersten Watch Dogs nicht viel getan, dennoch wirkt Teil 2 aufgrund der knalligen Farben des Settings ansehnlicher. Auch die Mehrspieler-Modi sind mehr nette Dreingabe als Zeitfresser. Wie auch beim Vorgänger können andere Hacker in euer Spiel eindringen und euch (nun ja) hacken. Ihr müsst nun den Hacker ausfindig machen und zur Strecke bringen. Andersherum funktioniert das natürlich auch. Zudem gibt es nun auch Koop-Missionen mit einem zweiten Online-Spieler zusammen. Hier beschränkt sich zumeist ein Zocker auf das Hacken und der andere dringt in das feindliche Gebiet ein. Die Koop-Aufträge dürft ihr aber auch alleine spielen, wenn euch nicht nach Gesellschaft ist. Solltet ihr euch nach Chaos sehnen, nehmt ihr an einer Kopfgeldjagd teil, in der ihr und bis zu zwei weitere Spieler einen anderen Zocker durch die Stadt jagt. Die Mehrspieler-Modi sind ganz nett für Zwischendurch aber auch leider nicht mehr.

Trotz der fehlenden Nebenaufgaben macht es immer wieder Spaß mit den zahreichen Vehikeln durch die toll gestaltete Spielwelt zu fahren. Nur an das arg arcadige Fahrverhalten muss man sich etwas gewöhnen. Wenn man nicht gerade in einem Truck oder Bus unterwegs ist, fühlen sich die Boliden einen Ticken zu leichtgängig an.

Watch Dogs 2 im Test: Ohrenschmaus und -graus

Doch nicht nur die Stadt ist sehr stimmungsvoll, auch den grandiosen Soundtrack müssen wir unbedingt lobend erwähnen. Aus den Genres Rock, Metal, Punk, Hip Hop und Elektro wurden etliche bekannte Songs lizenziert und über euer Smartphone im Spiel dürft ihr euch sogar eure eigene Playlist zusammenstellen. Während Metal-Fans für Chaos sorgen, während ihnen Megadeth auf die Ohren dröhnt, liefern sich Punk Rocker zu dem Geschrammel der Dead Kennedys Kämpfe mit der Polizei.

Im Nahkampf setzt Protagonist Marcus auf eine an einer Schnur befestigte Billardkugel. Die Zahnärzte in San Francisco freuen sich. Quelle: PC Games Im Nahkampf setzt Protagonist Marcus auf eine an einer Schnur befestigte Billardkugel. Die Zahnärzte in San Francisco freuen sich. Doch auch hier begeht Watch Dogs 2 einen blöden Fehler. Protagonist Marcus ist nämlich Elektro-Fan, egal, ob es der Spieler auch ist, und das nimmt im Spielverlauf immer wieder Einfluss auf die Musikauswahl. Bei vielen Hauptmissionen weist Marcus seine Freundin Sitara an, ihm "something fresh" zu spielen. Aus dem Bass-Intro von Rancids Journey to the End of East Bay wird dann plötzlich hektisches Elektro-Gewummer. Wer diesen Musikstil nicht mag, muss dann kurz aufhören die Mission zu spielen, das Handy zücken und wieder manuell auf die gewünschte Musik umstellen. Das ist umständlich und nervig. Doch auch die Tatsache, dass Held Marcus sich über die Wünsche des Spielers hinwegsetzt, trägt nicht gerade zur Charakterbindung bei. Und die hätte er schließlich dringend nötig.

Insgesamt ist Watch Dogs 2 ein gutes Spiel, doch sämtliche Spielelemente werden in irgendeiner Weise von Inkonsequenz, fehlender Kreativität oder verschenktem Potenzial leicht untergraben.

Watch Dogs 2 im Test: Update zur PC-Version

Meistens ist es ja ein Grund zur Sorge, wenn die PC-Fassung ein paar Wochen verschoben wird. Nach vielen fehlerbelasteten Portierungen in der Vergangenheit malt man sich dann schon mal eine technische Katastrophe aus. Bei Watch Dogs 2 ist diese Sorge jedoch glücklicherweise unbegründet. Ubisoft spendiert dem Hacker-Thriller nämlich eine vorbildliche Umsetzung für den Rechenknecht. Auch nach etlichen Stunden Spielzeit kamen während unseres Tests keinerlei Abstürze oder grobe Bugs vor. Lediglich die Werbung der Radiosender wechselte manchmal von einem Moment auf den anderen von der von uns gewählten deutschen Sprachausgabe zum ebenfalls installierten englischen Original. Dieses Fehlerchen beeinträchtigt aber natürlich nicht den Spielspaß und dürfte ziemlich schnell per Patch beseitigt werden.
Die Beleuchtung und knalligen Farben der Stadt sahen schon auf den Konsolen gut aus, sind auf dem PC aber noch ein ganzes Stück knackiger. Quelle: PC Games Die Beleuchtung und knalligen Farben der Stadt sahen schon auf den Konsolen gut aus, sind auf dem PC aber noch ein ganzes Stück knackiger.

Die PC-Version von Watch Dogs 2 verlangt zwar einiges an Leistung und bringt auf Ultra-Einstellungen selbst High-End-Rechner ins Schwitzen. Viele mögliche Feinjustierungen sorgen aber dafür, dass man schnell die richtigen Einstellungen für seinen Rechner findet. Auf unserem Testrechner mit i7-4790 CPU @ 3,60 GHz, einer GeForce GTX 980 und 16 GB RAM lief das Spiel auf sehr hohen Einstellungen jederzeit absolut flüssig. Die Ruckler beim Autofahren auf den auf 30 fps begrenzten Konsolen sind damit natürlich passé. Insgesamt sieht Watch Dogs 2 knackiger und feiner aus als auf PS4 und Xbox One. Wer das Bild noch schärfer haben möchte, darf zudem das Temporal Filtering ausschalten, was jedoch ordentlich Performance frisst. PC-exklusiv lässt sich sogar der typische San-Francisco-Nebel einschalten, welcher der Stadt einen noch originalgetreueren Look verleiht. Aber auch das zerrt ordentlich an der Leistung.

Dank frei belegbarer Maus- und Tastatur-Steuerung lassen sich sowohl baller- als auch Parcours-Passagen wunderbar steuern. Quelle: PC Games Dank frei belegbarer Maus- und Tastatur-Steuerung lassen sich sowohl baller- als auch Parcours-Passagen wunderbar steuern. Lobend erwähnen müssen wir zudem die frei belegbare Maus- und Tastatur-Steuerung. So lässt sich selbst das schnelle Parcours-Gameplay richtig gut steuern. Wer dennoch lieber auf das Gamepad wechseln möchte, freut sich, dass dies ohne zusätzliche Einstellungen sofort möglich ist. Einfach Controller anstöpseln, auf eine Taste drücken und schon passt sich das Interface automatisch an. Das ist vorbildlich. Wer noch mehr Details über die PC-Umsetzung von Watch Dogs 2 erfahren möchte, dem empfehlen wir den hier verlinkten Artikel von unseren Kollegen der PC Games Hardware, der ständig mit neuen Updates aktualisiert wird.

Abseits der technischen Umsetzung bietet Watch Dogs 2 auf dem PC natürlich die gleichen Stärken und Schwächen wie die Konsolenfassungen, die wir in den oberen Absätzen schon ausführlich erläutert haben. Auch wenn die Version für den Rechenknecht knackiger aussieht und insgesamt eine sehr gelungene Portierung ist, macht das weder ein schlechteres (natürlich nicht) noch ein besseres Spiel aus Watch Dogs 2, weshalb wir hier die gleiche Wertung wie für die PS4 geben. Die kleineren Ruckler beim Fahren waren hier schließlich auch nie Spielspaß-beeinträchtigend.

Meinung

Wertung zu Watch Dogs 2 (PS4)

Wertung:

7.8 /10

Wertung zu Watch Dogs 2 (PC)

Wertung:

7.8 /10
Pro & Contra
Grandioses SettingViele coole Hacking-FähigkeitenEinige coole Highlight-MissionenToller SoundtrackMehr IndividualisierungsmöglichkeitenGroße, toll gestaltete SpielweltGelungene PC-Umsetzung mit vielen Einstellungen
Kaum NebenbeschäftigungenViel verschenktes PotenzialSchlecht geschriebene CharaktereÖde, oft zusammenhanglose Story
Fazit

Gute Open-World-Action, der es an Kreativität, Abwechslung und einer guten Story fehlt.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Watch Dogs 2 im Test: Story, Charaktere, Hacking-Fähigkeiten
  2. Seite 2 Watch Dogs 2 im Test: Spielwelt, Atmosphäre und PC-Update
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk